Rettungskräfte der DLRG bei einem Einsatz auf einem Badesee
Rettungskräfte der DLRG bei einem Einsatz auf einem Badesee. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Sorglosigkeit, Selbstüberschätzung, mangelndes Schwimmvermögen, Rekordtemperaturen - das alles führte nach Angaben der deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft zu einem deutlichen Anstieg der tödlichen Badeunfälle im vergangenen Sommer. 36 Menschen starben.

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Boot der Wasserpolizei auf einem See

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found DLRG-Retter: "Manche überschätzen sich selbst"

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Während des langen und heißen Sommers des vergangenen Jahres sind in Hessen deutlich mehr Menschen beim Baden gestorben als 2017. Mit einem Anstieg von 19 auf 36 Badetote verdoppelte sich die Zahl nahezu. Dies geht aus Daten hervor, die die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) am Donnerstag vorlegte.

Grund ist laut DLRG-Pressesprecher Achim Wies das langanhaltende Sommerwetter, das 2018 einfach deutlich mehr Menschen in Seen, Flüsse und Schwimmbäder trieb. Bereits ab April sei die Zahl der Badetoten sukzessive angestiegen. Insgesamt kam es in Deutschland zu 504 tödlichen Badeunfällen - eine Steigerung um nahezu 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im internationalen Vergleich ist dies demnach jedoch ein verhältnismäßig niedriger Wert.

Als weitere Gründe nannte die DLRG Sorglosigkeit beim Gang ins Wasser bei großer Hitze, Alkoholmissbrauch und Selbstüberschätzung. Manche teilten sich ihre Kräfte schlecht ein und dächten nicht an den Rückweg, den sie ebenfalls schwimmen müssten.

An ungesicherten Badestellen häuften sich die Unfälle

Zu den meisten Todesfällen kam es laut DLRG an ungesicherten Badestellen wie in Seen und Flüssen. So ging in Hessen ein 23-Jähriger beim Baden in einem See in Raunheim (Groß-Gerau) unter. Kurze Zeit später wurde ein 33-Jähriger als vermisst gemeldet, der im Kasseler Bugasee schwimmen gegangen war. Anfang August ertrank eine 46-Jährige Frau im Main in der Nähe der Niddamündung in Frankfurt. Ebenfalls im August kam ein Mann beim Schwimmen in der Fulda ums Leben. Ein angetrunkener 19-Jähriger, der nicht schwimmen konnte, ging in Marburg beim Baden in der Lahn unter.

Bereits im Frühjahr ertrank in der Rhein-Main-Therme in Hofheim im Frühjahr ein vierjähriger Junge. Zu Beginn des Jahres war ein ebenfalls vierjähriges Mädchen in einem Freizeitbad in Wiesbaden ums Leben gekommen. In Biebesheim (Groß-Gerau) ertranken im August zwei Mädchen im Rhein.

Höchste Steigerungsrate in Hessen

Im Vergleich der Bundesländer verzeichnet Bayern mit 89 die meisten Badetoten. Das waren allerdings nur drei mehr als 2017. Mehr verunglückte Schwimmer als in Hessen gab es weiterhin in Nordrhein-Westfalen (63), Niedersachsen (61) und Baden-Württemberg (62). In keinem dieser deutlich größeren Bundesländer ist die Steigerungsrate auch nur annähernd so hoch wie in Hessen.

Eine besondere Risikogruppe seien weiterhin die Flüchtlinge, teilte die DLRG mit. Demnach ertranken 2018 bundesweit 33 Asylbewerber, die so gut wie alle Nichtschwimmer waren.

Kritik an Bäderschließungen

DLRG-Präsident Achim Haag kritisierte in dem Zusammenhang die zunehmende Zahl an Bäderschließungen in Deutschland: "Schließungen gehen zulasten der Wassersicherheit der Bevölkerung und bezahlbarer sozialer Angebote." Rund 60 Prozent der Zehnjährigen seien heutzutage keine sicheren Schwimmer. Jede vierte Grundschule habe keinen Zugang oder einen sehr weiten Weg zu einem Schwimmbad.