Ein Schild der AWO vor einem Haufen Geld

Seine Tochter verdiente gutes Geld bei der AWO, Gegenleistung fraglich. Jetzt legt der Wiesbadener CDU-Stadtverordnete Gores sein Mandat nieder. Zuvor waren in der Affäre vor allem SPD-Politiker aufgefallen.

Der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Gores hört im Wiesbadener Stadtparlament auf. Das teilte die Fraktion am Freitag mit. Demnach hat Gores "in einem gemeinsamen Gespräch mit dem Fraktionsvorstand mitgeteilt, dass er sein Stadtverordnetenmandat niederlegen wird".

Vorausgegangen waren der Ankündigung Berichte über staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen Untreue - nach einer Strafanzeige gegen den hauptberuflichen Polizeihauptkommissar und seine Tochter. Es geht um einen mit 3.400 Euro monatlich bezahlten Job, den Gores' Tochter mehrere Jahre lang bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Wiesbaden innehatte.

"Keine konkrete Arbeitsleistung"

Für das Gehalt von insgesamt mindestens 120.000 Euro soll die heute 33 Jahre alte Ethnologin keine adäquate Arbeitsleistung erbracht haben. In der Zeit, in der das Geld floss, war sie Studentin und lebte in Freiburg beziehungsweise im Raum Berlin. "Fakt ist: Hier im Haus kennt niemand eine konkrete Arbeitsleistung", hatte der neue stellvertretende AWO-Vorsitzende, Franz Betz, gesagt.

Mit Gores Rückzug braucht die CDU-Rathausfraktion auch einen neuen sozialpolitischen Sprecher. Ende 2019 war er für wenige Woche Beisitzer im Vorstand des AWO-Kreisverbandes Wiesbaden. Ein Grund für seinen Rückzug wird in der CDU-Mitteilung nicht erwähnt.

Gores war der erste Kommunalpolitiker der Partei, der in der AWO-Affäre auffiel - und nun persönliche Konsequenzen zieht. Bislang sind fast ausschließlich Sozialdemokraten in die Negativ-Schlagzeilen geraten, darunter Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann und Ansgar Dittmar, Mitglied des SPD Bezirksvorstandes Hessen Süd,

Der AWO-Vorsitzende Wolfgang Hessenauer sieht indes keinen Grund, dass Gores hätte zurücktreten müssen. Bei der alten AWO unter der Ägide von Hannelore und Jürgen Richter hätten Familienbande zwar eine nicht geringe Rolle gespielt. Der neue Vorstand habe es sich zur Aufgabe gemacht, jeden Fall einzeln zu betrachten. Bislang gebe es aber keine Hinweise, dass Gores zu Gunsten seiner Tochter über die Gehaltshöhe verhandelt habe. Allerdings fehlen laut AWO noch jegliche Belege, dass die Tochter entsprechend ihrer Bezahlung Arbeitsleistungen erbracht hat.

Schützend vor die Tochter gestellt

"Wolfgang Gores zeichnete sich immer durch Geradlinigkeit und Ehrlichkeit aus", schreibt die CDU-Fraktion. Er sei weit über die eigenen Parteigrenzen hinaus geschätzt worden. "Im Gegensatz zu anderen unter Anschuldigungen stehenden Kommunalpolitikern von SPD und CDU hat er Konsequenzen gezogen und damit weiteren Schaden von allen ehrenamtlichen Wiesbadener Stadtpolitikern abgewendet," befand der FDP-Fraktionsvorsitzende Christian Diers.

Der Rücktritt dürfe aber kein politischer Schlussstrich unter die AWO-Affäre sein, forderte Diers. Vielmehr sollten ihn Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und Sozialdezernent Christoph Manjura (beide SPD) als Startschuss zu ernstgemeinter Aufklärung nutzen und Worten auch endlich Taten folgen lassen.