Die Stühle im Klassenraum sind hochgestellt, auf der Tafel steht mit Kreide das Wort "Lockdown".

Während es weiterhin keine Homeoffice- und Testpflicht in Büros gibt, werden die Schulen mal wieder flächendeckend geschlossen. Diese Corona-Politik ist unfair und zukunftsvergessen.

Ministerpräsident Bouffier hat bei der Debatte um die Bundesnotbremse im Bundesrat gesagt: "Schulen brauchen ein Mindestmaß an Vorbereitungs- und Planungszeit. Ansonsten werden die Schulen, die Eltern und die Lehrer verrückt." Bezeichnenderweise hat er die Schülerinnen und Schüler selbst nicht erwähnt.

Die öffentliche Aufregung um die Bundesnotbremse dreht sich fast ausschließlich um die nächtliche Ausgangssperre - eine vornehmlich demokratietheoretische Diskussion, denn abends hat ohnehin nichts auf, wohin man gehen könnte. Und dass man niemanden zu Hause besuchen sollte, müsste sich nach einem zähen Jahr Pandemie von selbst verstehen (leider passiert es vermutlich häufig). Wie viele nächtliche Jogger es geben mag?

Haben Schulen für die Politik Priorität?

Von den Kindern, die seit Monaten nicht in ihre Klassen gehen dürfen oder nach wenigen Wochen des Wechselunterrichts nun wieder zu Hause lernen müssen und kaum Freunde sehen dürfen, redet kaum jemand. Die Frage ist: Taten und tun die Politiker genug, um Kindern auch in der Pandemie ein möglichst kindgerechtes Leben zu gestatten? Kinder brauchen Kinder.

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Portrait von Stephan Loichinger. Daneben steht "Meinung".

Stephan Loichinger
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Kinder brauchen nicht alle zwei Wochen neue Regeln. Kultusminister Lorz stellte noch vor den Osterferien in Aussicht, dass Grundschüler danach jeden Tag in die Klassen zurückkehren können und die Schülerinnen und Schüler ab der siebten Jahrgangsstufe zumindest im Wechselunterricht - dabei muss ihm da schon klar gewesen sein, dass die Infektionszahlen unweigerlich steigen, zumal die Politik der Pandemie seit März kaum etwas entgegenstellt.

Seit dieser Woche gilt in den Präsenzklassen plötzlich eine Schnelltestpflicht - sinnvoll, schließlich gibt es endlich Tests in ausreichender Menge. Die Kinder machen das prima, wie man hört. Nützt ihnen aber nichts, weil die Bundesnotbremse jetzt zu Schulschließungen in den allermeisten Kreisen führt. Dabei müsste die Politik alles dafür tun, die Schulen offen zu halten: Lehrerinnen und Lehrer schneller impfen, regelmäßig Schülerinnnen und Schüler testen.

Für Büros gibt es kaum Pflichten

Egal, wie sehr sich Schulen und Kinder um Unterricht unter verschärften Hygienebedingungen bemühen, früher oder später sperrt ihnen die Politik wieder die Klassenräume zu. In den Büros dagegen: keine Homeoffice-Pflicht, keine Testpflicht, nur Appelle. Das ist unfair und verschiebt die Lasten übermäßig auf die Schultern der Kinder (und Eltern).

Es ist auch zukunftsvergessen: Es muss oberstes Ziel einer Gesellschaft sein, dass Kinder bestmöglich aufwachsen. Stattdessen ist es so, dass seit Beginn der Pandemie diejenigen, die es eh schon schwerer hatten, ziemlich abgehängt werden. Auch viele andere verkümmern mit jedem Tag Lockdown ein Stückchen mehr. Und die Eltern? Werden langsam, aber ziemlich sicher verrückt.

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