Ministerpräsident Bouffier und sein Stellvertreter Al-Wazir
Volker Bouffier (CDU, li.) und Tarek Al-Wazir (Grüne). Bild © picture-alliance/dpa

Die Grünen nehmen das Angebot der CDU zu Koalitionsverhandlungen an. Man sehe in der bisherigen Zusammenarbeit "eine gute und belastbare Grundlage" für die Zukunft, teilten die Landesvorsitzenden mit. Am Montag soll es losgehen.

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Die hessischen Grünen wollen mit der CDU über eine Neuauflage der Koalition im Land beraten. "Die Grünen in Hessen haben einstimmig entschieden, die Einladung der CDU Hessen zu Koalitionsverhandlungen anzunehmen", teilte die Partei am Samstag in Wiesbaden mit. Man habe das Angebot der CDU "erfreut zur Kenntnis genommen".

"Es ist gut, dass es in Hessen nun - nach Feststellung des endgültigen amtlichen Endergebnisses - mit den Verhandlungen über eine stabile und verlässliche Regierung losgehen kann", teilten die Landesvorsitzenden Angela Dorn und Kai Klose mit. Die Arbeit der zurückliegenden fünf Jahre sei ein Erfolg gewesen, Hessen sei ökologischer, gerechter und vielfältiger geworden. Es gebe daher "eine gute und belastbare Grundlage" für eine neue Zusammenarbeit.

Verhandlungsstart am Montag

Am Samstagmorgen kündigte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) an, dass die Koalitionsverhandlungen bereits am Montag beginnen sollen. "Ich freue mich über die klare Entscheidung des Grünen-Landesvorstandes", sagte Bouffier. "Dieses Ergebnis ist eine gute Basis für erfolgreiche Koalitionsverhandlungen." Damit wird eine Neuauflage der schwarz-grünen Koalitionsregierung in Hessen immer wahrscheinlicher. Die CDU hatte die Grünen schon wenige Stunden nach Bekanntgabe des amtlichen Endergebnisses der Landtagswahl am Freitag zu Koalitionsgesprächen eingeladen.

Die CDU hatte zuvor schon jeweils zwei Gesprächsrunden mit den Grünen, der SPD und der FDP geführt. Danach sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass die "erfolgreiche und vertrauensvolle Zusammenarbeit" mit den Grünen in den vergangenen fünf Jahren "eine gute Grundlage für eine stabile und verlässliche Regierungsarbeit auch der nächsten Wahlperiode in Hessen" sei, so Bouffier.

"Partner müssen zu Kompromissen bereit sein"

Nach dem Endergebnis der Landtagswahl haben CDU und Grüne eine hauchdünne Mehrheit von einem Mandat. "Die knappe Ein-Stimmen-Mehrheit im Hessischen Landtag erfordert von allen Beteiligten ein Höchstmaß an Disziplin", sagte Bouffier. Beide Partner müssten zu Kompromissen bereit sein, "ohne ihre Identität aufzugeben".

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Der Landeswahlausschuss hatte am Freitag in Wiesbaden das mit Spannung erwartete endgültige Ergebnis der Landtagswahl festgestellt. Trotz Korrekturen nach Wahlpannen ändert sich gegenüber dem vorläufigen Ergebnis vom 28. Oktober nichts wesentlich - weder bei den Stimmenanteilen noch bei der Sitzverteilung im Landtag. Von insgesamt 137 Mandaten erhält die CDU 40. Grüne und SPD haben jeweils 29 Sitze, die AfD 19, die FDP 11 und die Linke 9.

Erhalten die Grünen weitere Ressorts?

Die CDU hatte bei der Landtagswahl stark verloren und mit 27 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis seit mehr als 50 Jahren in dem Bundesland verbucht. Die Grünen hatten stark gewonnen und waren von 11,1 Prozent im Jahr 2013 auf 19,8 Prozent geklettert. Grüne Ressortchefs gibt es in Hessen derzeit im Wirtschafts- und Verkehrsministerium mit Vize-Ministerpräsident Tarek Al-Wazir und im Umweltressort mit Priska Hinz. Bei einer Neuauflage ist zu erwarten, dass mindestens ein weiteres Haus hinzukommt, womöglich die Bildung oder das Sozialministerium.

Schon nach dem vorläufigen Endergebnis vom 28. Oktober hatte vieles auf eine Fortsetzung der schwarz-grünen Regierungskoalition hingedeutet. Rein rechnerisch wäre ebenfalls mit einer Mehrheit von einem Mandat auch eine schwarz-rote Koalition möglich. Sie gilt aber wegen politischer Differenzen als eher unwahrscheinlich. Die von der FDP ins Spiel gebrachte und noch am Donnerstag sondierte Ampelkoalition mit SPD und Grünen hat sich mit dem amtlichen Wahlergebnis wohl zerschlagen. Ein Dreierbündnis unter grüner Führung lehnen die Liberalen ab.