Kinzigsee in Langenselbold
Der Kinzigsee in Langenselbold Bild © Stadt Langenselbold

In Langenselbold haben die Bürger über die Zukunft des Strandbads am Kinzigsee entschieden: Die Initiatoren des Bürgerentscheids wollten das Bad verpachten - und scheiterten.

Die Mehrheit der Langenselbolder Bürger hat sich am Sonntag bei einem Bürgerentscheid dagegen entschieden, das Strandbad am Ostufer des Kinzigsees zu verpachten. Die Initiatoren des Bürgerentscheids hatten gehofft, mit einer Verpachtung den Haushalt von Langenselbold (Main-Kinzig) zu entlasten.

Am Sonntag stimmten 69,75 Prozent der Wähler allerdings mit Nein. Nur 30,25 Prozent stimmten dafür. Ein Viertel aller Wahlberechtigten hätten mit Ja stimmen müssen - dazu fehlten 1.591 Stimmen, um das nötige Quorum für den Bürgerentscheid zu erreichen.

Leere Kassen trotz Jahrhundertsommer

Der Betrieb des Strandbads ist für die Stadt seit Jahren ein Minusgeschäft. Im vergangenen Jahr lief trotz des Jahrhundertsommers ein Defizit von 137.000 Euro auf. Von einem "Fass ohne Boden" sprach deshalb Hans-Georg Kraus von der Bürgerinitiative Selbold (BIS).

Toiletten- und Umkleidebereich seien marode. "Da ist einfach nichts gemacht worden. Und Veranstaltungen, zum Beispiel Konzerte, mit denen sich die Bilanz hätte verbessern lassen, gab's auch nicht", hatte Kraus vor dem Bürgerentscheid kritisiert.

Nur wenige Langenselbolder nutzen den See

Die BIS hatte den Bürgerentscheid angestoßen. Nach ihren Berechnungen ließe sich der städtische Etat durch eine Verpachtung des Badebetriebs sogar um 250.000 Euro entlasten. "Da wird etwas hochgehalten, das wir uns nicht leisten können", sagte Kraus. "Dazu kommt: Die Langenselbolder zahlen für etwas, das sie gar nicht größer nutzen." Eine Befragung der Badegäste hatte ergeben, dass nur gut jeder Fünfte aus Langenselbold kam.

Entscheidend für die Zukunft des Strandbads sei dessen Attraktivität, sagte Michelle Heck, die Vorsitzende der CDU-Fraktion im Langenselbolder Stadtparlament . "Und gewerblich ist das Gelände sicher anders zu nutzen, als wenn es die Stadt betreibt." Am Nordufer des Kinzigsees befindet sich ein privat betriebener Campingplatz, dessen Eigentümer in der Vergangenheit mehrfach Interesse am Betrieb des Strandbads bekundet hatte.

SPD hält an städtischem Betrieb fest

Der Langenselbolder SPD-Chef Bernd Kaltschnee kann sich hingegen über das Ergebnis freuen: Er wollte den Badesee weiter in städtischer Hand und war gegen den Bürgerentscheid: "Der Badebetrieb gehört in kommunale Hand, in kommunale Regie", hatte Kaltschnee vor der Abstimmung gesagt. Er ist überzeugt, dass sich das Defizit verringern lässt und verweist auf die Vergangenheit.

Bis 2015 hatte die DLRG die Aufsicht am See inne, das jährliche Minus war zu dieser Zeit fünfstellig und damit überschaubar. Inzwischen werden in der Badesaison externe Mitarbeiter auf Stundenbasis eingesetzt. "Das waren im vorigen Sommer wegen des schönen Wetters besonders viele. So sind auch die Kosten gestiegen", sagte Kaltschnee. Zurzeit wird geprüft, ob die DLRG am Kinzigsee wieder die Verantwortung übernehmen könnte.

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Bürgerentscheid

Knapp 12.000 wahlberechtigte Langenselbolder waren am Sonntag aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Der Bürgerentscheid hätte nur Erfolg gehabt, wenn eine Mehrheit dem Vorschlag, das Seegelände zu verpachten, zugestimmt hätte. Außerdem hätte das Quorum erreicht werden müssen; das heißt, mindestens ein Viertel aller Wahlberechtigten muss mit Ja stimmen. Das sind rund 2.800 Stimmen.

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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 17.02.2019, 19.30 Uhr