Heiko Maas im Gespräch mit Schülern der Theo-Koch-Schule
"Zwei Sätze will ich noch sagen" - Heiko Maas im Gespräch mit Schülern der Theo-Koch-Schule. Bild © Bodo Weissenborn (hr)

Brexit, Venezuela, Handelskriege: In Grünberg sprach Bundesaußenminister Heiko Maas einen Abend lang mit Schülern über Globalisierung. Ein großes Thema, wie sich zeigte.

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Überquellende Parkplätze, Polizei und Rettungskräfte vor der Schulaula und drinnen ein volles Auditorium – rund 400 Menschen, darunter viele Schüler, wollten Deutschlands Außenminister Heiko Maas (SPD) am Montagabend in Grünberg (Gießen) mal ganz nahe kommen.

Der sagte, er habe das EU-Außenministertreffen in Brüssel extra früher verlassen, um pünktlich in das Städtchen östlich von Gießen zu kommen. Das Treffen zwischen Außenminister und Schülern ermöglicht hatte Thorsten Schäfer-Gümbel - der sich am Montagabend noch nicht anmerken ließ, dass er wenige Stunden später seinen Rückzug aus der Politik ankündigen würde. Maas begrüßte die beiden sichtlich aufgeregten Schülermoderatoren mit dem Satz: "Ihr macht mich also fertig."

Fertig gemacht haben ihn die Zwölftklässler dann nicht – zu groß war da wohl der Respekt vor dem Amt und der Person. Stattdessen wurde es eine Tour de Force durch das Weltgeschehen, die sich der Leistungskurs Politik zum großen Thema "Globalisierung" ausgedacht hatte.

Welterklärung im Sauseschritt

Vom Brexit über die aktuelle Situation in Venezuela bis hin zur Frage, wie Deutschland mit Erdogan umgeht und wie sich die EU weiter entwickeln wird, Handelskriege, der Klimawandel, der schnelle technische Fortschritt auf allen Gebieten – bei dieser Welterklärung im Sauseschritt schwirrte nicht nur den beiden Schülermoderatoren der Kopf. Da dachte sich wohl auch so mancher im Publikum, wie kann ein Mensch, in diesem Fall Maas, das alles im Blick behalten?

Maas gab sich locker. In der SPD einen Konsens herzustellen sei eine Sache für sich, Megabytes halte er für die größere Bedrohung als Megabomben, und er sei dafür, die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei fortzuführen, "weil es nicht das Wesen der Diplomatie ist, mit Emmanuel Macron und Justin Trudeau in eine Kamera zu grinsen, mit denen man ohnehin einer Meinung ist. Es geht darum, sich mit denen an einen Tisch zu setzen und zu reden, mit denen es schwierig ist."

Anregender als ein EU-Außenministertreffen

Ein Minister zum Anfassen, ein cooler Typ, der sich vor Antworten nicht drückt – so der Tenor unter den Schülern. Maas sagte, er habe den Abend anregender als das EU-Außenministertreffen gefunden, eine kleine Schmeichelei an die Grünberger, die sich nicht sehr diskussionsfreudig zeigten.

Zum Schluss appellierte Maas an die Schüler, sich aktiv einzubringen, gerade in den sozialen Medien. Er würde sich freuen, wenn die tolerante, weltoffene Mehrheit etwas lauter würde – "weil dadurch dann die Minderheit leiser wird."

So bleibt von diesem Schüler-trifft-Politiker-Abend vor allem die Einsicht, dass Bürger und Politiker viel öfter ins Gespräch kommen sollten. "Demokratie braucht Diskussion", sagte Maas.

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Fünf Megatrends

"Die fünf Megatrends unserer Zeit – Klimaentwicklung, Digitalisierung, Ungleichheit, kulturelle Vielfalt, Globalisierung" – unter diesem Titel hat Thorsten Schäfer-Gümbel eine Diskussionsreihe mit besonderen Gästen entworfen, die durch vier Schulen im Kreis Gießen führt. Die letzte Veranstaltung dieser Reihe wird am Mittwoch, 20. März, um 19 Uhr in der Gesamtschule Hungen stattfinden. Am Montagabend hatte Schäfer-Gümbel im Gespräch mit dem hr noch angekündigt, die Reihe nach einer Sommerpause fortzusetzen - bevor er am Dienstag seinen eigenen Rücktritt ankündigte.

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