Demonstranten vor dem italienischen Konsulat in Frankfurt

Rund 250 Menschen haben in Frankfurt vor dem italienischen Konsulat gegen die Festnahme der Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete demonstriert. Eine weitere Demo ist für Samstag geplant.

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Seawatch Demo in Frankfurt
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Rund 250 Menschen demonstrierten am Montagmittag im Frankfurter Westend vor dem italienischen Konsulat gegen die Festnahme von Carola Rackete. Ihre Forderung: Freiheit für die Kapitänin des Rettungsschiffs "Sea-Watch 3".

Demonstranten sehen in Rackete eine Heldin

Aufgerufen zu dem Protest hatten Pro Asyl und der hessische Flüchlingsrat. "Wir akzeptieren nicht, dass Seenotrettung kriminalisiert wird", sagte Karl Kopp, Leiter der Europa-Abteilung von Pro Asyl. Für Kopp und seine Mitdemonstranten steht fest: Die 31-jährige Rackete, die in der Nacht auf Samstag festgenommen wurde, nachdem sie mit 40 Flüchtlingen an Bord den italienischen Hafen Lampedusa angelaufen hatte, handelte richtig.

Rackete ist in den Augen der Demonstranten eine Heldin. So wie die anderen freiwilligen Helfer der deutschen Hilfsorganisation Sea Watch und weiteren Nicht-Regierungsorganisationen (NGO), die im Mittelmeer Geflüchtete vor dem Ertrinken retten.

Für die festgenommene Kapitänin sind mehrere Hilfsaktionen angelaufen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kritisierte Racketes Festnahme, Bundespolitiker wie Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) drängen auf ihre Freilassung, bei Spendenaufrufen kam mehr als eine Million Euro zusammen.

"Mit der Sea-Watch-Kapitänin ist natürlich die falsche Frau festgenommen worden", sagte der hessische Landtagsabgeordnete der Linkspartei und Demo-Teilnehmer, Ulrich Wilken.

Linke sieht "tödliche Abschottungspolitik"

Wo es eine Heldin gibt, ist meist ein Bösewicht nicht fern. Diese Rolle wiesen die Demonstranten dem italienischen Innenminister Matteo Salvini zu, der die italienischen Häfen für Seenotrettungs-NGOs gesperrt hatte. Die Linksfraktion im Landtag sprach in einer Pressemitteilung am Montag von einer "tödlichen Abschottungspolitik".

Wilken wird vor dem Generalkonsulat noch deutlicher: "Eigentliche müsste der Innenminister vor den Kadi gezerrt werden und alle seine Helfershelfer, die dafür sorgen, dass Menschen im Mittelmeer weiter ertrinken müssen."

Weitere Demo am Samstag

Doch die Forderungen der Demonstranten richteten sich nicht alleine an Rom. "Wir wollen, dass Leute aufgenommen werden", betonte Timmo Scherenberg vom hessischen Flüchtlingsrat. "Wir fordern nicht nur etwas von Italien, nicht nur von der italienischen Regierung, sondern auch von der Europäischen Union und der hessischen Landesregierung."

Es dürfte nicht der letzte Protest im Zusammenhang mit Racketes Verhaftung gewesen sein. Für Samstag (6. Juli) ruft die Organisation "Seebrücke" bundesweit zur Protesten gegen die Festnahme auf - unter anderem in Frankfurt.