Andrea Nahles neue SPD-Vorsitzende Parteitag Wiesbaden
Andrea Nahles am Sonntag auf dem SPD-Parteitag in Wiesbaden. Bild © picture-alliance/dpa

Die SPD hat auf ihrem Sonderparteitag in Wiesbaden Andrea Nahles mit einem eher schwachen Ergebnis zur neuen Bundesvorsitzenden gewählt. Ministerpräsident Bouffier gratulierte - und mahnte zur Sacharbeit.

Videobeitrag

Video

zum Video SPD-Bundesparteitag in Wiesbaden

Ende des Videobeitrags

Andrea Nahles ist mit einem Dämpfer als erste Frau an die Spitze der SPD gewählt worden. Ein Sonderparteitag bestimmte die 47-Jährige am Sonntag in Wiesbaden zur ersten Vorsitzenden in der knapp 155-jährigen Parteigeschichte der Sozialdemokraten. Die klare Favoritin erhielt aber nur eine Zustimmung von 66,3 Prozent. Nahles setzte sich in einer Kampfabstimmung gegen Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange durch. Sie erreichte mit 27,6 Prozent ein überraschend starkes Ergebnis.

Thorsten Schäfer-Gümbel, stellvertretender Parteivorsitzender und hessischer SPD-Landeschef, gratulierte Nahles herzlich und wünschte ihr Kraft, Glück und Erfolg im neuen Amt. Seine Solidarität sei ihr sicher, twitterte er. Nahles achte nicht auf die "tagespolitischen Schlagzeilen, sondern auf die lange Linie", sagte er im Fernsehsender Phoenix.

Allen Delegationen und Gästen eine gute Heimfahrt vom #spdbt in Wiesbaden. Habe mich über Anwesenheit gefreut. Andrea Nahles gratuliere ich herzlich zur Wahl. Kraft, Glück und Erfolg im neuen Amt wünsche ich, meiner Solidarität ist ihr sicher.

Bouffier: "Bürger werden genau hinschauen"

Der Vorsitzende des SPD-Bezirks Hessen-Nord, Manfred Schaub, rief Nahles auf, "Vertrauen durch Handeln" zurückzugewinnen. Das Ergebnis sei "respektabel", lasse aber noch Luft nach oben, sagte Schaub am Sonntagabend. "Wir müssen die Chance nutzen, in den kommenden Jahren konkret Politik zu gestalten und zugleich die Aufstellung der Partei vorantreiben", betonte er. Ausschweifende Organisationsdebatten brauche es in Zukunft nicht, stattdessen aber Zeitpläne für angekündigte Reformen. In Hessen wird im Oktober ein neuer Landtag gewählt.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sagte, das Votum der SPD-Delegierten sei eine große Verpflichtung. "Die Bürger werden genau hinschauen, ob sich die SPD unter ihrer Führung weiter mit sich selbst beschäftigt oder ob sie sich endlich wieder an die Sacharbeit macht", betonte Bouffier. "Die Menschen erwarten, dass die SPD gemeinsam mit CDU/CSU die Herausforderungen unserer Zeit anpackt und an zukunftsweisenden Lösungen arbeitet."

72 Delegierte aus Hessen - Unterstützung für Lange

Nahles versprach auf dem Sonderparteitag einen Erneuerungsprozess der SPD, parallel zur Regierungsarbeit in der Großen Koalition. In ihrer Bewerbungsrede hatte sie zum Teil sehr persönliche Töne angeschlagen. "Vor 30 Jahren bin ich in die SPD eingetreten. Die erste in unserer Familie. Katholisch. Arbeiterkind. Mädchen. Land. Muss ich noch mehr sagen." Die erste Wahl einer Frau an die SPD-Spitze würdigte Nahles als historisch. "Viele Frauen kennen diese komische gläserne Decke, an die man immer wieder stößt." Diese gläserne Decke in der SPD werde nun durchbrochen.

Unter den 72 hessischen Delegierten auf dem Sonderparteitag in Wiesbaden gab es nicht nur Unterstützung für Nahles. Die Frankfurter Jusos etwa unterstützten ihre Gegenkandidatin. Es sei keine Entscheidung gegen Nahles gewesen, sondern für Lange, "da wir eine Trennung von Fraktions- und Parteispitze für erforderlich halten", erklärt Juso-Sprecherin Myriam Heilani. Nahles ist SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag.