Bildkombo: Feldlerche, Traktor

Eine aktuellen Studie der Umweltorganisation WWF zeigt das dramatische Sterben vieler Tierarten weltweit. Auch in Hessen sind Arten betroffen - vor allem Vögel wie Feldlerche, Wanderfalke und Uferschnepfe.

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zum hr-fernsehen.de Video Mehr als zwei Drittel der Tierarten seit 1970 vernichtet

maintower vom 10.09.2020
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Die weltweite Population von Wirbeltieren, also Vögeln, Fischen und Säugetieren ist seit 1970 um fast 70 Prozent geschrumpft. Das belegt eine Untersuchung des WWF, den die Umweltorganisation am Donnerstag veröffentlichte.

"Das kann man auch in Hessen beobachten", sagt Günter Mitlacher, Leiter für Internationale Biodiversitätspolitik beim WWF Deutschland. "Das sind etwa Vogelarten, die es zwar noch gibt, deren Bestände aber massiv gefährdet sind und die deshalb auf der Roten Liste stehen." Bei Limburg zum Beispiel sei die Feldlerche, bei Grünberg der Wanderfalke und in den Feuchtwiesen in Flussauen die Uferschnepfe betroffen. "Ich weiß nicht, ob unsere Enkel die noch zu sehen und zu hören bekommen werden", sagt Mitlacher.

Feldlerche hat kaum noch Nistplätze

Als Hauptursachen für das Tiersterben nennt der WWF die Vernichtung von Wäldern und die Ausbreitung der Landwirtschaft. So werde heute ein Drittel der weltweiten Landmasse und drei Viertel der Süßwasser-Gebiete für die Nahrungsmittelproduktion genutzt. In den Ozeanen seien 75 Prozent der Fischbestände überfischt.

In Hessen werde etwa die Entwässerung von Feuchtwiesen seit Jahrzehnten vorangetrieben, um Fläche für die Landwirtschaft zu gewinnen. Die intensive Landwirtschaft lasse immer weniger Platz für die Tiere, die Feldlerche beispielsweise habe kaum noch Plätze zum Nisten. "Die Tiere vermehren sich deshalb nicht mehr", sagt WWF-Biodiversitätsfachmann Mitlacher. "Der Lebensraum wird immer mehr an den Menschen angepasst, Tiere, die sich nicht schnell genug anpassen können, fliegen quasi raus."

WWF fordert Umdenken

Angesichts der Zahlen fordert der WWF einen Systemwechsel bei Agrarpolitik, Ernährungssystem und globalen Lieferketten. "Das Fleisch, das auch bei den Menschen in Hessen auf dem Teller landet, trägt dazu bei, dass in Brasilien die Regenwälder abgeholzt werden, um Platz für den Sojaanbau zu schaffen", sagt Mitlacher. Soja sei das Hauptfuttermittel in den großen Mastbetrieben weltweit. "Das hängt global alles zusammen." Statt aber mit dem Finger auf die Verbraucher und die Landwirte zu zeigen, müssten Politik und Wirtschaft Verbraucher davor schützen, "dass Entwaldung auf ihrem heimischen Teller landet" und die regionale Landwirtschaft unterstützen.

Einen Hoffnungsschimmer bietet eine ebenfalls am Donnerstag in der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlichte Studie mit dem Titel "Turning the Curve". Das Papier, an dem rund 40 NGOs mitgearbeitet haben, kommt zu dem Schluss, dass eine umweltfreundlichere Ernährung sowie radikale Schutzmaßnahmen mehr als zwei Drittel des Sterbens in den kommenden Jahren verhindern könnten - und so auch Vögeln wie der Feldlerche in Hessen das Überleben sichern.

Sendung: hr-fernsehen, maintower, 10.09.2020, 18.00 Uhr