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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Landtag debattiert über Hebammenausbildung

hs

Die Ausbildung von Hebammen und Geburtshelfern soll akademisiert werden. Statt Fachschulen sollen Hochschulen die künftig entsprechende Abschlüsse anbieten. Im Landtag wurde am Mittwoch über den Weg dahin debattiert.

In einem Punkt sind sich alle sechs Landtagsfraktionen an diesem Mittwoch einig: Der Hebammen- beruf gehört aufgewertet und gefördert. Uneinigkeit herrscht über den Weg dahin - insbesondere jenen, den die schwarz-grüne Landesregierung bei der Akademisierung der Hebammenausbildung eingeschlagen hat.

Hochschulen statt Fachschulen

Die Vorgaben für die künftige Hebammenausbildung kommen aus Brüssel. Eine bereits 2005 verabschiedete EU-Richtlinie sieht vor, dass Berufsabschlüsse innerhalb der Union angeglichen werden. Für Hebammen und Geburtshelfer bedeutet dies, dass die Fachausbildung künftig nicht mehr an Fachschulen, sondern an Hochschulen stattfinden soll. Am Ende soll ein Bachelor-Abschluss stehen. Ein entsprechendes Bundesgesetz trat Anfang 2020 in Kraft.

Die Ausführung allerdings obliegt den Bundesländern. Die Grünen - Juniorpartner in der Wiesbadener Koalition - versprechen eine zügige Umsetzung der Bundesvorgaben. Ab 2023 übernehmen Hochschulen an den Standorten Marburg, Frankfurt, Gießen und Fulda die duale Ausbildung im Verbund mit den Kliniken. 142 Studienplätze sollen dort künftig zur Verfügung stehen.

Hoffen auf höhere Gehälter

Damit würde die bisherige Ausbildungskapazität von 120 Plätzen nicht nur erhalten, sondern gesteigert, betonte Grünen-Abgeordnete Kathrin Anders in der Landtagsdebatte: "Das ist ein großartiger Erfolg, weil wir dadurch zeigen, dass wir keine Lücke entstehen lassen."

Anders' Parteikollegin, Wissenschaftsministerin Angela Dorn, betonte, dass die Landesregierung in den Jahren 2021 bis 2027 rund 22 Millionen Euro für die Hebammen- und Geburtshelferausbildung zur Verfügung stelle. Durch die Akademisierung der Ausbildung stehe zu erwarten, "dass sich auch der Stellenwert der Hebammen im Gesundheitswesen verbessert".

Ähnlich äußerte sich Claudia Ravensburg von der CDU: "Wir versprechen uns daher auch eine deutliche Aufwertung des Berufes und eine deutlich höhere gesellschaftliche aber auch finanzielle Anerkennung für die Hebammen".

Opposition: Zu wenig, zu zögerlich

Die Opposition im Landtag kritisierte das Vorgehen der Landesregierung derweil als nicht ausreichend, um die Arbeitssituation der Hebammen in Hessen nachhaltig zu verbessern. Die SPD bemängelte die fehlenden Konzepte bei der Frage einer besseren Vergütung. "Wo sind die Initiativen um Gehälter und Honorare auch ohne Akademisierung zu steigern", fragte die SPD-Abgeordnete Daniela Sommer. Die Landesregierung habe viel versprochen, aber wenig umgesetzt.

Die künftige Hochschulausbildung sei zwar ein wichtiger Schritt für die Aufwertung des Berufsfeldes, sagte Christiane Böhme, gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion. Allerdings sei Hessen im Vergleich zu anderen Bundesländern zu langsam in der Umsetzung. "Der Ausbau um 22 zusätzliche Ausbildungsplätze ist jedoch vollkommen unzureichend angesichts des großen Hebammenmangels", so Böhme.

AfD und FDP kritisierten, dass das Problem schon lange bekannt sei, die Landesregierung jedoch nur zögerlich reagiert habe. "Viel zu lange ist nichts passiert. Die Landesregierung war viel zu lange nicht auskunftsfähig, was in dieser Hinsicht passieren solle", sagte der FDP-Abgeordnete Yanki Pürsün.

Sendung: hr-iNFO, 28.04.2021, 14 Uhr.