Im vergangenen Jahr sind in Hessen beinahe doppelt so viele Geldautomaten gesprengt worden wie im Vorjahr. Das Innenministerium ruft Banken dazu auf, sich besser zu schützen.

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Deutlich mehr Geldautomaten in 2021 gesprengt

hs
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56 Geldautomaten sind im vergangenen Jahr in Hessen gesprengt worden. Wie das Innenministerium in Wiesbaden mitteilte, sind das fast doppelt so viele wie im Vorjahr (30 Sprengungen). Dabei seien insgesamt 2,75 Millionen Euro erbeutet worden. Zusätzlich entstand ein Sachschaden von 2,5 Millionen Euro.

Wie Statistiken des Bundeskriminalamts (BKA) zeigen, war die Zahl bereits 2019 mit 53 auf ähnlich hohem Niveau wie 2021. Die Tendenz ist jedoch seit 2015 steigend, damals waren es noch 12 Sprengungen. In diesem Jahr wurden in Hessen bereits drei Geldautomaten gesprengt, zuletzt in der Nacht zu Mittwoch in Langgöns (Gießen).

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Auf einer Fachtagung in Wiesbaden warnte Innenminister Peter Beuth (CDU) vor der Gefahr, "dass früher oder später Menschen erheblich verletzt werden oder sogar zu Tode kommen." Er bezeichnete die Täter als "hochkriminell" und ihre Vorgehensweise als "völlig rücksichtslos". Mit Vertretern von Banken, Sicherheitsexperten und dem Präsidenten des Landeskriminalamts (LKA), Andreas Röhring, besprach Beuth Strategien zur Prävention.

Banken sollen sich besser schützen

Beuth sagte, Tätern müsse weniger Gelegenheit zu Sprengungen gegeben werden. "Mein Ziel ist es, den gemeinsamen Kampf gegen diese Form von organisierter Kriminalität mit einer breit aufgestellten hessischen Sicherheitsallianz zu intensivieren." In Zusammenarbeit mit den Banken wolle man prüfen, wie diese sich besser vor Geldautomatensprengungen schützen können.

Derzeit fehlt laut Innenministerium die gesetzliche Grundlage, um solche Schutzmaßnahmen für Banken vorzuschreiben. Inwiefern eine gesetzliche Änderung nötig sei, werde im Kreis der Innenministerkonferenz diskutiert.

Täter aus Nachbarländern nach Deutschland verdrängt

LKA-Präsident Röhrig verwies auf eine 2019 eingerichtete hessenweite Fachdienststelle. Durch ihre Ermittlungsarbeit habe das LKA 20 Tatverdächtige in Haft bringen können.

Vorbilder sieht Röhrig in den Nachbarländern Frankreich und den Niederlanden. Dort seien die Banden durch Präventionskonzepte und intensive Maßnahmen bereits verdrängt worden - insbesondere nach Deutschland.

Laut BKA waren 2020 zwei Drittel der mutmaßlichen Automatensprenger Reisende aus den Niederlanden. Deutschland sei mittlerweile ein "europäischer Brennpunkt" für diese Form der organisierten Kriminalität geworden, resümierte auch das Innenministerium.

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