Protest gegen JAfD-Gründung
Während die JAfD in Wiesbaden gegründet wurde (li.), protestierten dagegen in Frankfurt rund 250 Menschen. Bild © Collage: hessenschau.de, picture-alliance/dpa

Jüdische Mitglieder der AfD haben sich in Wiesbaden zu einem Arbeitskreis ihrer Partei zusammengeschlossen. Dagegen demonstrierten rund 250 Menschen in Frankfurt. Zum Protest hatten jüdische Studenten aufgerufen. Ihre Botschaft: kein "Koscher-Stempel" für die AfD.

Videobeitrag
hs071018

Video

zum Video Gründung der "Juden in der AfD" von Protesten begleitet

Ende des Videobeitrags

Die AfD hat in Wiesbaden die bundesweite Arbeitsgruppe "Juden in der AfD" (JAfD) gegründet. Der Verein besteht eigenen Angaben zufolge aus 24 jüdischen Gründungsmitgliedern. Zur JAfD-Vorsitzenden wurde Vera Kosova, AfD-Bundestagswahlkandidatin aus dem baden-württembergischen Kreis Nürtingen, gewählt. Ihre Stellvertreter sind der Vorsitzende des AfD-Kreisverbands Lörrach, Wolfgang Fuhl, und Artur Abramovych aus dem Kreisverband Bamberg. Sitz des Vereins ist Berlin.

Gegen die Gründung demonstrierten zeitgleich am Sonntag in Frankfurt rund 250 Menschen. "Ihr bekommt keinen Koscher-Stempel von uns", sagte Dalia Grinfeld, Präsidentin der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD), während der Protestveranstaltung. Die JSUD hatte unter dem Motto "AfNee. Diese Alternative ist nicht koscher" zu der Aktion auf dem Goetheplatz in der Innenstadt aufgerufen. Nach Angaben der Polizei verlief die Demonstration friedlich.

"PR-Coup der Rechtspopulisten"

Wer jüdisch sei, könne der AfD nicht ohne Widerspruch angehören, sagte Grinfeld. "Eine Partei, welche die Basis von jüdischem Leben aus Deutschland wieder einmal verbannen will, kann unter keinen Umständen judenfreundlich sein."

Die Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt sprach von einem "PR-Coup der Rechtspopulisten". Die mediale Aufmerksamkeit, die den "Juden in der AfD" zuteilwerde, sei völlig unverhältnismäßig, sagte der Direktor der Bildungsstätte, Meron Mendel. Es sei auch unklar, wie viele der Mitglieder tatsächlich jüdisch sei. Gerade in Zeiten des Rechtsrucks sei es wichtig, einer solchen Strategie kritisch zu begegnen, mahnte Mendel.

Jüdische Organisationen warnen vor AfD

Bereits im Vorfeld war die geplante Gründung der Gruppe auf deutliche Kritik gestoßen. In einer gemeinsamen Erklärung hatten insgesamt 17 jüdische Organisationen, darunter der Zentralrat der Juden in Deutschland, der Bund traditioneller Juden und der Sportverein Makkabi, zum Engagement gegen die AfD aufgerufen. Die Verfasser bezeichneten die AfD unter anderem als rassistische und antisemitische Partei.

Eine vorab bekannt gewordene Grundsatzerklärung nennt vor allem zwei Auslöser für die Gründung der JAfD: eine "unkontrollierte Masseneinwanderung" junger Männer aus dem "islamischen Kulturkreis" mit "einer antisemitischen Sozialisation" und die "Zerstörung der traditionellen, monogamen Familie" durch "Gender-Mainstreaming" und "Frühsexualisierung". Das Verhältnis zu Israel wird ausschließlich mit Blick auf die Bedrohung durch den radikalen Islam erwähnt.

Partei verlangt für Aufnahme "ethnischen oder religiösen Nachweis"

JAfD-Vorsitzende Kosova sagte nach der Gründung, die AfD distanziere sich von Antisemitismus in jeglicher Form. Voraussetzung für eine Aufnahme in die Bundesvereinigung sei neben der AfD-Mitgliedschaft eine ethnische oder eine religiöse Zugehörigkeit zum Judentum, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Fuhl.

Ursprünglich hatte die AfD den Wiesbadener Stadtverordneten Dimitri Schulz als eines der JAfD-Gründungsmitglieder präsentiert. Er stammt aus der ehemaligen Sowjetunion und ist nach eigenen Aussagen in einer "christlich-jüdischen Großfamilie aufgewachsen". Die Jüdische Gemeinde Wiesbaden hatte der AfD daraufhin vorgeworfen, "unter falscher Flagge" zu segeln. Schulz sei bisher kaum in der jüdischen Wiesbadener Gemeinde in Erscheinung getreten – dafür habe er versucht, bei einer Gemeindefeier Mitglieder für die AfD zu werben.

Das wies Schulz am Sonntag im Gespräch mit dem hr als Lüge zurück. Er habe "nicht mit einer einzigen Person über politische Themen gesprochen". Für den Vorstand der JAfD habe er nun doch nicht kandidiert, weil er wegen des Wahlkampfs viel zu tun habe. "Da ich realistische Chancen habe für den Landtag, wird viel Arbeit auf mich zukommen."

Die hessische FDP bezeichnete die Gründung der "Juden in der AfD" als Versuch der Partei, sich von dem "wohl begründeten Vorwurf antisemitischer Tendenzen reinzuwaschen". Dieser Plan sei so durchsichtig, dass er sicher scheitern werde, sagte der hessische Parteivorsitzende Stefan Ruppert.