Der hessische AfD-Vorsitzende Robert Lambrou hat sich dazu bekannt, dass der extrem rechte Parteiflügel um Björn Höcke auch weiterhin zur AfD gehören soll. Lambrou erteilte im hr-Sommerinterview Spaltungsgerüchten in seiner Partei eine Absage.

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zum hr-fernsehen.de Video Sommerinterview mit Robert Lambrou (AfD)

Ute Wellstein im Sommerinterview mit Robert Lambrou (AfD).
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Erst kürzlich hatte Lambrou, Landessprecher der Hessen-AfD, noch den sogenannten "Appell der 100" unterzeichnet, in dem AfD-Mitglieder aus dem gesamten Bundesgebiet den thüringischen AfD-Politiker Höcke unter anderem "Personenkult" vorgeworfen hatten. Lambrou sagte im hr-fernsehen, der Flügel gehöre zur Partei. Er habe in der AfD die Aufgabe, die Tür nach rechts außen zu schließen.

Es gebe in der AfD eine große Bandbreite, aber es müsse für jeden innerhalb und außerhalb klar sein, dass nach rechts eine Grenze sein müsse. Die sei auch da. Die meisten in der AfD hätten das verstanden.

Es wäre hilfreich, so Lambrou im Sommerinterview, wenn auch Höcke dazu noch klare Worte finden würde. Dem Vorsitzenden der AfD-Fraktion im Landtag von Thüringen wird unter anderem vorgeworfen, er grenze sich nicht ausreichend zu rechtsextremen Gruppen wie der Identitären Bewegung (IB) ab.

"AfD nicht verantwortlich für rechtsextreme Gewalt"

Angesprochen auf den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) und die Schüsse auf einen 26-jährigen Eritreer durch einen mutmaßlichen Rassisten, erklärte Lambrou, die Tat gegen Lübcke habe ihn persönlich erschüttert. Er brachte den Fall gleichzeitig in Verbindung mit "illegaler Masseneinwanderung" im Jahr 2015, die Deutschland drastisch verändert habe.

Auf den Einwand, dass Lübcke von einem Rechtsextremen und nicht von einem Flüchtling ermordet wurde, räumte Lambrou ein, es sei "natürlich in keinster Weise zu rechtfertigen, wenn Menschen angegriffen oder sogar ermordet werden". Mit Blick auf die angebliche Masseneinwanderung müsse man aber "zur Kenntnis nehmen, dass ein guter Teil der Bevölkerung nach wie vor durch diese Ereignisse aufgewühlt" und im Alltag damit konfrontiert sei.

Die Politik müsse ehrlich damit umgehen, "dass es viele Leute sehr emotionalisiert, dass sie im Alltag mit den Problemen, die dieser Prozess verursacht hat, allein gelassen werden", forderte er. "Wir sehen natürlich, dass es sich auf allen Seiten hochschaukelt."

Auf die Frage, was die AfD gegen rechte Gewalt tue, sagte er: "Wir verurteilen sie." Die AfD sei aber "nicht verantwortlich für rechtsextreme Gewalt" und dulde auch keine Personen in ihren Reihen, "die das gut heißen".

Weitere Informationen

Hessens Spitzenpolitiker in den hr-Sommerinterviews

  • AfD-Landesvorsitzender Robert Lambrou - Sonntag, 27.07.
  • Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazi (Grüne) - Sonntag, 3.08.
  • Linken-Fraktionschefin Janine Wissler - Sonntag, 10.08.
  • FDP-Fraktionschef René Rock - Sonntag, 17.08.
  • SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel - 24.08.
  • Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) - 31.08.
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Sendung: hr-Sommerinterview, hr-fernsehen, 28.07.2019, 11.20 Uhr