Grafik, die ein Mann und eine Frau an einem Tisch sitzend zeigt. Vor sich haben sie ein Papier liegen, auf dem Wahlbenachrichtigung steht. Er schaut etwas fragend und blickt auf das Papier. Sie zeigt auf, dass sie eine Frage stellen möchte.

Wie vergebe ich meine Stimmen? Warum stehen Laschet, Baerbock und Scholz nicht auf meinem Wahlzettel? Und woher bekomme ich Briefwahlunterlagen? Fragen und Antworten zur Bundestagswahl am 26. September.

Wer darf wählen?

Wählen darf, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, mindestens 18 Jahre alt ist und seinen Wohnsitz seit mindestens drei Monaten in Deutschland hat. Laut Statistischem Landesamt trifft das auf rund 4,3 Millionen Hessinnen und Hessen zu. Darunter sind auch 220.000 junge Menschen, die zum ersten Mal an einer Bundestagswahl teilnehmen dürfen.

Erstmals wählen dürfen außerdem Menschen mit Behinderung, die unter Betreuung stehen, sowie Straftäter, die als schuldunfähig gelten. Auch im Ausland lebende Deutsche sind unter bestimmten Bedingungen wahlberechtigt. Detaillierte Informationen dazu finden Sie hier.

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An einem Tisch stehen zwei Personen: eine steckt einen Zettel in eine  Wahlurne aus Karton, eine andere steht daneben und schaut zu. Auf den Tisch liegen viele Papiere.
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Wen kann ich wählen?

Noch sitzen im Bundestag genau 50 Abgeordnete aus Hessen. 515 Hessinnen und Hessen kämpfen dieses Mal um die Bundestagsmandate. 22 von ihnen werden als Wahlkreissieger ein Direktmandat erhalten. Für die Zweitstimme stehen in Hessen 23 Parteien zur Auswahl. Darunter sind neben den sechs bereits im Bundestag vertretenen, großen Parteien auch 17 kleinere, deren Wahlprogramme wir in diesem Beitrag zusammengefasst haben. Einen Überblick zu den Wahlprogrammen der sechs großen Parteien finden Sie hier.

Parallel zur Bundestagswahl finden am 26. September in rund 30 Gemeinden und Städten Bürgermeisterwahlen statt. Gießen wählt einen neuen Oberbürgermeister und einen Landrat, auch in Waldeck-Frankenberg und Offenbach werden Landräte gewählt.

Ist die Wahl in der Corona-Pandemie sicher?

Wegen der Pandemie gilt in den Wahllokalen eine Maskenpflicht. Wer sich weigert, eine Maske zu tragen und kein entsprechendes Attest vorlegen kann, muss seine Stimmen per Briefwahl abgeben. In die Wahlräume darf außerdem nur eine bestimmte Anzahl an Wählerinnen und Wählern, alle anderen müssen draußen warten. Aus Hygienegründen dürfen eigene Stifte benutzt werden.

Die 2G- oder 3G-Regel gilt im Wahllokal nicht. Wahlhelfer müssen ebenso wie Wählerinnen weder geimpft, noch getestet sein. Das hat der Bundeswahlleiter festgelegt.

Wer kurzfristig in Quarantäne muss, kann die Briefwahlunterlagen noch am Wahltag bis 15 Uhr im zuständigen Rathaus oder Bürgerbüro abholen lassen. Dort müssen die ausgefüllten Wahlunterlagen bis 18 Uhr wieder vorliegen.

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Eine Frau trägt eine Maske und wirft ihren Wahlschein in eine Urne.
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Wie funktioniert die Briefwahl?

Letzte Möglichkeit für die Briefwahl: Nur noch am 24. September können Sie die Unterlagen bei Ihrer Stadt oder Gemeinde beantragen. Das sollten Sie jetzt nicht mehr auf dem Briefweg machen, sondern direkt ins Briefwahllokal fahren. Dort können Sie die Unterlagen auch direkt ausfüllen oder später einwerfen. Unterlagen, die erst nach Sonntag, 18 Uhr bei den Behörden eingehen, können nicht mehr ausgezählt werden. Grundsätzlich haben alle Wählerinnen und Wähler das Recht, die Möglichkeit der Briefwahl ohne Angabe von Gründen in Anspruch zu nehmen.

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Warum habe ich zwei Stimmen?

Mit der Erststimme (auf der linken Seite des Wahlzettels) wird der Direktkandidat gewählt, der den eigenen Wahlkreis im Bundestag vertritt. Das kann auch ein parteiloser Bewerber sein oder die Kandidatin einer Partei, die nicht für die Zweitstimme zur Auswahl steht.

Die Zweitstimme entscheidet über die Stärke der Partei und damit über die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag. Bei der Verteilung der Sitze auf die Landeslisten werden die Parteien berücksichtigt, die bundesweit mindestens fünf Prozent aller abgegebenen Zweitstimmen oder drei Direktmandate erhalten haben. 2013 scheiterten FDP und AfD an dieser Hürde.

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Eine Frau hält ihren Stimmzettel in der Hand.
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Wie entscheidet sich, wer Bundeskanzler oder Kanzlerin wird?

Armin Laschet (CDU), Olaf Scholz (SPD) oder Annalena Baerbock (Grüne): Wählerinnen und Wähler haben nur indirekt Einfluss darauf, wer auf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) folgt. Der neu gewählte Bundestag wählt den Kanzler oder die Kanzlerin auf Vorschlag des Bundespräsidenten, der vorher mit den Fraktionen spricht. Der neue Bundeskanzler oder die neue Bundeskanzlerin schlägt dem Bundespräsidenten dann wiederum sein Kabinett, also seine Ministerinnen und Minister, vor.

Dabei gibt es ein paar ungeschriebene Regeln. Unter den Ministern sollten gleich viele Männer und Frauen sein, ebenso sollte es Vertreterinnen aus Ost- und Westdeutschland geben. In der Regel haben die großen Landesverbände bei der Besetzung der Posten mehr mitzureden. Dass – wie aktuell – drei Ministerposten aus dem Saarland besetzt sind (Kramp-Karrenbauer, Altmaier und Maas), schien vorher so unwahrscheinlich wie ein 6:0 gegen Bayern München.

Warum gibt es Streit um das Wahlrecht?

Deutschland leistet sich das größte Parlament aller demokratischen Länder – sogar das Europaparlament ist kleiner. Aktuell sitzen im Bundestag 709 Abgeordnete, vorgesehen waren ursprünglich 598. Das liegt an den vielen Überhang- und Ausgleichsmandaten. Diese entstehen, wenn eine Partei in einem Bundesland mehr Direktmandate erhält, als ihr Sitze über die Zweitstimmen zustünden. Die anderen Parteien erhalten dann auch zusätzliche Mandate, damit das Sitzverhältnis nicht verzerrt wird.

Da der Bundestag in den vergangenen Jahren immer teurer wurde, sind sich die Parteien einig, dass das Parlament schrumpfen soll. Streit gibt es aber über das Wie. Die Regierungsparteien setzten schließlich im Alleingang eine Wahlrechtsreform durch: Bis zu drei Überhangmandate werden nun nicht mehr ausgeglichen, die Überhangmandate sollen zudem mit den Zweitstimmen aus anderen Bundesländern verrechnet werden. Außerdem soll es ab 2025 nur noch 280 Wahlkreise und damit weniger Direktmandate geben.

FDP, Linke und Grüne haben gegen die Reform geklagt, weil sie fürchten, dass die Union davon profitieren könnte, wenn Überhangmandate nicht mehr vollständig ausgeglichen werden. Sie fordern stattdessen, die Wahlkreise auf 250 zu begrenzen. Einen Eilantrag der Oppositionsparteien hat das Bundesverfassungsgericht abgelehnt.

Lohnt es sich, Abgeordneter zu werden?

Mit einem Bundestagsmandat geht eine große Verantwortung einher, die Abgeordneten pendeln außerdem ständig zwischen Berlin und ihrem Wahlkreis. Dafür erhalten sie sogenannte Diäten von rund 10.000 Euro im Monat. Hinzu kommt eine steuerfreie Kostenpauschale von fast 4.500 Euro, die sie zum Beispiel für die Miete des Wahlkreisbüros in ihrer Heimat nutzen können. Im Bundestag erhalten sie ihr eigenes Büro, das sie mit 12.000 Euro ausstatten dürfen, sowie 23.000 Euro für Mitarbeiter. Dazu kommt eine Bahncard 100 und Erstattungen der Flugkosten. Viele Abgeordnete haben außerdem Nebeneinkünfte.

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Audioseite Was verdienen Bundestagsabgeordnete?

Grafik, welche die Oberkörper von einer Frau und einem Mann in Anzügen zeigt. In seiner Brusttasche steckt statt eines Tuches ein 500 Euro-Schein. An ihrem Revers steckt eine Anstecknadel mit einer Art Blüte aus Geldscheinen geformt. Beide tragen an ihrem Kragen Anstecknadeln mit den Zeichen von Hessen (Löwe) und dem Bundestag (Adler).
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Wie ging die letzte Bundestagswahl aus?

2017 sah die Verteilung noch deutlich anders aus als die aktuellen Prognosen. Bundesweit 33,0 Prozent erhielt die Union bei den Zweitstimmen, dahinter folgte die SPD mit 20,5 Prozent. Die AfD kam auf 12,6 Prozent, auch die FDP fuhr mit 10,7 Prozent ein zweistelliges Ergebnis ein. Die Grünen (8,9 Prozent) landeten noch hinter der Linken (9,2 Prozent). In Hessen erhielten die Grünen dagegen mehr Stimmen als die Linke.

Wann stehen die Ergebnisse fest?

Erste Hochrechnungen für das bundesweite Wahlergebnis werden am Wahlsonntag ab 18 Uhr veröffentlicht. Die ersten Gemeinden sind erfahrungsgemäß schon nach ein bis zwei Stunden mit dem Auszählen fertig. Bis alle Wahlkreissieger feststehen, kann es aber ein paar Stunden dauern. Mit einem Landesergebnis wird erst gegen Mitternacht gerechnet, das vorläufige amtliche Endergebnis der gesamten Bundestagswahl wird wohl erst am frühen Montagmorgen vorliegen.