Impfung

Auch die Hausärzte sollen gegen Corona impfen: Während die Landesregierung ein entsprechendes Pilotprojekt ankündigt, hat der Wetteraukreis bereits damit begonnen. Was vor Ort allerdings fehlt: ausreichend Impfstoff.

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zum Video Pilotprojekt: Corona-Impfungen in Arztpraxen

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Nicht nur in den Impfzentren soll künftig hessenweit gegen Corona geimpft werden, sondern auch durch die niedergelassenen Ärzte. Die Landesregierung kündigte am Mittwoch ein entsprechendes Pilotprojekt an:

50 Praxen im Land sollen dabei eingebunden werden, teilten Sozialminister Kai Klose (Grüne) und Innenminister Peter Beuth (CDU) am Mittwoch mit. Die Mediziner können sich freiwillig für die Teilnahme melden.

Hausärzte im Wetteraukreis impfen schon

Was die Landesregierung plant, wird im Wetteraukreis seit dieser Woche schon umgesetzt. Arztpraxen können sich hier als Impfteam registrieren lassen und im Auftrag des Landkreises Patienten zuhause oder in der Praxis gegen Corona impfen. Wie Amtsarzt Reinhold Merbs dem hr am Mittwoch sagte, hatten sich am Montag bereits 30 Praxen registriert. 3.500 Impfstoff-Einheiten seien dorthin ausgeliefert worden.

Bis Ende der Woche solle alles verimpft sein. Ziel sei es, vor allem ältere Menschen vor Ort zu impfen, die häuslich gepflegt werden und den Weg ins Impfzentrum des Kreises in Büdingen nicht antreten können. Geimpft werde vor allem mit dem Astrazeneca-Impfstoff, wegen dessen unkomplizierter Lagerung und Kühlung.

"Ausgebremst durch fehlenden Impfstoff"

Inzwischen wollen laut Merbs kreisweit sogar 60 Arztpraxen mitmachen. Doch man könne die zusätzlichen Hausärzte aktuell nicht beliefern. Das Problem: "Wir werden jetzt ausgebremst durch fehlende Impfstoff-Mengen", kritisierte der Amtsarzt. Er plädierte dafür, das Impfen durch die Hausärzte zügig überall möglich zu machen.

"Wer impft denn Millionen von Menschen jedes Jahr gegen Grippe? Wer hat denn die Kernkompetenz für das Impfen in der Fläche? Das sind unsere Hausärzte", sagte Merbs.

Das angekündigte Pilotprojekt des Landes sieht er kritisch: Man brauche jetzt keine besonderen Auswahlkriterien, die einen schnellen Start verzögerten. "Gebt denen den Impfstoff, und sie werden impfen - und wir werden Meter machen." Es müsse jetzt vor allem Impfstoff besorgt werden. Das sei das eigentliche Problem.

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Der Wetterauer Amtsarzt Reinhold Merbs.
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Landesregierung: Ab April 64.000 Impfungen täglich möglich

Die Minister Klose und Beuth sagten am Mittwoch, nach den derzeit vorliegenden Informationen werde ab April erwartet, dass pro Tag Impfstoff für rund 64.000 Impfungen verfügbar ist. Die hessischen Impfzentren inklusive der mobilen Teams hätten eine Kapazität von täglich bis zu 50.000 Impfungen. Um den Impfstoff möglichst schnell zu verwenden, sei es daher wichtig, dass die Ärzte landesweit eingebunden werden.

In dem Modellvorhaben sollen bis Ende März zunächst rund 10.000 Impfdosen bereitgestellt und in zunächst 50 niedergelassenen Arztpraxen verabreicht werden. Die Praxen sind für den Impfstoffbezug und die Dokumentation jeweils an ein Impfzentrum angebunden. Die niedergelassenen Ärzte sollen die zu impfenden Personen nach der Priorisierungsreihenfolge eigenverantwortlich auswählen.

Impfzentren sollen Hausärzte beauftragen

Auch bei den Impfterminen zu Hause sollen die Hausärzte in dem Pilotprojekt eingesetzt werden, kündigten die Minister an. Die Impfzentren könnten dann regional niedergelassene Ärzte beauftragen, diese Impfungen zu verabreichen. Die Impfzentren könnten dazu die Daten der Menschen abrufen, die sich für die Impfung zu Hause gemeldet haben. Der Zugang sei datenschutzkonform sichergestellt.

Nach Absprache mit den Impfzentren könnten damit neben den mobilen Impfteams auch niedergelassene Ärzte die Menschen zu Hause impfen. Der benötigte Impfstoff werde dafür von den Impfzentren zur Verfügung gestellt.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 10.03.2021, 19.30 Uhr