Hochgestellte Stühle in einem Klassenzimmer

Jetzt ist es beschlossen: Hessen Schulen wagen übernächste Woche den ersten vorsichtigen Schritt aus dem Corona-Lockdown. Ministerpräsident Bouffier und Kultusminister Lorz gaben Details bekannt.

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Übernächsten Montag ist es soweit: Hessen wird am 27. April schrittweise seine Schulen wieder öffnen. Wie es laufen soll, haben Ministerpräsident Volker Bouffier und Kultusminister Alexander Lorz (beide CDU) am Donnerstag in Wiesbaden auf einer gemeinsamen Video-Pressekonferenz bekannt gegeben.

Wie Bouffier am Vortag schon angedeutet hatte, werden als erste die oberen Klassen aller Schulformen von den Hauptschulen über die Fachoberschulen bis zu den Gymnasien zurückkehren - aber nicht nur sie.

  • Das sind zum einen alle diesjährigen Abschlussklassen der Hauptschulen, Realschulen und Berufsschulen. Die zentralen Prüfungen der Real- und Hauptschulen werden auf die Zeit vom 25. bis 29. Mai verschoben.
  • An den Start gehen auch die 12. Klassen an hessischen Schulen. Für die Zwölftklässler, die mit G8 gerade Abitur machen, greift aber eine Sonderregelung.
  • Denn für die aktuellen Abi-Klassen, die bereits die schriftliche Prüfung hinter sich gebracht haben, gilt: Sie müssen nur noch für die mündlichen Prüfungen zurück an die Schule.
  • Außerdem sollen auch die Kinder der vierten und damit letzten Grundschulklasse wieder mit dem Präsenzunterricht beginnen.

Notbetreuung hilft Alleinerziehenden

Den entsprechenden Beschluss hatte das Kabinett am Mittwochabend gefasst. Wann es für die anderen Schüler in Hessen weitergeht, steht noch nicht fest. Kitas bleiben weiterhin geschlossen.

Eine Neuerung kommt begleitend hinzu: Alleinerziehende haben jetzt grundsätzlich und unabhängig von ihrem Beruf einen Anspruch auf Notbetreuung ihrer Kinder in Schulen oder Kindergärten. Bislang galt das nur für Angehörige bestimmter Berufsgruppen.

Hessen geht eigenen Weg

Die Schulöffnung hatte sich bereits am Mittwoch nach einer Konferenz der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) abgezeichnet. Neben der Verlängerung der allgemeinen Kontaktsperre waren dabei erste Lockerungen im Einzelhandel und bei den Schulen vereinbart worden.

Im Einzelhandel geht es am Montag los. Als Datum für die bundesweite Wiedereröffnung der Schule war zwar der 4. Mai genannt worden. Hessen und andere Länder hatten sich jedoch eigene Regelungen vorbehalten.

Es sei grundsätzlich vernünftig, "mit den Großen anzufangen", sagte Kultusminister Lorz zum Schulbeginn. Denn sie könnten die Abstands- und Hygieneregeln am besten einhalten. Trotzdem sollten auch die Viertklässler wieder zurückkehren, weil auch auf sie nach dem Schuljahr ein neuer Abschnitt warte. Die Klassen sollen nicht größer als 15 Schüler sein. Eine Größe von zehn Schülern pro Lerngruppe und Raum bezeichnete der Minister als ideal. Es werde je nach Jahrgang und Ort nötig werden, Klassen zu teilen. Und nicht immer werde der vertraute Lehrer den Unterricht halten.

Schwierige Abwägung

Lorz sprach vom Ergebnis einer Abwägung zwischen der Notwendigkeit, Ansteckungen zu vermeiden, und der Bedeutung des gemeinsamen Lernens. "Jede Lockerung, jede Schulklasse, die wir wieder zulassen, führt zu einem erhöhten Infektionsrisiko. Gleichzeitig wollen wir unseren Schülerinnen und Schülern aber so viel Bildung wie möglich anbieten", sagte er.

Bouffier betonte, es handele sich um einen "Notbetrieb". Und Lorz schob noch einmal nach: "Das ist kein Normalbetrieb". Es werde nun mit dem begonnen, was medizinisch vertretbar sei. Viele Einzelheiten, vom Schülertransport bis zur Unterrichtsabwicklung müssen Behörden und Schulen in der verbleibenden Woche noch klären.

Zwangspause seit 16. März

Die hessischen Schulen sind seit dem 16. März als Folge der Corona-Pandemie für den Unterricht geschlossen. Die schriftlichen Abiturprüfungen fanden aber statt. Zurzeit sind regulär noch Osterferien, die am Wochenende zu Ende gehen. Für einen Start ist dieser 20. April aber nach Meinung der Landesregierung zu früh. Die Schulen brauchen Vorbereitungszeit, um sich auf den Unterricht mit Einhaltung des gebotenen Abstands und der Hygieneregeln vorzubereiten.

Vertreter der Opposition im Landtag hatten am Donnerstag schon vor der offiziellen Bekanntgabe der Regierungspläne auf eine unbedingte Einhaltung des Gesundheitsschutzes für Schüler und Lehrer gedrängt.

Warmes Wasser, Seife und Papierhandtücher gefordert

Die Erziehungsgewerkschaft GEW in Hessen forderte angesichts der strengen Hygienevorgaben in der Corona-Krise Waschbecken mit warmem Wasser in jedem Klassenzimmer. Daneben müssten den Schülern Flüssigseife, Papierhandtücher und Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt werden, sagte GEW-Landesvorsitzende Birgit Koch.

Die Vergabe von Haupt- und Realschulabschlüssen ohne Prüfung forderte die SPD-Landtagsfraktionsvorsitzende Nancy Faeser angesichts der aktuell schwierigen Umstände. Das sei früher die Regel gewesen. Die Linksfraktion ist der Meinung, ausnahmslos alle Kinder sollten am Ende dieses Schuljahres in die nächst höhere Klasse versetzt werden.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 16.04.2020, 17.50 Uhr