Zwei Grünen stoßen auf einen Wahlerfolg an.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Frankfurter Grüne: Die Stimmung ist super

Erfolg macht sexy – auch in der Politik. Die Grünen in Hessen legen nicht nur in den Umfragen weiter zu, sondern auch bei den Mitgliederzahlen. Nach der Europawahl kam ein Schub, von dem andere zurzeit nur träumen können.

Auf dem aufsteigenden Ast waren sie schon im vergangenen Jahr. Von Neujahr bis Silvester 2018 stieg der Zahl der Mitglieder im Landesverband der Grünen um 907 auf 6.050 an. Rekord. Hält die aktuelle Entwicklung an, könnte die Kurve in diesem Jahr noch ein wenig steiler nach oben gehen.

Kein Wunder: Die Umweltpolitik als grüner Markenkern ist wegen des Klimawandels Top-Thema, in der Partei herrscht selige Eintracht – und Erfolg erhöht die Attraktivität noch. "Kurz nach der Europawahl sind alleine an die 200 Menschen zu uns gestoßen", berichtet die Landesvorsitzende Sigrid Erfurth. Macht rund 6.500 Mitglieder derzeit und bringt die 7.000er-Marke bis Ende des Jahres in Reichweite.

Freitage mit Zulauf-Potenzial

Gerade durch die Jugend-Umweltbewegung "Fridays for future" und in großen Städten herrsche reger Zulauf. Bastian Bergerhoff, Vorstandssprecher der Frankfurter Grünen, kommentiert das daraus resultierende Wachstum seines Stadtverbands um 40 Prozent in den vergangenen zwei Jahren gut gelaunt: "Die Stimmung ist super." Und ein Ende nicht in Sicht?

Die Soziologin Sigrid Roßteutscher ist sich gewiss: Alles hat ein Ende, auch das aktuelle Ausmaß des Hypes um die Grünen. "Lassen Sie eine ökonomische Krise kommen, lassen Sie das Migrationsthema aufgrund besonderer Anlässe wieder aufkommen – und schon ist ein Stück dieses Booms auch verschwunden", gibt die Professorin der Uni Frankfurt zu bedenken.

Gegenmodell, das auch mal hip war

Ein mögliches Abflachen der Begeisterung: Diese Sorge hätte eine frühere Volkspartei wie die SPD gerne. Sie ist aktuell das Gegenmodell der Grünen, nicht nur wegen des innerparteilichen Zwists. 2019 hat die Partei krachend die Europawahl, eine weitere Bundesvorsitzende und in Hessen mehr Mitglieder verloren, als die Grünen dazugewonnen haben.

49.655 Sozialdemokraten waren es Ende Mai noch im ganzen Bundesland, ein Minus binnen fünf bewegter Monate von 1.153. Eine "signifikante Austrittswelle" hat Ilona Holstein, Geschäftsführerin des SPD-Bezirks Hessen-Nord aber gar nicht einmal beobachtet. Und es gebe durchaus auch Neueintritte. Aber die Zahl der Mitglieder, die sterben, sei seit Jahren höher.

Ein Blick auf die Altersstruktur zeigt: Es droht so weiterzugehen. "Die meisten unserer aktuellen Mitglieder sind Ende der 60er und in den 70er Jahren eingetreten", sagt Holstein. Willy Brandt und sein "Mehr Demokratie wagen": Damals waren die SPD und ihr Spitzenpersonal am Puls der Zeit, rissen vor allem frisch politisierte junge Menschen mit. So wie jetzt gerade die Grünen.

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Die Großen schrumpfen, die Kleinen nicht

An Mitgliedern gemessen ist die SPD noch immer größte Partei Hessens. Schon in der Jahresbilanz 2018 musste sie aber die größten Verluste hinnehmen. Auch die CDU schrumpfte, während neben den Grünen auch FDP, Linke und AfD wuchsen - letztere als jüngste Partei am stärksten. Gerade hat die AfD nach eigenen Angaben ihr 3000. Mitglied aufgenommen.

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Sendung: hr-iNFO, 12.06.2019, 16.25 Uhr