Einsatzkräfte am Tatort in Volkmarsen

Wann wird eine Zeugenaufnahme zum Gaffervideo? Nach der mutmaßlichen Auto-Attacke mit fast 60 Verletzten in Volkmarsen sichten die Ermittler das Material - und erklären den Unterschied.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Zweite Festnahme in Volkmarsen wegen Gaffervideo

Ein silberfarbener Kombi fuhr in Volkmarsen in den Rosenmontagszug.
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Nachdem ein Auto beim Rosenmontagszug in Volkmarsen (Waldeck-Frankenberg) in eine Menschenmenge gefahren war und dabei fast 60 Menschen verletzt worden waren, gab es eine zweite Festnahme - wegen eines sogenannten Gaffervideos.

Der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, Georg Ungefuk, sagte am Dienstag, gegen den Festgenommenen werde wegen "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Filmaufnahmen" ermittelt. Ob der Mann darüber hinaus in einem Zusammenhang zu dem Vorfall am Montag stehe - etwa als Komplize des Täters -, müsse man noch ermitteln. Dem 29 Jahre alten Fahrer des Autos wird versuchte Tötung vorgeworfen. Das Motiv des Mannes ist unklar.

Viele Zeugen

Bei der Polizei meldeten sich unterdessen viele Zeugen, die während des Rosenmontagszugs Handyfotos oder Videos gemacht hatten. Sie stellten ihre Aufnahmen den Ermittlern zur Verfügung. "Das hilft natürlich für die Ermittlungen der Gesamtsituation", sagte Ungefuk.

Bloß: Wo liegt der Unterschied zwischen Gafferaufnahmen und einem "normalen" Zeugenvideo?

"Maßgeblich ist, was und wie es dargestellt wird, ob es kommentiert ist und ob es weitergeleitet wurde", sagte Christian Hartwig von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt dem hr am Dienstag. Die rechtliche Einordnung richtet sich nach Paragraf 201a des Strafgesetzbuchs. Demnach kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft werden, "wer eine Bildaufnahme, die die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt, unbefugt herstellt oder überträgt".

"Menschen in ihrer Hilflosigkeit zeigen"

Hartwig nannte als Beispiel für ein Zeugenvideo, "wenn ein Fahrzeug irgendwo lang fährt und das auf der Aufnahme zu sehen ist". Den Anschein einer Gafferaufnahme erhalte ein Video etwa, "wenn verletzte Menschen in ihrer Hilflosigkeit gezeigt werden". Dafür gebe es in Volkmarsen bislang nur in dem einen Fall Anhaltspunkte.

Die Absicht desjenigen, der das Bild- oder Videomaterial gemacht hat, und die Umstände, wie dieses entstanden ist, müssten in jedem Einzelfall erst ermittelt werden, sagte der Staatsanwalt.

Sendung: hr-iNFO, 25.02.2020, 12 Uhr