Homeoffice und abgesagte Urlaube: Für Einbrecher war 2020 ein schlechtes Jahr, für Hessens Kriminalstatistik laut Innenminister Beuth nicht nur wegen Corona-Effekten "das beste der Geschichte". Aber es gibt auch bedenkliche Entwicklungen.

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hs 05.03.2021 16:45 Thumbnail
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Die Zahl der registrierten Straftaten in Hessen ist 2020 das vierte Jahr in Folge gesunken. Die Polizei verzeichnete insgesamt 342.423 Fälle und damit 6,1 Prozent weniger als noch im Jahr zuvor. Das geht aus der Kriminalstatistik des vergangenen Jahres hervor, die Innenminister Peter Beuth (CDU) am Freitag in Wiesbaden veröffentlichte.

Beuth nannte die Bilanz "die beste in der Geschichte unseres Landes". Selbstverständlich habe der Corona-Lockdown durch fehlende Tatgelegenheiten die Fallzahlen gedrückt. Wohnungseinbrüche zum Beispiel seien im Vergleich zum Vorjahr um knapp 24 Prozent zurückgegangen - wohl nicht zuletzt wegen Homeoffice und abgeblasener Urlaubsplänen von Bewohnern.

Der Rückgang sei damit aber nur teilweise erklärt. Die Kriminalitätsbelastung insgesamt sei binnen eines Jahres von 5.823 auf 5.446 Straftaten pro 100.000 Einwohner gesunken. "Die Gefahr, in Hessen Opfer von Kriminalität zu werden, ist damit auf einem historischen Tiefstand", sagte der Minister.

Mehr Fälle von Kinderpornographie

Weniger erfreulich: Vergangenes Jahr wurden insgesamt 10.013 Fälle von häuslicher Gewalt erfasst. Im Vergleich zum Vorjahr 2019 stellt dies eine Zunahme um fast acht Prozent dar. 80 Prozent der Opfer häuslicher Gewalt seien Frauen gewesen. Die Zahlen steigen seit 2014 kontinuierlich an.

Die Entwicklung ist bundesweit zu beobachten. Die hessischen Ermittler führen sie auf ein "verändertes Anzeigeverhalten" zurück, das "durch verbesserte Beratungs- und Hilfsangebote für Opfer häuslicher Gewalt flankiert" werde.

Die bekanntgewordenen Fälle von Kinderpornografie sind sogar um gut 44 Prozent auf 1.449 angestiegen. Das liegt nach Angaben des Innenministeriums vor allem an neuen Meldepflichten für US-amerikanischer Internet-Provider. Eine Zunahme von Gewalt spiegelt sich auch in der leichten Zunahme von Körperverletzungsdelikte auf öffentlichen Straßen oder Plätzen (2,8 Prozent).

52 Prozent mehr politisch motivierte Straftaten

Einen deutlichen Anstieg verzeichnet die Polizei auf dem Gebiet der politisch motivierten Kriminalität. 2020 registrierte sie 2.488 Straftaten - ein Anstieg um 52 Prozent. Die meisten politisch motivierten Straftaten gehen auf rechtsextreme Motive zurück (1.270). Aus dem linksextremen Spektrum wurden 682 Taten aktenkundig. Das ist immerhin eine Verdreifachung gegenüber dem Jahr 2019.

Die Linkspartei hält diese Zahlen für fragwürdig. Die Proteste gegen die Abholzung des Dannenröder Forstes im Zuge des A49-Ausbaus in Mittelhessen seien pauschal als linksextremistische Gewalt eingestuft worden seien, kritisierte der Hermann Schaus, innenpolitische Sprecher der Landtagsfraktion. "Umweltschutz – noch dazu mit Mitteln des zivilen Ungehorsams" werde weder vom Bundesinnenministerium noch von anderen Stellen pauschal als linksextremistisch definiert.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found So hat sich die Kriminalität in Hessen 2020 entwickelt

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Laut Kriminalstatistik stieg die Zahl von Straftaten gegen Amts- und Mandatsträger sprunghaft an: Sie kletterte von 20 Fällen in den Jahren 2018 und 83 Fällen 2019 auf 205 registrierte Taten im vergangenen Jahr. Hauptursache für die Zunahme seien Beleidigungsdelikte sowie die Androhung von Straftaten.

Insgesamt deutet die Opposition die Kriminalitätsbilanz mit anderem Akzent als Innenminister Beuth - wegen des Pandemie-Effekts. Der Rückgang der Straftaten sei erfreulich, "jedoch vor allem der Corona-Pandemie geschuldet", erklärte etwa Stefan Müller, innenpolitische Sprecher der FDP.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 05.03.2021, 16.45 Uhr