Ministerpäsident Bouffier zu Besuch in der Kindertagesstätte.

Corona "ist noch nicht rum", sagt der Ministerpräsident. Die schlimmste Phase hat Hessen wohl aber überstanden. Bei einem Besuch in einer Gießener Kita reflektiert Volker Bouffier die Entscheidungen der vergangenen Monate - und sagt, was er heute anders machen würde.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bouffier: "Bin hier, um mich zu bedanken"

Ministerpäsident Bouffier zu Besuch in der Kindertagesstätte. Er steht im Raum, Kinder und Erzieherinnen sitzen an einem kleinen Tisch.
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"Wie kriegt Ihr das alles hin?", fragt Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). "Mit Geduld", antwortet eine Erzieherin in "Henrys Weltentdecker", einer Kita in der Gießener Weststadt. Diese hat Bouffier am Mittwoch besucht.

Ein Heimspiel, im wörtlichen Sinn: Ein paar hundert Meter weiter hat der Ministerpräsident früher gewohnt. "Ich fühle mich wirklich heimisch hier."

Aber dass der Besuch für ihn entspannt ist, liegt eher an der Gesamtsituation als an Bouffiers Herkunft. Die Kitas sind wieder im Regelbetrieb mit Hygieneauflagen, seit dieser Woche. Es ist der vierte und letzte Schritt im Kita-Konzept der Regierung, nach Notbetreuung, erweiterter Notbetreuung und eingeschränktem Regelbetrieb. Wörter, die für Eltern, Kita-Leitungen und Politiker in den vergangenen Monaten fast schon zu Kampfbegriffen wurden.

Kita-Frage politisch und emotional aufgeladen

Kaum eine Frage ist seit Beginn der Corona-Pandemie so heftig umstritten wie die nach dem richtigen Weg in der Kinderbetreuung, mal abgesehen vom Streit um das milliardenschwere Sondervermögen des Landes. Die Debatten im Landtag zum Thema waren emotional und aufgeladen, Elternvertreter und Kitaleitungen fühlten sich im Stich gelassen.

Auch Kitaleiterin Luisa Walb berichtet von der Zeit, als "alles Neuland" war und nur drei statt sonst 60 Kinder die Kita besuchen durften. "Wir haben den Kindern Briefe nach Hause geschickt und versucht, Sicherheit zu geben." Die Eltern hätten aber sehr gut unterstützt. Von der politisch aufgeladenen Dimension "haben wir nichts gespürt".

Außergewöhnlichste Zeit seit 1945

Zwar sei die Pandemie jetzt "noch nicht rum", sagt Bouffier. Aber die Infektionszahlen seien niedrig, die Lage normalisiere sich vielerorts, auch in den Kitas. Er wolle "Danke" sagen und sich selbst mal ein Bild machen.

Und auch wenn er immer wieder sagt, dass er zuhören wolle, so erzählt er auch viel - von den eigenen Entscheidungen, vom Abwägen, von Videokonferenzen und von Diskussionen über Krankenhaus-Besuchsregelungen. Von einer Zeit, als das mit der Geduld offenbar schwierig war. Und er erzählt, als wäre die schlimmste Corona-Zeit erst einmal vorüber.

Die Corona-Zeit sei nunmal so außergewöhnlich wie keine Zeit seit dem Zweiten Weltkrieg, sagt Bouffier, "wir konnten auf nichts zurückgreifen". Am einen Tag habe die Stadt Frankfurt noch ein Europacupspiel mit 55.000 Zuschauern genehmigen wollen, am nächsten Tag wurde bei einem Treffen im Kanzleramt empfohlen, Kitas und Schulen zu schließen.

Die Wissenschaftler seien sich nicht einig gewesen und in den Nachrichten hätten die katastrophalen Bilder aus Bergamo und New York dominiert, so Bouffier. Die Zahl der Infizierten sollte nicht über der Zahl der Krankenhausbetten liegen, darum sei es der Landesregierung gegangen.

Das mit den Spielplätzen "würde man nie wieder so machen"

Bei seinem Rundgang in der Kita besucht Bouffier auch verschiedene Gruppen. "Wow, cool!", sagt ein Junge, als die Tür aufgeht und der Ministerpräsident reinkommt. Die Kinder basteln hier. Bouffier lobt ein Mädchen, das ein Bild gemalt hat, fragt, wo die Kinder wohnen und sagt, es sei wichtig, ordentlich zu frühstücken, "damit Ihr groß und stark werdet". Als er den Raum wieder verlassen hat, fragt er: "Wie gehen die Kinder mit den ganzen Masken um?" Kita-Leiterin Walb sagt: "Sie haben sich gut daran gewöhnt."

Eine Mitarbeiterin berichtet: "Sie haben viel von den Spielplätzen erzählt, als die zu waren." Ja, sagt Bouffier später, die Sache mit den Spielplätzen, "das würde man nie wieder so machen". Es ergebe keinen Sinn, einen Spielplatz zu schließen, weil es in einem Altenheim irgendwo zehn bis 20 Neuinfektionen gebe. Aber "nachher ist man immer schlauer".

Wie erklärt man einem Kind Corona?

Eine Mutter berichtet, wie viel Angst sie in der Hochphase der Pandemie gehabt habe, die aber nicht ihrem Kind weitergeben wollte. Dem habe sie erklärt, die Welt sei nunmal dreckig und müsse jetzt sauber gemacht werden. Und als es dann regnete, habe das Kind am Fenster gestanden und gesagt: "Die Welt wird sauber."

Am Ende erzählt Kita-Leiterin Walb, sie wünsche sich, dass bald wieder alles ganz normal werde. Eigentlich verfolgt ihre Einrichtung ein offenes Konzept, jetzt sind die derzeit etwa 50 Kinder aber in festen Gruppen, improvisiert. Eine ist in dem Raum untergebracht, an dessen Tür "Bistro" steht und es sonst Essen gibt, eine andere im Personalraum.

Bouffier bedankt sich und sagt, dass die Regierung Ende Juli entscheiden werde, wie es mit den Kitas weitergeht. Bis dahin brauchen die Kinder, die Eltern und die Erzieherinnen weiterhin Geduld.

Sendung: hr4, die hessenschau in Mittelhessen, 08.07.2020, 14.30 Uhr