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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Atommüll-Logistikzentrum? Proteste im Dreiländereck

Das ehemalige Atomkraftwerk Würgassen

In einem stillgelegten Atomkraftwerk unweit der nordhessischen Landesgrenze soll ein Logistikzentrum für Atommüll entstehen. Die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden sind wütend: Sie fühlen sich übergangen und fürchten um die Gesundheit der Bürger.

Von Bad Karlshafen (Kassel) bis zum stillgelegte Kernkraftwerk Würgassen in Beverungen (Nordrhein-Westfalen) sind es an der Weser entlang weniger als fünf Kilometer. Diese Nähe führt nun zu Ärger, denn das Dreiländereck aus Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen könnte in einigen Jahren zur Drehscheibe für Atommüll aus Deutschlands Zwischenlagern werden.

In dem ehemaligen Kraftwerk Würgassen soll ein Logistikzentrum für radioaktiven Müll entstehen.

30 Jahre lang rollen die Atommüll-Transporte

Die Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) plant, dass ab dem Jahr 2027 schwach- und mittelradioaktive Abfälle aus 16 Zwischenlagern in Deutschand in Würgassen gesammelt und von dort ins Endlager Konrad in Salzgitter (Niedersachsen) transportiert werden. 30 Jahre lang würde täglich der radioaktiver Müll raus- und reinrollen in den kleinen Ort.

Die BGZ schätzt, dass die Zahl der Transporte pro Tag bei unter 10 Zügen und 20 Lkw bleibe. Ziel ist es, dass aller Atommüll aus Deutschland am Ende an einem Ort gelagert wird - insgesamt 303.000 Kubikmeter. Das Genehmigungsverfahren soll in Kürze starten.

Aber wo Atommüll rollt, gibt es auch Protest: In einer gemeinsamen Erklärung haben die Bürgermeister und Rathausfraktionen von Bad Karlshafen, Beverungen und der Gemeinde Boffzen (Nordrhein-Westfalen) am Mittwoch gemeinsam ihrem Ärger Luft gemacht. Man sei "entsetzt", wie mit den Bürgern im Dreiländereck umgegangen werde, heißt es in einem Protestbrief.

Sie fühlten sich übergangen durch eine "absolut ungenügende Informationspolitik" und die Sorge um Risiken für die Gesundheit der Bürger durch mögliche Strahlenbelastung. Gerade Bad Karlshafen befürchtet auch, dass der Tourismus einbrechen könnte, von dem die kleine Stadt abhängig ist - zuletzt wurden Millionen in den historischen Hafen gesteckt.

Gemeinden: "Wir lassen uns nicht kaufen"

Die BGZ verspricht zwar, dass mit dem geplanten Bau eines Gebäudes aus Stahlbeton und dem Betrieb des Logistikzentrums in der Region rund 100 Arbeitsplätze entstünden. Darin sehen die Bürgermeister der strukturschwachen Region allerdings ein vergiftetes Angebot: "Wir lassen uns nicht kaufen", heißt es in dem Protestbrief.

Und: "Wir kämpfen seit Jahren für eine bessere Verkehrsanbindung", heißt es weiter. Die bisherigen Bahnschienen würden aber nicht ausreichen, um Atommüll auf der Schiene nach Würgassen zu bringen, sie seien nicht für den Güterverkehr geeignet. Ihren Fragenkatalog wollen sie am Mittwoch auf einer Bürgerversammlung mit der BGZ besprechen.

Bürgerinitiative "gegen atomarem Dreck im Dreiländereck"

Auch Anti-Atomgegner formieren sich, sie haben in dieser Woche kurzfristig di "Bürgerinitiave gegen atomaren Dreck im Dreiländereck" ins Leben gerufen und eine Petition gestartet. Ihnen geht es nicht nur um die Angst um die eigene Gesundheit, sondern auch die Sorge um sinkende Immobilienpreise, Abwanderung von jungen Familien, verstopfte Straßen und mehr Lärm. Innerhalb von fünf Tagen unterschrieben rund 4.800 Menschen die Online-Petition.

Die Bürgermeister befürchten sogar, dass aus Würgassen am Ende doch ein Endlager werden könnte. Der "Schacht Konrad" in Salzgitter ist noch nicht ausgebaut, wenn das nicht bis 2027 passiere - oder etwas dazwischenkommt - würde das Dreiländereck auf dem Atommüll aus ganz Deutschland sitzen bleiben, so die Sorge in den Gemeinden.