Auf seinem Arbeitsweg hat hessenschau.de-Nutzer Michael Gomolla diesen Sonnenaufgang zwischen Hüttenberg und Wetzlar-Münchholzhusen fotografiert.

Wertvolle Ressource oder potenzielles Bauland: Mit einem Bodenschutzkonzept will die Stadt Wetzlar als Vorreiter dafür sorgen, dass es in Zukunft weniger Streit um den richtigen Ort für Neubauten gibt. "Kostet nicht viel, bringt aber viel", freut sich auch das Umweltministerium.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wetzlar erarbeitet erstes Bodenschutzkonzept in Hessen

Alte Lahnbrücke in Wetzlar.
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In Hessen werden jeden Tag 2,5 Hektar Flächen bebaut und damit versiegelt. Die Umweltschützer vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Hessen regen sich darüber schon länger auf. Denn es wird nicht selten sehr fruchtbare Erde zubetoniert. Besonders schlimm sei es im Rhein-Main-Gebiet, sagt Jochen Kramer vom BUND.

"Eine Stadt wie Eschborn, die eigentlich einen goldenen Boden für Äcker hat, hat leider sehr große Stücke dort schon versiegelt, mit sehr viel Gewerbe und Büros", so Kramer. Auch die Landesregierung hat das Problem erkannt und ist auf die Gemeinden zugegangen mit der Bitte, Pläne über die unterschiedlichen Bodenqualitäten zu erarbeiten. Als erstes geliefert hat jetzt Wetzlar.

Die mittelhessische 50.000-Einwohner-Stadt hat Hessens erstes Bodenschutzkonzept erarbeitet, bezahlt vom Umweltministerium. Jörg Martin, zuständiger Referatsleiter im Ministerium, fasst es so zusammen: "Kostet nicht viel, aber bringt viel. Wir haben bisher ungefähr 70.000 Euro ausgegeben. Für die weiteren Maßnahmen, die geplant sind, werden wir nochmal um die 30.000 bis 50.000 Euro aufwenden."

Wetzlars Umweltdezernent stolz auf Vorreiterrolle

Das Praktische: Für das Konzept musste Wetzlar keine neuen Daten messen, sondern konnte auf bestehende Informationen aus der Landwirtschaft oder über die Wälder zurückgreifen und in eine große Datenbank packen. Rote Flächen - gut ein Drittel des Stadtgebiets - kennzeichnen nun besonders wertvolle, schützenswerte Flächen. Qualitativ weniger hochwertige Areale werden in grün ausgewiesen.

Wetzlars Umweltdezernent Norbert Kortlüke

Das Ganze soll ein Modell für die anderen Gemeinden in Hessen werden. Wetzlars Umweltdezernent Norbert Kortlüke (Grüne) ist stolz, dass seine Stadt mit dabei hilft, "dieses Schutzgut Boden stärker ins Bewusstsein zu setzen". Über das Konzept, das für alle Fachämter bindend sein soll, stimmten die Stadtverordneten am Montag ab. Sie waren mit einer breiten Mehrheit von 46 zu 7 Stimmen dafür.

Konzept kann Streit verhindern

Bisher ist Wetzlar beim Bodenschutz kein Vorbild gewesen, die Stadt hat in den letzten Jahren mehr Flächen zugebaut als viele andere Städte in Hessen. Vor allem mit neuen Wohnungen für die Zugezogenen. Daran soll sich im Prinzip aber auch nichts ändern, denn das Bodenschutzkonzept soll nicht grundsätzlich neues Bauen verhindern.

Es gehe vor allem darum, besser zu planen, wo gebaut wird, erklärt Kortlüke. Zudem bliebe mit der Datensammlung das Einholen von Gutachten für jedes einzelne Bauprojekt erspart. Das könne auch helfen, Streit zu verhindern - wie zum Beispiel beim umstrittenen und mittlerweile gestoppten Rewe-Logistikzentrum in Wölfersheim.

BUND: Bebaute Areale nutzen

"Wenn man ein Bodenschutzkonzept gehabt hätte, hätte man sich eventuell gar nicht mehr für diese Fläche entschieden. Oder wenn man sich doch für diese Fläche entschieden hätte, hätte man stärkere Rechtssicherheit", sagt der Wetzlarer Umweltdezernent.

Auch für Wohnungsbauprojekte wie im Frankfurter Norden oder auf dem Wiesbadener Ostfeld wäre ein Bodenschutzkonzept gut, finden die Naturschützer vom BUND. Denn statt immer nur neue Flächen zu versiegeln, sollte man lieber schon bebaute Areale neu nutzen. Dabei könnte Corona helfen: Wenn sich Homeoffice dauerhaft durchsetzt, brauchen Städte wie Frankfurt weniger Büros, also gibt es mehr Platz für Wohnungen.

Sendung: hr-iNFO, 14.12.2020, 10:25 Uhr