Wenige Tage vor dem CDU-Bundesparteitag hat sich der hessische Ministerpräsident Bouffier für Armin Laschet als neuen Parteichef und Jens Spahn als seinen Vize ausgesprochen. Er warb nach hr-Information vor den hessischen Delegierten für das Gespann.

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Volker Bouffier (li.) im Gespräch mit seinem Amtskollegen aus Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet.
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Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat sich am Dienstag bei einer digitalen Konferenz hessischer Delegierter des CDU-Bundesparteitags für NRW-Ministerpräsident Armin Laschet als neuen Parteichef ausgesprochen. Das hat der hr aus Kreisen der Delegierten erfahren. Ein Sprecher der hessischen CDU bestätigte das auf Anfrage.

Der Bundesparteitag findet am kommenden Freitag und Samstag digital mit anschließender Briefwahl statt, Bouffier ist CDU-Landesvorsitzender und Vize-Chef der Bundespartei.

Laschet kandidiert zusammen mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der Laschets Vize werden soll. Neben Laschet/Spahn bewerben sich auch Friedrich Merz und der Außenpolitiker Norbert Röttgen um die Nachfolge von Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer.

Bouffier: Laschet in aktueller Ausgangslage bester Kandidat

Bouffier betonte in der Schalte, dass für ihn Laschet in der aktuellen Lage der beste Kandidat sei. Die CDU werde mit dem Ende der Kanzlerschaft von Angela Merkel vor einer neuen Zeit stehen. Trotzdem sei auch Kontinuität wichtig. Es dürfe keinen Bruch geben. Bouffier wies auf gute Umfragewerte für die Partei hin, der auch die Lösung der Probleme durch die Coronakrise am ehesten zugetraut werde.

Laschet bringe die nötigen Voraussetzungen mit, gerade angesichts der Pandemie und ihrer Folgen. Er stehe nicht nur für Kompetenz in Wirtschaftsfragen, sondern auch für Empathie in der Politik. Laschet habe in Nordrhein-Westfalen zudem gezeigt, dass er eine Partei zusammenführen und gute Regierungsarbeit in einer Koalition leisten könne.

Bouffier: Einigkeit ist wichtig

Von insgesamt 1.001 Delegierten stellt Hessen 88 Delegierte. Bei der dreistündigen Schalte waren fast alle von ihnen dabei. Die Diskussion sei trotz Meinungsverschiedenheiten in der Kandidatenfrage sehr sachlich verlaufen, hieß es.

Man sei sich bei der Schalte einig gewesen, dass es sich um eine richtungsweisende Wahl handele. Bouffier appellierte an die Delegierten, die Partei müsse in jedem Fall geschlossen bleiben. Die CDU habe drei gute Kandidaten. Ganz gleich, wie das Rennen ausgehe, müsse sich die gesamte Partei hinter den Sieger stellen.

Bouffiers Stimme hat Gewicht

Bouffier ist stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender und dienstältester Ministerpräsident. Er gilt als Unterstützer des Kurses von Bundeskanzlerin Merkel. Mit der Empfehlung für das Team Laschet und Spahn stellt sich Bouffier gegen seinen Amtsvorgänger Koch und die ehemalige Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth. Der langjährige hessische Ministerpräsident Koch hatte sich kürzlich für die Kandidatur von Merz stark gemacht.

Koch war auch bei der Delegiertenkonferenz dabei. Kürzlich hatte er in einem Brief an die hessischen Delegierten noch für das "durchdachte Zukunfskonzept" von Merz geworben.

Laschet holt bei Umfragen auf

Zwischen Merz, Laschet/Spahn und Röttgen wird mit einer Stichwahl und einem knappen Ausgang gerechnet. Laschet hatte in Umfragen anfangs zurückgelegen, inzwischen hat er aufgeholt. Zuletzt lagen er und Röttgen laut einer Umfrage von Infratest-Dimap im Auftrag der ARD mit 25 Prozent gleichauf, Merz kam auf 29 Prozent.

Im Rennen um die Kanzlerkandidatur fällt auch immer wieder der Name des CSU-Vorsitzenden und bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Söder hat sich bisher aber nicht in dieser Frage klar positioniert. In der Union sind sich nach seinen Angaben alle maßgeblichen Beteiligten einig, dass ein Kanzlerkandidat für die Bundestagswahl "erst im Frühjahr" bestimmt werden soll.

Braun für CDU-Vorsitzenden "mit Regierungserfahrung"

Kanzleramtschef Helge Braun, der aus Gießen kommt, hatte sich kürzlich indirekt gegen Merz als neuen CDU-Chef ausgesprochen. Seine Äußerung war als Empfehlung für Laschet ausgelegt worden. "Ich habe eine sehr klare Präferenz dafür, dass wir jemand mit Regierungserfahrung brauchen", sagte Braun. "Den Rest entscheide ich auf dem Parteitag." Unter den drei Kandidaten ist Merz der einzige ohne Regierungserfahrung. Er war von 2000 bis 2002 Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Für Merz hatte sich vor der Wahl zum CDU-Bundesvorsitzenden im Jahr 2018 auch die Junge Union (JU) Hessen ausgesprochen. Merz hatte den Wettstreit um den Parteivorsitz gegen Kramp-Karrenbauer verloren. Spahn lag seinerzeit in der Gunst der JU hinten.

Sendung: hr-iNFO, 12.01.2021, 17 Uhr