Kandidaten für den SPD-Vorsitz bei der Regionalkonferenz in Friedberg

Alle sieben Kandidatenpaare für den SPD-Vorsitz haben sich bei der ersten Regionalkonferenz in Hessen präsentiert. Die Parteimitglieder haben bald die Qual der Wahl, denn im Wesentlichen waren sich die Anwärter einig.

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Auf 23 Regionalkonferenzen in ganz Deutschland bis Mitte Oktober stellen sich die Bewerber um den Bundesvorsitz der SPD bei der Parteibasis vor. Am Montagabend machte der Kandidatentross Station in Friedberg, der fünften Regionalkonferenz insgesamt und der ersten in Hessen.

Angesichts der Fülle an Bewerbern mussten jede einzelne Politikerin und jeder einzelne Politiker ihre und seine Botschaft in wenigen Worten transportieren. Der Überblick über den Abend in der gebotenen Kürze:

Wer war da?

Alle sieben verbliebenen Bewerberpaare um die Doppelspitze, die mutmaßlich die SPD künftig anführen wird: Gesine Schwan und Ralf Stegner, Nina Scheer und Karl Lauterbach, Klara Geywitz und Olaf Scholz, Petra Köpping und Boris Pistorius, Hilde Mattheis und Dierk Hirschel, Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans, Christina Kampmann und Michael Roth. Einzig der Einzelkandidat Karl-Heinz Brunner fehlte.

Wie war der Zuspruch?

Die Stadthalle Frieberg war voll. 800 SPD-Mitglieder hörten sich an, was die Paare zu sagen hatten: in den jeweils fünfminütigen Eingangsstatements, dann in jeweils einminütigen Antworten auf Klimaschutz-Fragen der Moderatorin, die im Übrigen sehr genau auf die Redezeit achtete. Frauke Gützkow von der Lehrergewerkschaft GEW durfte die Kandidaten dann noch interviewen, bevor das Publikum an die Reihe kam. Und das hatte sehr viele und sehr unterschiedliche Fragen: zu den Rahmenbedingungen der Erwachsenenbildung, zu einer Ausbildungsgarantie in Betrieben, zu Barrierefreiheit an Bahnhöfen, zu einem möglichen Lobby-Register, zur Art des Neuanfangs in der SPD insgesamt.

Gab es eine zentrale Botschaft?

Mehrere.

Alle Kandidaten stellten klar: Ein gerechteres Deutschland brauche eine starke Sozialdemokratie, und mehr Gerechtigkeit gerade für die sogenannten kleinen Leute sei das, was Deutschland brauche. Dierk Hirschel zum Beispiel rief aus, er wolle "einen Schutzwall gegen den Finanzmarktkapitalismus bauen" und Pflege und Wohnen nicht länger dem Profit unterordnen.

Mehr Gleichberechtigung auch für die Frau. "Ich habe keine Lust, dass die Männer weiter für die Frauen Politik machen", sagte Klara Geywitz. Dieses Anliegen vermittelte sich an dem Abend in Friedberg auch dadurch, dass die Frauen sehr oft, die Männer seltener zu Wort kamen. Was nach Jahrzehnten der Männerrunden ganz gut tut.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found SPD-Regionalkonferenz: Kurzweiliger Abend unter straffer Regie

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Dann Klimaschutz: plötzlich das Herzensprojekt der Sozialdemokraten, wobei gleich alle fleißig hinterschoben, dass man grüner als die Grünen auch nicht werden wolle. Wichtig sei, dass man Klimaschutz vor allem sozial verträglich und unter Beteiligung der betroffenen Menschen, zum Beispiel in den Kohleabbaugebieten in der Lausitz, betreibe, wie Gesine Schwan betonte.

Schließlich lobte man fleißig die eigene Partei ("Die SPD lebt!", Petra Köpping) und die Atmosphäre im Saal, wobei die kaum auffiel: Unten hörten sie ruhig zu, oben redeten sie geordnet in den vorgegebenen Zeitkästchen.

Woran entzündete sich Streit?

Dass die Bewerber der Partei neuen Lebensmut einhauchen wollen, versteht sich von selbst. Fraglich ist, ob der SPD dies in der Großen Koalition gelingt oder besser draußen. Man hätte also erwarten können, dass sich Vize-Kanzler Olaf Scholz und GroKo-Kritiker Karl Lauterbach darüber fetzen. Fehlanzeige. Während Lauterbach sämtliche Beiträge dazu nutzte, der eigenen Partei den Aussteig aus dem ungeliebten Bündnis mit der CDU zu empfehlen ("Wir sind die Partei, die die Konzepte hat, aber mit der Union könnnen wir keines davon umsetzen"), sagte Scholz lediglich: "Wir wollen eine starke Sozialdemokratie." Ach so.

Wie schlug sich unser hessischer Bewerber Michael Roth?

Der Staatssekretär aus dem Bundestagswahlkreis Hersfeld-Rotenburg Werra-Meißner-Kreis war anwesend, aber hat er etwas gesagt? Auch bei den Schlussstatements, die sich alle anderen Teams geschwisterlich aufteilten, strebte er nichts ans Mikro, selbst als seine wortgewaltige Teampartnerin Christina Kampmann es ihm in letzter Sekunde doch noch überreichte. Vielleicht spielt er bei der Regionalkonferenz am kommenden Montag in Baunatal (Kassel) in seinem Bezirk Hessen-Nord seinen Heimvorteil aus.

Wie geht es jetzt weiter?

Bis 12. Oktober ziehen die Bewerber noch übers Land. Bei einer anschließenden Mitgliederbefragung bestimmt die SPD-Basis, wer die Nachfolge der zurückgetretenen Parteivorsitzenden Andrea Nahles übernimmt und ob es tatsächlich eine Doppelspitze geben wird.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 09.09.2019, 19.30 Uhr