AfD-Logo und Abstimmungskarte mit der Aufschrift "Nein".
Die AfD hat vier Tage zur Wahl ihrer Landtagskandidaten eingeplant. Bild © picture-alliance/dpa

Der erstmalige Einzug in den hessischen Landtag bei der Wahl im Herbst scheint der AfD gewiss. Bei vielen Anhängern weckt das Hoffnungen auf eine Polit-Karriere. Es sind so viele, dass ein einziger Nominierungsparteitag nicht ausreicht.

Wer führt die AfD in den Landtagswahlkampf? Und wer kommt als Kandidat auf die Landesliste zur Wahl am 28. Oktober? Das entscheidet die Partei wie es sich gehört auf einer Delegiertenversammlung. Für dieses Wochenende ist zu diesem Zweck die Hugenottenhalle in Neu-Isenburg (Offenbach) reserviert. Das Ungewöhnliche: Dabei bleibt es nicht.

Am folgenden Wochenende treffen sich die rund 240 Delegierten schon wieder – und zwar in der Stadthalle von Flörsheim (Main-Taunus). Während andere Parteien mit einem Anlauf auskommen, hat die AfD für die Aufstellung der gesamten Landesliste ein doppeltes Treffen über insgesamt vier Tage angesetzt.

"15 Prozent plus X" angepeilt

Robert Lambrou
Robert Lambrou, Co-Landeschef der AfD Bild © hr

Für die 20 zu vergebenden Listenplätze und weitere 20 Nachrückerposten rechnet die AfD nach Angaben von Co-Landessprecher Robert Lambrou mit rund 100 Bewerbern. Die Liste sei so lang, weil man bei der Landtagswahl von "15 Prozent plus X" ausgehe. 60 Bewerbungen lägen schon vor. Allein die eingeplante Zeit für die Vorstellungsreden der Interessenten beläuft sich auf knapp 17 Stunden.

Das wiederum liegt nach Angaben Lambrous an der Regel, dass jedem einzelnen Bewerber auf dem Parteitag zehn Minuten Zeit für die Vorstellung gewährt werden müsse. Die ersten Listenplätze sollen aber voraussichtlich bereits am kommenden Samstag feststehen.

Kampfabstimmung um Spitzenplatz?

Lambrou und sein Sprecherkollege Klaus Herrmann werden für die Plätze zwei und drei kandidieren. Wer für Listenplatz eins antreten und die AfD als Spitzenkandidat in den Landestagwahlkampf führen werde, sei noch offen. Es werde in Neu-Isenburg gewiss mehrere Bewerber geben. Die ersten Listenplätze sollen bereits am kommenden Samstag feststehen.

Schon für die Aufstellung der Kandidatenliste für die Bundestagswahl hatte der AfD-Landesverband im Mai des vergangenen Jahres einen Doppel-Parteitag benötigt – allerdings unfreiwillig. Beim ersten Durchgang wählten damals nach Angaben der Partei zwei Mitglieder mit, die dazu nicht zugelassen waren. Auch für die Wahl des neuen Landesvorstands waren Ende des vergangenen Jahres zwei Anläufe nötig: Eine Technikpanne hatte zu einer Verzögerung geführt.

Vor fünf Jahren gescheitert

Am 28. Oktober will die AfD erstmals den Sprung ins hessische Landesparlament schaffen. Vor fünf Jahren war sie noch mit 4,1 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Bei der Bundestagswahl im September 2017 landete die AfD in Hessen mit 11,9 Prozent an dritter Stelle der Parteien. Bei der jüngsten repräsentativen Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen kam sie auf zehn Prozent Zustimmung im Land. Die AfD hat in Hessen rund 2.500 Mitglieder.