Junge Alternative AfD
Vor dem Aus: Manchen Mitglieder ist die AfD-Jugendorganisation selbst suspekt Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Die "Junge Alternative" ist nicht nur dem Verfassungsschutz mehrerer Länder und der eigenen Mutterpartei suspekt. In Hessen bereitet der AfD-Nachwuchs sein eigenes Ende vor - und einen Neuanfang.

Die "Alternative Jugend" (JA) steht offenbar kurz vor dem Aus. Für die Auflösung spricht sich der Landesvorstand des AfD-Parteinachwuchses in einer internen Mail aus, die dem hr vorliegt. Zuerst hatte die Frankfurter Rundschau über die Pläne berichtet.

Hintergrund sind in mehreren anderen Bundesländern öffentlich gewordene Kontakte von Mitgliedern der Jugendorganisation zur rechtsextremen Szene wie etwa der "Identitären Bewegung". Außerdem kamen rassistische Äußerungen sowie Gewaltfantasien in Internetforen der Parteijugend an die Öffentlichkeit.

Mitglieder sollen entscheiden

Angesichts dieser Situation schreibt der Bundestagsabgeordnete und hessische JA-Landesvorsitzende Jan Nolte in der Mail, für den Landesvorstand sei die Auflösung der vernünftigste Weg.

Gerade erst ist die AfD-Bundespartei auf Distanz gegangen: Ihr Vorstand hatte angekündigt, eine Trennung von der Jugendorganisation zu prüfen und sie aufgefordert, radikale Mitglieder sofort rauszuwerfen. Die AfD war zuletzt bestrebt, Distanz zur extremen Rechten zu demonstrieren, um nicht selbst selbst bundesweit vom Verfassungsschutz beobachtet zu werden.

Über die Auflösung der JA in Hessen sollen die hessischen Mitglieder auf einem außerordentlichen Landeskongress entscheiden. Sollte es zur Auflösung kommen, wolle sich ein Teil des Vorstands für ein neues Angebot für junge Parteimitglieder in Hessen einsetzen, heißt es in dem internen Schreiben.

"Viele Mitglieder frustriert"

Dem hr bestätigte der Vorsitzende Nolte den Inhalt der Mail nicht. Er sagte jedoch, viele Mitglieder in Hessen seien angesichts der Lage frustriert. Anfang November hatte der JA-Bundesverband den Landesverband Niedersachsen aufgelöst, der seit September vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

Der hessische Verfassungsschutz hat bislang nach eigenen Angaben trotz einzelner Verbindung von Mitgliedern zur Identitären Bewegung keinen Anlass gesehen, den JA-Landesverband unter Beobachtung zu stellen. AfD-Landsprecher Robert Lambrou hatte am Montag gesagt, die Parteijugend sei wie der gesamte Landesverband in Hessen "bürgerlich-konservativ" ausgerichtet. Verfassungsfeindlichen Tendenzen trete man entschieden entgegen.

Ähnlich klingt es in der internen Mail der Parteijugend: Die JA Hessen sei ein Landesverband, "der fest auf dem Boden der freiheitlich demokratischen Grundordnung" stehe, heißt es da. Und weiter: "Etwaiges Fehlverhalten von Einzelpersonen wird konsequent sanktioniert. Vor diesem Hintergrund ist die aktuelle Situation besonders tragisch."

Sendung: hr-iNFO, 27.11.2018, 13.00 Uhr