Gedenktafel und Saal mit großer "70" auf der Leinwand.
Eine Gedenktafel erinnert in Heppenheim an die Gründung der FDP - am Samstag feierte die Partei hier ihren Geburtstag. Bild © Katharina Wilhelm (hr)

Über Jahrzehnte prägte sie die Bundesrepublik, steckte aber auch Niederlagen ein: Die FDP, vor 70 Jahren in Heppenheim gegründet, feierte am Samstag Geburtstag. Bundeschef Lindner sprach auch über eine mögliche Zusammenarbeit mit der CDU unter Annegret Kramp-Karrenbauer.

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hs

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Die Scheiben im ehrwürdigen Kurmainzer Amtshof in Heppenheim (Bergstraße) sind beschlagen - der festliche Saal ist rappelvoll. Hier feiert die FDP an diesem Samstag sich selbst. Denn vor 70 Jahren, am 12. Dezember 1948, wurde die Partei in diesen Räumen gegründet.

Seitdem hat die Partei eine wechselvolle Geschichte durchlebt. Die FDP prägte die politische Landschaft über Jahrzehnte als wichtiger Koalitionspartner von Union und SPD.  Bundeschef Christian Lindner betont dann auch in seiner Rede: "Diese drei Parteien, die über Jahrzehnte die Bundesrepublik geprägt haben, haben dafür gesorgt, dass es keine extremen Ausschläge im Land gegeben hat."

Eine große Geschichte - aber kein Selbstzweck

Bei der Feierlichkeit fallen viele große Namen: Theodor Heuss, Walter Scheel und natürlich Hans-Dietrich Genscher, über Jahrzehnte das Gesicht deutscher Außenpolitik. Aber Lindner will nicht nur die Geschichte sprechen lassen: "Parteien sind kein Selbstzweck. Wer sich im Wettbewerb am Markt nicht bewährt, scheidet aus ihm aus."

Er spricht aus Erfahrung, schließlich war die FDP von 2013 bis 2017 selbst nicht im Bundestag vertreten. Lindner führte die Partei zurück ins Parlament, entschied sich aber dann, nicht gemeinsam mit CDU und Grünen in einer sogenannten Jamaika-Koalition regieren zu wollen.

Neue Chance für Jamaika?

Die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sagt, sie glaube zwar nicht, dass Jamaika im Jahr 2019 ein Revival erlebt, aber die Grundhaltung der Partei sei, "dass versucht werden soll, eine Chance zum Regieren zu nutzen."

Schließlich haben sich auch die anderen Parteien weiterentwickelt. So hat etwa die CDU nun mit Annegret Kramp-Karrenbauer eine neue Vorsitzende. Lindner kritisiert deren Linie in Gesellschaftsfragen - wie der Ehe für alle - scharf. Aber eine Zusammenarbeit sei prinzipiell natürlich möglich, so Christian Lindner: "Kompromisse müssen gebildet werden."

Wichtige Wahlen im kommenden Jahr

Für 2019 stehen Wahlen in den östlichen Bundesländern an, ein schwieriges Terrain für die FDP - außerdem die Europawahl, wo sich die Freien Demokraten bewusst als Europabefürworter aufstellen wollen. Bürgerrechte verteidigen, Bildung und Digitalisierung voranbringen, das sind Themen, auf die die FDP im kommenden Jahr besonders setzen will.