Abgeordnete im Bundestag mit gesenkten Köpfen.

Der Bundesrat hat mit einer Schweigeminute der Opfer des Anschlags von Hanau gedacht. "Viel zu lange wurde die terroristische Bedrohung von rechts unterschätzt", sagte Präsident Woidke zu Anfang der Sitzung.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Woidke: Opfer von Hanau waren keine "Fremden"

Tausende versammelten sich am Mittwoch in Hanau
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Bundesratspräsident Dietmar Woidke rief zu Anteilnahme und Mitgefühl für die Angehörigen und Opfer der rassistisch motivierten Morde von Hanau auf. "Diese Menschen waren keine 'Fremden'. Sie waren nicht 'anders'", sagte Brandenburgs Ministerpräsident von der SPD am Freitag zu Beginn der Sitzung der Länderkammer in Berlin. Mit einer Schweigeminute gedachte der Bundesrat der Opfer. Der Anschlag sei "gegen uns alle" gerichtet und "leider kein Einzelfall" gewesen.

Die Opfer hätten hierzulande gelebt und seien Mitbürger gewesen, sagte Woidke. "Und selbst wenn sie fremd und anders gewesen wären: Das wäre doch eher eine Bereicherung für unser Land als eine Gefahr."

"Den Angehörigen der Opfer dauerhaft beistehen"

Der Bundesratspräsident erinnerte daran, dass "all diese jungen Opfer von Hanau" Eltern hatten, für die der Albtraum, seine eigenen Kinder zu Grabe tragen zu müssen, "jetzt bittere Realität geworden ist". Zudem werde jedes Kind, das durch die Tat Vater oder Mutter verloren habe, "für sein Leben gezeichnet sein".

"Der Hass hat wieder einmal - und schon viel zu oft - Menschenleben gefordert", sagte Woidke auch mit Blick auf die zahlreichen früheren Opfer rassistischer und rechtsextremistischer Taten in Deutschland. "Viel zu lange wurde die terroristische Bedrohung von rechts unterschätzt." Er mahnte: "Das für die Zukunft zu verhindern und den Angehörigen der Opfer mit aller Kraft und dauerhaft beizustehen, wird unsere gemeinsame Aufgabe sein", mahnte Woidke.

Anteilnahme auch für Verletzte von Volkmarsen

Bei dem Anschlag in Hanau hatte ein 43-Jähriger am Abend des 19. Februar neun Menschen mit Migrationshintergrund erschossen. Weitere Menschen wurden verletzt. Der Sportschütze soll auch seine Mutter getötet haben, bevor er sich selbst das Leben nahm. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der Mann eine rassistische Gesinnung und war psychisch krank.

Woidke drückte ebenfalls "tiefe Anteilnahme" für die mehr als 120 Verletzten der Auto-Attacke in Volkmarsen (Waldeck-Frankenberg) am Rosenmontag aus - auch wenn nach bisherigen Erkenntnissen kein Zusammenhang zwischen den Taten bestehe und die Motive des Täters in diesem Fall noch unbekannt seien.

Sendung: hr3, 13.03.2020, 11 Uhr