Eschborns Bürgermeister Mathias Geiger (FDP) im Januar 2015

Die Bürger in Eschborn wählen am Sonntag einen neuen Bürgermeister. Zur Wahl stehen ein skandalumwitterter Amtsinhaber, ein gemeinsamer Kandidat von CDU, SPD und Grünen sowie ein Linker.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Verurteilter Geiger will nochmal Eschborner Bürgermeister werden

Eschborn Rathaus Schild Mathias Geiger
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Wenn am Sonntag Eschborns Bürger zur Urne gehen, um ihren Bürgermeister zu wählen, können sie sich zwischen drei Kandidaten entscheiden. Einer davon ist Amtsinhaber Mathias Geiger von der FDP.

Skandale und Geheimnisverrat

Geiger sitzt seit 2013 im Rathaus, seine Amtszeit verlief - gelinde gesagt - alles andere als harmonisch. Es ging um Geheimnisverrat, Intrigen und den Vorwurf einer Rathausmitarbeiterin, der Politiker habe sie belästigt.

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Bürgermeisterwahlen in fünf Kommunen

Nicht nur in Eschborn sind die Bürger am Sonntag aufgerufen, einen neuen Bürgermeister zu wählen. Direktwahlen finden auch in Beselich, Birstein, Dietzhölztal und Dillenburg statt. Die Wahllokale schließen um 18 Uhr. Gegen 19 Uhr dürften die ersten Ergebnisse eintreffen.

Ende der weiteren Informationen

Ende vergangenen Jahres wurde der 61-Jährige vom Frankfurter Landgericht in der Eschborner Spitzelaffäre zu einer Geldstrafe wegen Verrats von Steuer- und Dienstgeheimnissen verurteilt. Noch als Stadtrat hatte er vertrauliche Akten abfotografiert und einem Rechtsanwalt übergeben.

Die Informationen gelangten an die Öffentlichkeit und sollen laut Anklage dazu genutzt worden sein, den damals amtierenden Bürgermeister Wolfgang Speckhardt (CDU) zu diffamieren und aus dem Amt zu drängen - ein Vorwurf, den Geiger in Teilen einräumte. Die Affäre wurde erst bekannt, als Geiger bereits im Rathaus saß, als Nachfolger von Speckhardt.

Abwahlverfahren gescheitert

Nach dem Urteil hatte die Opposition aus CDU, SPD und Grünen versucht, den skandalumwitterten Bürgermeister aus dem Amt wählen, doch die notwendige Mehrheit im Parlament kam nicht zustande.

Noch im Wahlkampf 2013 berichtete eine Zeitung vom Vorwurf einer früheren Sekretärin, wonach Geiger sie sexuell belästigt habe. Ein Gerichtsverfahren deswegen wurde eingestellt. Trotz des Vorwurfs gewann Geiger die Stichwahl gegen Speckhardt deutlich mit über 60 Prozent.

Die Grünen-Fraktion reichte im Herbst vergangenen Jahres obendrein eine Klage beim Verwaltungsgericht Frankfurt ein. Der Vorwurf: Eine ehemalige Mitarbeiterin Speckhardts soll eine viel zu hohe Abfindung erhalten haben, angeblich um die unliebsame Mitarbeiteirn loszuwerden. Geiger hatte die Frau dafür verantwortlich gemacht, Informationen über den Wahlkampf 2013 an die Presse weitergegeben zu haben, woraufhin die Affäre um die angebliche sexuelle Belästigung ins Rollen kam.

CDU, SPD und Grüne bündeln die Kräfte

Trotz dieser Skandale kann Geiger hoffen, am Sonntag seinen Rathaussessel zu verteidigen. Geiger ist populär in der Stadt. An vielen Privathäusern hängen Plakate und Banner mit Geigers Konterfei. Das mag auch daran liegen, dass es der Stadt gut geht. Eschborn ist schuldenfrei, Großkonzerne wie zum Beispiel die Deutsche Börse lassen die Gewerbesteuer sprudeln. Die Gebühren für die rund 21.500 Einwohner sind niedrig.

CDU, SPD und Grüne haben ihre Kräfte gebündelt und schicken den Christdemokraten Adnan Shaikh als Gegenkandidat ins Rennen. Der 46-Jährige mit pakistanischen Wurzeln leitet eine große Gesamtschule und setzt sich unter anderem für bessere Bildungsangebote und Familienförderung sowie eine Stärkung von Vereinsleben und Wohnungsbau ein. Ihm werden gute Chance eingeräumt, Geiger in der einstigen Hochburg der Konservativen vom Thron zu stoßen.

Dritter Bürgermeisterkandidat ist Fritz-Walter Hornung von den Linken. Der 62-Jährige plädiert für den Bau von mehr Sozialwohnungen sowie ein besseres Angebot im öffentlichen Nahverkehr angesichts der hohen Pendlerzahlen in Eschborn.

Sendung: hr4, 18.10.2019, 14.30 Uhr