Mit Mundschutz und einem Desinfektionsmittel in der Hand: Eine Laden-Mitarbeiterin im Frankfurter Shoppingcenter MyZeil

Zu kompliziert, nicht mutig genug: Die Corona-Lockerungspläne der Landesregierung stoßen bei der Opposition auf Kritik. Mit großer Erleichterung reagiert dagegen die Wirtschaft auf neue Perspektiven. Lob kommt auch vom Sport.

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hs
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Die SPD spricht von einem "Lockerungsflickenteppich", für die AfD hätte es gerne ein bisschen mehr sein können. Doch der am Mittwoch vom Corona-Kabinett beschlossene Zwei-Stufen-Plan zur Lockerung der Pandemie-Regeln ist zumindest bei Branchenvertretern aus Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel auf Gegenliebe gestoßen. Auch der Sport zeigte sich erleichtert.

Dehoga und IHK erleichtert

"Wir wissen jetzt, was passiert unter welchen Bedingungen", sagte der Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, Julius Wagner, im hr-fernsehen. Dies sorge zu einem guten und wichtigen Teil für Klarheit.

Auch beim Hessischen Industrie- und Handelskammertag (HIHK) überwog die Erleichterung. "Endlich gibt es die lang ersehnten Öffnungsperspektiven für Hessens Wirtschaft", freute sich HIHK-Präsident Eberhard Flammer in einer ersten Stellungnahme. Die Beschlüsse schafften ein wenig Planungssicherheit für die gebeutelten Branchen. Es herrsche ein vorsichtiges Aufatmen und Zuversicht.

Müller: "Glücklich, eine Perspektive zu haben"

"Die schrittweisen Öffnungen helfen mehr als jedes Hilfsprogramm", so Flammer. Wichtig sei nun, dass sie einfach umgesetzt werden könnten. "Die Wirtschaft zählt darauf, dass die Regeln klar, eindeutig und pragmatisch sind." Das solle bei der Verordnung und den Auslegungshinweisen im Vordergrund stehen, damit keine neuen Hürden entstehen, forderte Flammer.

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Zustimmung auch bei Landessportbund-Präsident Rolf Müller: "Wir sind glücklich, dass wir endlich eine Perspektive haben", sagte er im hr-fernsehen. Der Vereinssport sei von der Bundesnotbremse gebeutelt worden. Nun hoffe man, dass Sport in Gruppen bald wieder möglich ist.

SPD: Unglaublich kompliziert

Kritik kam aus der Politik: Der Parlamentarische Geschäftsführer Günther Rudolph bezeichnete die Beschlüsse der schwarz-grünen Landesregierung als "unglaublich kompliziert". Man hätte es begrüßt, "wenn Hessen sich mit anderen Bundesländern abgestimmt hätte, um einen Lockerungsflickenteppich zu vermeiden", so Rudolph. Wichtiger als Öffnungen sei es aber ohnehin, das Impftempo im Land zu beschleunigen.

AfD will Lockdown-Ende

Dies wiederum sieht die AfD ganz anders. Für sie gehen die Beschlüsse, die ab kommenden Montag unter anderem eine Öffnung von Außengastronomie oder Hotels in Kreisen mit niedriger Inzidenz vorsehen, nicht weit genug. "Die AfD fordert eine komplette Beendigung des Lockdowns unter Beibehaltung von Hygienemaßnahmen sowie weiterhin eine gezielte, aber lokal begrenzte Bekämpfung des Virus", sagte der sozialpolitische Parteisprecher Volker Richter.

Union und Grüne verteidigten dagegen ihre Beschlüsse. Der Weg, die Lockerungen an die Entwicklung der Inzidenzen zu knüpfen, sei ein "klarer und besonnener Fahrplan", sagte die CDU-Fraktionsvorsitzende Ines Claus. Ihr grüner Amtskollege Mathias Wagner fasste zusammen: "Lockerungen ja, Leichtsinn nein."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 12.05.2021, 19.30 Uhr