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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found In Gießen: So reagieren die Menschen auf den Oster-Lockdown

Osterhase mit Mundschutz

Hessen steht der wohl schärfste Lockdown seit Pandemie-Beginn bevor. Das öffentliche Leben soll von Gründonnerstag bis Ostermontag stillstehen. Und der Osterurlaub in Deutschland fällt aus.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat die mit Bund und Ländern in einer elfstündigen Marathonsitzung vereinbarten Verschärfungen der Corona-Maßnahmen zu Ostern am Dienstagmorgen begrüßt. Es sei jetzt nicht Zeit für Lockerungen, teilte Bouffier mit. "Deutschland steht vor einer großen Herausforderung, die wir mit entsprechenden Anstrengungen meistern müssen."

Nach dem Gespräch zwischen Bund und Ländern ist das Thema Öffnungen zu den Osterfeiertagen vom Tisch. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen appellierten, zu Ostern "alle Kontakte auf das absolut notwendige Minimum zu beschränken und insbesondere Zusammenkünfte in Innenräumen zu vermeiden".

Der aus Gießen stammende Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) begründete die neuen Schritte mit der gestiegenen Infektionsgefahr durch die britische Mutante. "Der Virus ist tödlicher, ansteckender und beschert uns nun eine dritte Welle, die wir uns alle gerne erspart hätten", sagte Braun am Dienstagmorgen im hr1-Interview.

Gründonnerstag wird zum "Ruhetag"

Um eine Überlastung des Gesundheitswesens im April zu verhindern, wurde der Lockdown über die bevorstehenden Osterfeiertage deutlich verschärft und bis zum 18. April verlängert. In der Zeit vom 1. April (Gründonnerstag) bis zum 5. April (Ostermontag) soll demnach das öffentliche Leben in Deutschland für fünf Tage in nicht gekannter Weise weitgehend ausgebremst werden. Faktisch heißt das, dass der Gründonnerstag in diesem Jahr wie ein Feiertag behandelt wird - inklusive "arbeitsfrei" und geschlossenen Unternehmen. Eventuelle Öffnungsschritte nach dem am 3. März vereinbarten Fahrplan sollen frühestens am 6. April greifen. Am 12. April beraten sich Bund und Länder erneut.

Was die getroffenen Bund-Länder-Vereinbarungen für Hessen konkret bedeuten, wird am Nachmittag das Corona-Kabinett der schwarz-grünen Landesregierung festlegen. Ministerpräsident Bouffier will darüber um 17 Uhr in einer Pressekonferenz informieren. hessenschau.de wird die Pressekonferenz live übertragen.

Die Bund-Länder-Beschlüsse im Einzelnen:

  • Lockdown verlängert: Der Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie wird insgesamt um drei Wochen bis zum 18. April verlängert. Am 12. April soll darüber beraten werden, wie es danach weitergeht.
  • "Ruhepause" über Ostern: Von Gründonnerstag bis Ostermontag gilt das Prinzip #WirBleibenZuHause". Gründonnerstag und Karsamstag sollen einmalig als Ruhetage definiert - also quasi als arbeitsfreie Feiertage, an denen etwa auch Unternehmen geschlossen bleiben - und mit weitgehenden Kontaktbeschränkungen verbunden werden. Nur am Karsamstag soll demnach der Lebensmittelhandel geöffnet bleiben. Private Zusammenkünfte sollen auf den eigenen Haushalt und einen weiteren Hausstand, jedoch maximal fünf Personen beschränkt werden. Kinder bis 14 Jahre werden nicht mitgezählt. Paare sollen generell als ein Hausstand zählen. Kirchen und Religionsgemeinschaft werden gebeten, an Ostern nur Online-Angebote für die Gläubigen zu machen. Nur Impf- und Testzentren sollen offen bleiben.
  • Die "Notbremse" gilt: Die Anfang März vereinbarte "Notbremse" bei mehr als 100 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen soll konsequent umgesetzt werden. Öffnungsschritte (Zoos, Museen, Botanische Gärten, "Click and meet") sollen bei Erreichen der Marke zurückgenommen werden.
  • Verschärfte Maßnahmen bei Inzidenz über 100: In Landkreisen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 100 sollen die Corona-Beschränkungen noch einmal verschärft werden. Dazu können Ausgangsbeschränkungen, verschärfte Kontaktbeschränkungen und eine Tragepflicht medizinischer Masken von Mitfahrern auch im privaten Pkw zählen.
  • Mehr Tests an Schulen: Bund und Länder wollen Corona-Tests für Schüler, Lehrkräfte und Kita-Beschäftigte ausweiten und streben "baldmöglichst zwei Testungen pro Woche" an.
  • Urlaub auf Mallorca: Urlaub wird dort trotz steigender Infektionszahlen weiter möglich sein. Bund und Länder appellieren aber an die Fluggesellschaften, keine zusätzlichen Flüge mehr für die Osterferien anzubieten. Zudem soll für alle Flüge aus dem Ausland nach Deutschland eine generelle Testpflicht vor Abflug eingeführt werden.
  • Hotels bleiben zu: Tourismus im Inland wird auch in den Osterferien nicht möglich sein. Hotels und andere Beherbergungsbetriebe sollen für Urlauber geschlossen bleiben. Von sogenanntem kontaktarmen Urlaub in Ferienwohnungen oder in Wohnmobilen, für den sich vor allem die norddeutschen Bundesländer stark gemacht hatten, ist in dem Beschluss keine Rede mehr.

Wirtschaft: "Schmerzhafte Beschlüsse"

Noch bevor das Corona-Kabinett die Beschlüsse detailliert für Hessen festgezurrt hat, regte sich seitens der Wirtschaft am Dienstag bereits Unmut. Die "Notbremse" sei nicht notwendig, weil etwa Teile der Wirtschaft zu schnell geöffnet worden seien. "Sie ist erforderlich, weil der Staat zu langsam ist: Beim Impfen, der Testorganisation, beim Nachvollziehen von Kontakten, beim Impfpass", kritisierte Eberhard Flammer, Präsident des Hessischen Industrie- und Handelskammertages (HIHK) am Dienstag. Er sprach von "schmerzhaften Beschlüssen".

"Von einem Lockdown in den nächsten zu taumeln, produziert Frust und Perspektivlosigkeit." Das gehe bei vielen Betrieben an die Existenz. Dabei beweise der Lebensmittelhandel, der täglich von zehntausenden Menschen in Hessen besucht werde, seit Monaten: Der Handel sei kein Infektionsherd.

Wie geht es an den Schulen weiter?

Der Beschluss von Bund und Ländern sieht vor, dass Beschäftigte in Schulen und Kitas sowie Schülerinnen und Schüler so bald wie möglich zwei Mal pro Woche getestet werden sollen. Es geht dabei vor allem um die einfacher zu handhabenden Tests, ohne tiefen Nasen- oder Rachenabstrich. Die Verteilung und Organisation läuft regional unterschiedlich gut, und über die praktische Umsetzung wird vielerorts noch diskutiert - beispielsweise über die Frage, ob die Tests zu Hause oder in der Schule stattfinden sollen.

Zur Organisation des weiteren Betriebs von Schulen und Kitas, etwa zu möglichen Schließungen oder anderen Einschränkungen trafen Merkel und die Ministerpräsidenten keine konkreten Vereinbarungen. Die Länder regeln diese Fragen damit weiterhin in Eigenregie.

Auch an Arbeitsplätzen, die nicht auf Homeoffice ausweichen können, sollen Arbeitgeber regelmäßige Tests anbieten - "mindestens einmal und bei entsprechender Verfügbarkeit zwei Mal pro Woche" heißt es in dem Beschlusspapier.

Sendung: hr1, 23.03.2021, 8.00 Uhr