Der entführte Sohn des Schrauben-Milliardärs Würth wurde in einem Wald bei Würzburg unversehrt gefunden.
Der entführte Sohn des Schrauben-Milliardärs Würth wurde in einem Wald bei Würzburg unversehrt gefunden. Bild © picture-alliance/dpa

Fast drei Jahre hat die Polizei nach dem Entführer des Milliardärssohns Markus Würth gefahndet. Mitte März 2018 nahmen die Beamten den mutmaßliche Täter in Offenbach fest. Eine Chronologie.

Audiobeitrag
"Hofgut Sassen" in Schlitz - davor Einsatzkräfte der Polizei

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Die Stimme des mutmaßlichen Würth-Entführers

Ende des Audiobeitrags

Ein 48 Jahre alter Familienvater soll vor drei Jahren den Sohn des Unternehmers und Milliardärs Reinhold Würth gekidnappt haben. Er steht ab Dienstag wegen erpresserischen Menschenraubes vor dem Landgericht Gießen. Der Kriminalfall Würth in chronologischer Reihenfolge – von der Entführung bis zum Prozess.

Die Chronologie der Ereignisse:

17. Juni 2015: Das damals 50 Jahre alte Entführungsopfer Markus Würth wird aus einer Wohngemeinschaft für Behinderte und Nicht-Behinderte im osthessischen Schlitz entführt. Eine Übergabe des geforderten Lösegeldes in Höhe von drei Millionen Euro scheitert in der Nacht.

18. Juni 2015: Der Sohn des Schrauben-Milliardärs Reinhold Würth wird in einem Wald bei Würzburg an einen Baum gekettet, aber unversehrt gefunden. Zuvor hat der Entführer die Geodaten verraten.

13. Juli 2015: Die von Polizei und Staatsanwaltschaft geschaltete Hotline, unter der ein Mitschnitt eines Anrufs des Lösegeld-Erpressers zu hören ist, wird mehr als 10.000 Mal gewählt. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Anrufer zwischen 35 und 60 Jahre alt ist und aus dem ehemaligen Jugoslawien stammt.

15. Juli 2015: Die Fahnder erhalten nach der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" neue Hinweise.

September 2015: Die Polizei löst die Sonderkommission auf, arbeitet aber weiter an dem Fall.

13. November 2016: Reinhold Würth äußert sich erstmals öffentlich zu dem Fall. In einem Interview mit den Zeitungen der Funke-Mediengruppe sagt der Unternehmer, dass sein Sohn nicht mehr in der Einrichtung im Vogelsbergkreis lebe. Den neuen Wohnort nennt er nicht.

4. Mai 2017: Nach einer erneuten Ausstrahlung des Falls in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" gehen mehr als 200 Hinweise bei der Polizei ein. Die Ermittler haben das Täterprofil mittlerweile eingegrenzt: zwischen 40 und 52 Jahre alt soll er sein, aus dem Grenzgebiet zwischen Serbien und Montenegro stammen.

14. März 2018: Eine Spezialeinheit der Polizei nimmt in Offenbach einen 48-Jährigen fest. Der mutmaßliche Täter aus Serbien kommt nach richterlicher Verfügung in Untersuchungshaft. Er bestreitet die Tat.

15. März 2018: Polizei und Staatsanwaltschaft äußern sich am Tag nach der Festnahme bei einer Pressekonferenz in Fulda detailliert zu ihrem Fahndungserfolg. Eine Zeugin aus dem Rhein-Main-Gebiet, die den mutmaßlichen Täter als Handwerker im Haus hatte, gab der Polizei den entscheidenden Tipp. Bekannt wird auch: Der Mann unternahm im April 2017 einen erneuten Erpressungsversuch. Per E-Mail drohte er erneut mit einer Entführung und forderte 70 Millionen Euro in Kryptowährung.

17. März 2018: Die Ermittler äußern sich in einem Zeitungsinterview zu möglichen Motiven des mutmaßlichen Täters. Er habe Geldsorgen gehabt und sei gern dem Glücksspiel nachgegangen.

21. Juni 2018: Die Staatsanwaltschaft Gießen erhebt Anklage gegen den mutmaßlichen Entführer wegen erpresserischen Menschenraubs. Im Fall einer Verurteilung drohen ihm 5 bis 15 Jahre Haft.

31. August 2018: Das Landgericht Gießen teilt mit, dass der Prozess gegen den mutmaßlichen Kidnapper am 11. September eröffnet wird. Das Gericht will den Fall an insgesamt zwölf Prozesstagen bis Anfang Dezember verhandeln.