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Prozess gegen mutmaßlichen Raser startet in Frankfurt

Im November 2020 hatte ein Autofahrer im Frankfurter Ostend drei Menschen überfahren, zwei von ihnen starben. Der Prozess startete nun mit einem Geständnis des 40-Jährigen.

Mit einem Geständnis des Angeklagten hat in Frankfurt der Mordprozess um einen schweren Verkehrsunfall mit zwei Toten und einer Schwerverletzten begonnen. Vor dem Landgericht räumte der 40-Jährige am Dienstag ein, im November 2020 auf einer Durchgangsstraße im Frankfurter Ostend mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen zu sein.

Weil er die Kontrolle über das 625 PS starke Fahrzeug verloren habe, sei der Wagen mit einem 27 Jahre alten Fahrradkurier und einem 61 Jahre alten Passanten zusammengestoßen. Während die beiden Männer tödliche Verletzungen erlitten, überlebte die 31 Jahre alte Tochter des 61-Jährigen schwer verletzt. 

"Bin alleine für das Leid der beiden Familien verantwortlich"

"Ich weiß, dass ich alleine für das Leid der beiden Familien verantwortlich bin", sagte der Angeklagte, der wenige Monate nach dem Unfall in Untersuchungshaft kam. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm zweifachen Mord, gefährliche Körperverletzung und ein verbotenes Autorennen vor. Die Anklage geht vom Mordmerkmal der Gemeingefährlichkeit aus.

Der 40-Jährige soll in seinem SUV das System ausgeschaltet haben, mit dem das Auto stabilisiert wird. Dadurch sei das Heck ausgebrochen, als er mit mehr als 80 km/h und durchgetretenem Gaspedal durch die Stadt raste. In einer Kurve in der Nähe der Europäischen Zentralbank habe er die Kontrolle über das Fahrzeug verloren.

Im Gericht sagte er, er habe das System nur ausgeschaltet, um den "Sound des Motors" besser wahrnehmen zu können, nicht aber um andere Verkehrsteilnehmende vorsätzlich zu gefährden. Der Angeklagte bezeichnete sich als "Autonarr", der "Wert auf PS-starke Fahrzeuge mit dem entsprechenden Klang der Auspuffanlage legt".

Er habe sein Fahrzeug sonst auch bei starken Beschleunigungen und überhöhter Geschwindigkeit stets unter Kontrolle halten können - "beim Unfall geriet es dann aber außer Kontrolle".

Fahrer war nicht alkoholisiert

Zum Zeitpunkt des Unfalls war der Fahrer nicht alkoholisiert. Er berichtet jedoch von Alkoholproblemen, die sich seit dem Vorfall entscheidend verstärkt hätten. "Täglich eine Flasche Gin mit Tabletten" nehme er zu sich. Dazu ist der inhaftierte Mann in psychologischer Betreuung, wie er in seiner umfassenden Erklärung betonte.

Der mutmaßliche Raser soll laut Anklage mehrfach wegen Straßenverkehrsdelikten auffällig geworden sein. Er habe bereits vier Mal an medizinisch-psychologischen Untersuchungen teilnehmen müssen, um seine Fahrtauglichkeit unter Beweis zu stellen.

Bis 2018 befand sich der 40-Jährige schon einmal in einem Gefängnis. Er war in einem Strafverfahren wegen Schwarzarbeit und Steuerbetrügereien im Zusammenhang mit der Errichtung zahlreicher Baufirmen verurteilt worden.

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