Meteorit über Hessen

Für wenige Sekunden ist in der Nacht ein Feuerball am Himmel über Hessen aufgetaucht. Ein kosmischer Gesteinsbrocken? Oder ein verglühendes Stück Weltraumschrott? Die Sozialen Medien waren jedenfalls on fire.

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Ja, is' denn heut' schon Weihnachten? Zugegeben, es war etwas profaner, was Rafael Bujotzek aus Frankfurt durch den Kopf ging, als er am Donnerstag gegen 20.30 Uhr in den Nachthimmel schaute:

"Im ersten Moment habe ich gedacht, das ist ein Flugzeug. Aber das Ding war einfach viel zu schnell für einen Landeanflug. Es war ein weißer Ball, aber im Schnelldurchgang zischte der ohne Geräusch einfach über den Himmel." So erzählte er es am Freitagmorgen hr4 noch hörbar beeindruckt.

Auch in Karben war der Feuerball am Abend zu sehen. hessenschau.de-Nutzerin Valérie Konanz-Büge erspähte ihn beim Blick Richtung Frankfurt von ihrem Balkon aus. Bei der "neongrün leuchtenden Kugel" tippte sie zuerst auf eine Drohne. Das erschien ihr am naheliegendsten, wie sie uns am Freitag schrieb. "Sie muss jedenfalls ganz in der Nähe runtergekommen sein."

In den Sozialen Medien teilten Menschen mit fast kindlicher Begeisterung ihre sekundenkurze Beobachtung am Nachthimmel über Südhessen und Südwestdeutschland. Die Kollegen vom SWR stellten hier einige Tweets von Nutzern aus Baden-Württemberg zusammen.

"Tatsächlich ein kosmisches Objekt"

Aber was haben sie nun wirklich gesehen? Einen Feuerball, ja. Aber war es ein Komet? Ein Meteoroid, also ein kosmischer Gesteinsbrocken? Oder, wesentlich profaner, ein wertlos gewordenes Produkt aus Menschenhand? Olaf Filzinger von der Sternwarte Hofheim am Taunus sprach in der Nacht lediglich von einem "hellen Boliden".

Nach Einschätzung von Andreas Eberle von der Sternwarte Stuttgart könnte es sich um ein Stück Weltraumschrott gehandelt haben, das beim Eintritt in die Atmosphäre verglüht ist.

Für zutreffender hält er jedoch aufgrund der Schilderungen die Theorie von einem etwa fußballgroßen Gesteinsbrocken aus dem Weltall, der beim Eintritt in die Hülle um unseren Planeten aufgrund der Reibungshitze verbrennt. "Die Flugrichtung war von Ost nach West", sagte er dem hr: "Das spricht dafür, dass es sich tatsächlich um ein kosmisches Objekt handelte."

Ein Satellit wäre auseinandergebrochen

Genauso sieht es Rainer Kresken von der Sternenwarte Starkenburg in Heppenheim. Dass es sich um einen Meteoroiden handelte, dafür sprächen die Flugrichtung von Südost nach Nordwest - Satelliten flögen andersherum, im Sinne der Erdrotation - und der Fakt, dass das Objekt über die etwa 15 Sekunden, die es zu sehen war, nicht auseinanderbrach - ein Satellit würde dem Druck so lange nicht am Stück standhalten.

Astrokundige wissen außerdem: In diesen frühen Oktobertagen gehen die sogenannten Draconiden in Schauern hernieder. So oder so war es ein Geschenk für alle Himmelsgucker: Am Donnerstag gab es die erste klare Nacht in der ganzen Woche.

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Meteor, Meteoroid, Meteorit

Meteor, Meteoroid, Meteorit - Diese drei Begriffe werden gerne durcheinandergebracht. Als Meteore werden die Leuchtspuren bezeichnet, die beim Eintreten eines Objekts in die Erdatmsphäre und der dadurch erfolgenden Ionisation der Luftteilchen entstehen. Stammt das Objekt aus dem All, also etwa ein Stück Stein, handelt es sich einen Meteoroiden. Verglüht dieser nicht vollständig in der Erdatmosphäre und erreicht etwas davon den Erdboden, so spricht man von einem Meteoriten.

Die Unterscheidung zwischen Meteorit und Meteoroid machen Wissenschaftler erst seit einigen Jahren. In der Bevölkerung ist der Begriff Meteorit für fliegende Gesteinsbrocken aus dem All dagegen noch weit verbreitet.

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