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zum Video AWO-Ortsverein ruft nach Konsequenzen

hessenschau

Fragen, Beschimpfungen, Austritte: Es ist zurzeit nicht einfach, Vorsitzender eines AWO-Ortsvereins zu sein. Nicht nur in Frankfurt-Nied fordert die Basis vom affären-geplagten Kreisverband mehr als die bisherige "heiße Luft".

Ob staatsanwaltliche Ermittlungen wegen dubioser Geldströme, erhöhtes Kita-Leiterinnen-Gehalt für die Frau des Oberbürgermeisters oder Spitzengehälter für junge SPD-Nachwuchsleute: Der Kreisverband Frankfurt (AW) ist sich keiner Schuld bewusst, gleichwohl soll eine Transparenz-Offensive folgen. Nicht jedem an der Basis des Wohlfahrtsverbands reicht das.

Unruhe gibt es im AWO-Ortsverein Nied, dem nach eigenen Angaben mit 300 Mitgliedern größter Ortsverein in ganz Frankfurt: Der Vorsitzende Klemens Mielke sagte dem hr am Mittwoch: "Wir fühlen uns ziemlich alleingelassen. Die Antworten, die vom Kreisverband kommen, sind nicht ausreichend. Das ist quasi heiße Luft." Das führe dazu, dass die verunsicherten Mitglieder gar nicht mehr wüssten, "was die Wahrheit ist".

Ämter sollen ruhen

Mielke und seine Vorstandskollegen hatten zuvor in einem Schreiben vom Vorstand des AWO-Kreisverbands und der Geschäftsführung gefordert: Sie sollten ihre Ämter ruhen lassen, bis alle Anschuldigungen vollständig geklärt seien. Die Frankfurter Neue Presse hatte zuerst darüber berichtet. Außerdem solle sofort eine Sitzung des Kreisausschusses der Arbeiterwohlfahrt einberufen werden, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found AWO-Frankfurt-Führung soll Ämter ruhen lassen

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Eine solche Debatte gab es im Ortsverein Nied schon vor einigen Tagen. Über die Stimmung auf der Mitgliederversammlung, die noch vor dem Bekanntwerden weiterer vorteilhafter Beschäftigungsverhältnisse für zwei junge SPD-Politiker stattfand, sagt Mielke: "Das Problem ist, dass uns die Mitglieder fortlaufen. Die Leute sind sauer, erschüttert und hilflos." Von "mafiösen Strukturen" sei schon die Rede.

Aufklärung statt Presse-Diffamierung gewünscht

Es sei heftig, was man sich als Ehrenamtlicher da anhören müsste. Mielkes Schlussfolgerung: Jetzt müsse dringend Aufklärung erfolgen, "weil das alles der AWO-Gemeinschaft Schaden zufügt“. Nur so könne die Arbeiterwohlfahrt so wiederhergestellt werden, wie es sie verdient habe. "Die AWO-Gründer haben doch Großartiges geleistet. Und gerade die vielen Mitarbeiter und Ehrenamtlichen, die jeden Tag ihren Job machen, haben Vertrauen verdient."

In Ihrem Schreiben kritisierte der AWO-Ortsverein auch die Kommunikationsstrategie der AWO Frankfurt. "Die Abwehrung der erhobenen Vorwürfe gegen den Kreisverband durch unbegründete Diffamierung der Autoren ist populistisch und sollte umgehend unterbleiben", heißt es.

Kritik kommt auch von anderen Ortsvereinen. Der Stadtverordnete Jan Klingelhöfer (SPD) vom Ortsverein Fechenheim wird in der Frankfurter Neuen Presse mit den Worten zitiert: "Wir fordern die vollständige Aufklärung. Danach müssen gegebenenfalls Konsequenzen gezogen werden." Thomas Sock, Chef des Ortsvereins Gallus, sagte dem Blatt zufolge: Der AWO-Frankfurt-Vorstand müsse mehr aufklären.

SPD-Generalsekretär will Ermittlungen abwarten

Christoph Degen, der Generalsekretär der hessischen SPD, sagte am Mittwoch, aus Sicht der Landespartei müsse die AWO "vollständige Aufklärung und Transparenz walten lassen". Zugleich mahnte er zu Geduld: "Wenn die Ergebnisse vorliegen, muss man beurteilen, ob diese ausreichend sind. Zudem stehen auch noch die Ergebnisse der staatsanwaltlichen Ermittlungen aus. Eine Bewertung steht am Ende, nicht am Anfang."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 27.11.2019, 16.45 Uhr