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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bundeswehr soll in Hotspots helfen

Vielleicht bald öfters in Corona-Hotspots im Einsatz: Die Bundeswehr - hier bei einem Einsatz im Mai in Sachsen-Anhalt

Die Bürgermeister der elf größten deutschen Städte, darunter Frankfurt, haben sich auf strengere Regeln für Corona-Hotspots geeinigt. Bundeswehr und Robert Koch-Institut sollen Experten in Corona-Hotspots schicken können.

Angesichts der deutschlandweit stark steigenden Corona-Infektionszahlen haben sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Bürgermeister der elf größten deutschen Städte am Freitag auf weitere Maßnahmen zur Eindämmung des Virus verständigt. Für Corona-Hotspots, also Städte, in denen sich mehr als 50 Menschen je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen infiziert haben, soll es einen Acht-Punkte-Plan geben. An den Beratungen nahm auch Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) teil.

"Die Großstädte und die Ballungsräume sind der Schauplatz, wo wir sehen, ob wir die Pandemie unter Kontrolle halten können oder ob uns die Kontrolle entgleitet", sagte Merkel nach den Beratungen. "Es ist im Sommer gut gegangen, jetzt sehen wir ein anderes besorgniserregendes Bild." Sollte die Kontaktnachverfolgung nicht mehr möglich sein, "werden uns die Infektionszahlen davonrennen", warnte sie.

Sperrstunde und Maskenpflicht

In Hessen überschreiten aktuell Frankfurt und Offenbach diese kritische Marke. Beide Städte hatten in den vergangenen Tagen strengere Maßnahmen verkündet, die bereits viele der zwischen den Bürgermeistern vereinbarten Punkte enthalten.

Darunter sind eine Sperrstunde für die Gastronomie, die in Frankfurt und Offenbach zwischen 23 und 6 Uhr gilt, sowie die Begrenzung der Teilnehmerzahl bei Veranstaltungen und Feiern. Auch die Maskenpflicht soll nach den Beschlüssen von Kanzlerin und Bürgermeistern ausgeweitet werden. In Frankfurt gilt bereits eine Maskenpflicht in Einkaufsstraßen, in Offenbach bei Gottesdiensten und außerschulischen Bildungsveranstaltungen.

Geisterspiele und Bundeswehr-Einsatz

Merkel nannte außerdem den Ausschluss von Zuschauern bei Fußballspielen. Zudem sollten die Menschen in Krankenhäusern, Pflegeheimen sowie Senioren- und Behinderteneinrichtungen besonders geschützt werden - ohne sie zu isolieren. Auch mehr Corona-Tests und Schnelltests in Heimen und Krankenhäusern seien geplant.

Um Infektionsketten zu stoppen, soll künftig die Bundeswehr bei der Nachverfolgung der Kontaktpersonen unterstützen - und zwar bereits in Städten, in denen die Inzidenz bei 35 Neuinfektionen liegt. Auf Bitte der betroffenen Städte würden Bundeswehr und Experten des Robert Koch-Instituts entsendet, um in den Hotspots bei der Eindämmung der Pandemie zu unterstützen, heißt es in dem gemeinsamen Beschluss der Bürgermeister.

Frankfurt erwägt Alkoholverbot

Steigen die Infektionszahlen trotz der genannten Maßnahmen weiter an, seien nach zehn Tagen weitere Beschränkungen unvermeidlich, um öffentliche Kontakte weitgehend zu reduzieren, heißt es in dem Papier weiter. Ziel sei es unter anderem, erneute Schließungen von Schulen und Kitas zu vermeiden.

Frankfurts Oberbürgermeister Feldmann sagte nach den Beratungen, er sei erleichtert, dass die für Frankfurt beschlossenen Maßnahmen "kein hessischer Sonderweg" seien, sondern von den anderen Städten mitgetragen würden. Er erwäge, die Unterstützung der Bundeswehr anzunehmen.

Außerdem werde die Stadt über Beschränkungen beim Verkauf von Alkohol nachdenken. Bislang gilt in Frankfurt lediglich, dass Alkohol auf bestimmten öffentlichen Plätzen nicht mehr getrunken werden darf. Über ein weitreichenderes Verbot werde der Verwaltungsstab in der kommenden Woche diskutieren.

Schwenke: "Wir brauchen die Bundeswehr"

Bundes- und Landesregierung seien gefordert, die Ballungsräume im Kampf gegen Corona besonders zu unterstützen, sagte der Offenbacher Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD). "Wir brauchen Personal von RKI, Bundeswehr und Co., wenn Fallzahlen besonders hoch sind." Auch die Testkapazitäten müssten in den Hotspots ausgeweitet werden.

Schwenke plädierte dafür, beim Krisenmanagement die gesamte Region im Blick zu behalten. Im Rhein-Main-Gebiet beispielsweise ergebe eine Sperrstunde in einer einzelnen Stadt wenig Sinn, wenn die Menschen noch in der Nachbarstadt feiern gehen könnten.

Sendung: hr-iNFO, 09.10.2020, 16 Uhr