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Audioseite 2G mit Erleichterungen? Hessen diskutiert freiwillige Einführung

Eine Barista steht an einer Espressomaschine und bereitet einen Milchkaffee.

Bekommen in manchen Kneipen bald nur noch Geimpfte und Genesene ihr Bier? Sollten sich Gastwirte und Friseure für das 2G-Modell entscheiden, winken im Gegenzug neue Freiheiten. Das stellt Ministerpräsident Bouffier in Aussicht.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) könnte sich in der Gastronomie zusätzliche Lockerungen vorstellen, wenn Gastwirte das 2G-Modell anwenden. Das sagte ein Regierungssprecher dem hr. Dasselbe gelte für Veranstalter und Friseure. Auch sie könnten künftig selbst entscheiden, ob sie nur geimpfte und genesene Menschen einlassen, die dann weitgehend von den Corona-Einschränkungen befreit sind. Ein ähnliches Modell gilt bereits in Hamburg.

Private Unternehmen können laut Staatskanzlei die 2G-Regel jetzt schon über ihr Hausrecht anwenden. Bislang beschert ihnen das allerdings keine Vorteile - wie etwa mehr Sitzplätze in der Kneipe oder den Wegfall der Maskenpflicht.

3G in Behörden und im Nahverkehr

In der öffentlichen Daseinsvorsorge, etwa bei Klinikbesuchen oder Behördenterminen, bleibe es beim 3G-Modell in Hessen, sagte Bouffier in einem Interview mit der FAZ. 3G bedeutet, dass der Zutritt nur Geimpften, Genesenen oder Getesteten gewährt wird.

Das Corona-Kabinett wird voraussichtlich Anfang kommender Woche über die Anpassungen der derzeitigen Regeln beraten und diese gegebenenfalls beschließen. Dabei geht es auch um weitere Faktoren wie die Hospitalisierungsrate und die Impfquote für die Beurteilung der pandemischen Lage - neben der Sieben-Tage-Inzidenz.

Die Hospitalisierungsrate gibt an, wie viele Prozent der erfassten Corona-Infizierten wegen einer Covid-19-Erkrankung stationär aufgenommen werden müssen. Die aktuelle hessische Corona-Verordnung der Landesregierung ist bis zum 16. September befristet.

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Gastwirte: 2G nur mit weiteren Freiheiten

Die Bereitschaft zur Umstellung auf 2G scheint überschaubar: In der vergangenen Woche veröffentlichte der Dehoga-Verband eine Umfrage unter Gastronomen. Demnach setzt die Branche derzeit fast geschlossen auf 3G - also geimpft, getestet, genesen. Rund 76 Prozent der hessischen Gastronomen wollten laut Befragung 2G nicht einführen, knapp jeder Vierte kann es sich demnach vorstellen. 

Sollte Hessen ebenfalls ein Optionsmodell wie in Hamburg einführen, das den Gastronomen Vorteile bringt, wären immerhin rund 40 Prozent bereit, 2G einzuführen. 20 Prozent würden es dann zumindest in Erwägung ziehen.

FDP und AfD befürchten "Impfpflicht durch Hintertür"

Die Landtagsfraktion der FDP kann dem 2G-Modell nichts abgewinnen. Es dränge sich der Eindruck auf, dass die Landesregierung eine Impfpflicht durch die Hintertür einführen wolle, kritisierte der Vorsitzende René Rock am Dienstag. "Von Menschen mit aktuellem Negativ-Test geht infektiologisch keine größere Gefahr aus als von Geimpften oder Genesenen."

Mit einem Ausschluss von Getesteten stelle die Landesregierung ihre eigene Teststrategie infrage. Rock forderte stattdessen Lockerungen für alle Gastronomiebetriebe, unabhängig von 2G.

Ähnlich lautet die Kritik aus der AfD-Fraktion im Landtag: Sie sieht im 2G-Modell einen "faktischen Imfpzwang". "Mit dieser Ankündigung wird die Schikanierung von Ungeimpften auf die Spitze getrieben", erklärte der stellvertretende Vorsitzende Volker Richter am Dienstag.

"Mit welchem Recht darf die eine potentiell ansteckende Gruppe besser behandelt werden als die andere potentiell ansteckende?" Zudem würden Mitarbeiter in der Gastronomie gezwungen, zu "Erfüllungsgehilfen einer verfehlten Corona-Politik" zu werden, so Richter.

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