Der Grüne Knollenblätterpilz ist hochgiftig.

2017 erleiden ein Vater und drei seiner Kinder in Frankfurt eine schwere Pilzvergiftung. Das jüngste Kind stirbt an den Folgen. Nun erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage gegen zwei Mediziner. Sie wirft ihnen vor, die Familie nicht richtig behandelt zu haben.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen zwei Mediziner erhoben, denen sie vorwirft, durch falsche Behandlung den Tod eines Mädchens verursacht zu haben. Die Sechsjährige hatte im August 2017 nach dem Verzehr eines giftigen Grünen Knollenblätterpilzes schwere Leberschäden erlitten, die zwei Transplantationen notwendig machten. Bei der zweiten Operation im Mai 2018 starb das Kind.

Die Anklage geht davon aus, dass das Kind bei rechtzeitiger und fachgemäßer Behandlung durch die beiden Mediziner überlebt hätte.

Vater und drei Kinder vergiftet

Der Fall hatte seinerzeit hessenweit Aufsehen erregt. Im August 2017 verwechselte der Vater beim Pilzesammeln im Frankfurter Stadtteil Fechenheim den hochgiftigen Grünen Knollenblätterpilz mit einem essbaren Speisepilz. Sowohl er als auch drei seiner Kinder zeigten nach dem Verzehr Vergiftungserscheinungen, schwebten tagelang in akuter Lebensgefahr und mussten in Spezialkliniken verlegt werden.

Besonders dramatisch gestaltete sich der Verlauf bei der damals fünfjährigen Tochter der Familie. Ihr musste nur wenige Tage nach dem Vorfall eine Leber transplantiert werden. Als diese im Frühjahr 2018 ebenfalls versagte, wurde eine weitere Transplantation vorgenommen, doch dabei starb das Kind.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Hausarzt der Familie sowie einer Fachärztin für Anästhesie vor, die Familie "nicht nach den Regeln der ärztlichen Kunst" behandelt zu haben.

Keine körperliche Untersuchung

Der Hausarzt, bei dem der Familienvater und seine Kinder zunächst vorstellig wurden, soll ohne körperliche Untersuchung eine Pilzvergiftung oder Magenverstimmung diagnostiziert haben. Daraufhin habe er der Familie Medikamente gegen Durchfall und Erbrechen verschrieben und empfohlen, viel Wasser zu trinken.

Nachdem sich keine Linderung einstellte, wurde die Familie am nächsten Tag beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen auf dem Gelände des Universitätsklinikums vorstellig, wo eine 45 Jahre alte Fachärztin Dienst hatte. Auch sie soll auf eine körperliche Untersuchung verzichtet und lediglich den Befund ihres Kollegen bestätigt haben. Wiederum einen Tag später mussten der Vater und seine Kinder als Notfälle in Spezialkliniken eingeliefert werden. Alle vier schwebten zu diesem Zeitpunkt in Lebensgefahr.

Den Angeschuldigten wird vorgeworfen, dass bei früherem Ergreifen die "dramatischen Folgen nicht in ihrer Schwere eingetreten wären". Der Tatvorwurf lautet daher auf fahrlässige Tötung in einem und fahrlässige Körperverletzung in drei Fällen. Wann der Prozess stattfinden wird, steht noch nicht fest.

Sendung: hr-iNFO, 01.04.2020, 13:30 Uhr