Der Hessentrend liefert der Landesregierung durchaus einen Vertrauensbeweis. Bislang ist von dem angekündigten Aufbruch in eine bessere Zukunft jedoch nichts zu spüren, findet unser Kommentator.

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Tarek Al-Wazir (Grüne) und Volker Bouffier (CDU) im hessischen Landtag

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kommentar: geräuscharm auf die Wahlperiode eingestellt

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Man stelle sich vor, in den zurückliegenden hundert Tagen hätte es einen politischen Kracher in Hessen gegeben: eine plötzliche Krisenlage von außen oder einen internen Zwist in dieser schwarz-grünen Koalition. Dann hätte dieser hr-Hessentrend vermutlich ganz andere Zahlen und Stimmungen geliefert. Unsere Umfrage zeigt, wie unmittelbar laufende Themen und öffentliche Debatten sich darin niederschlagen. Das lässt sich beispielsweise an der erheblich gewachsenen Bedeutung des Themas Klimaschutz ablesen.

Und so hätten auch politische Stimmungen sich schnell verändern können, wäre ein solcher Fall eingetreten. Kam aber nicht. Und Schwarz-Grün hat selbst alles vermieden, um unnötige Reibung in diesen ersten 100 Tagen entstehen zu lassen. Die Koalition hat ohnehin Übung darin, interne Konflikte - wenn sie denn auftreten - behutsam auszuräumen. Das monatelange Hauen und Stechen in der Berliner Koalition war ein gutes Lehrbeispiel dafür, wie man es nicht machen soll.

Mehrheit der Befragten sieht keinen Anlass zur Klage

Der Wahlbürger mag keinen offenen Streit, sondern will, dass die gewählte Regierung in seinem Sinne regiert. Aus dem Hessentrend lässt sich zumindest ablesen, dass die große Mehrheit der Befragten derzeit zumindest keinen Anlass zur Klage oder zur großen Unzufriedenheit mit Schwarz-Grün sieht.

Regierung und Koalition haben sich weitgehend geräuscharm für die vor ihnen liegende Wahlperiode aufgestellt, ohne groß die politische Auseinandersetzung zu suchen. Manchmal hat das den einfachen Grund, dass erst einmal neue Strukturen geschaffen und neue Mitarbeiter gefunden werden müssen.

Die ereignisarme Zeit hat die Opposition entsprechend kommentiert: reine Ankündigungspolitik sei das, eine Regierung so unangreifbar wie ein Wackelpudding. Und: Es drohe eine Politik des "weiter so". Wahr ist daran, dass von dem Aufbruch, den Schwarz-Grün als Motto in den Koalitionsvertrag geschrieben haben, bisher nichts zu spüren war.

Wohnraum, Verkehrswende, Klimaschutz: Hier muss die Koalition liefern

Dabei hat Schwarz-Grün einiges vor sich. Dem Problem der Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum läuft die Regierung bislang hinterher. Wirksamerer Klimaschutz müsste eigentlich zu einem durchgreifenderen Konzept führen. Die Verkehrswende ist zwar in aller Munde, aber es staut sich weiter gleichermaßen auf den Straßen und in den vollen Zügen. Und am Ende droht auch dieser Regierung, dass sich die Haushaltslage verschlechtern könnte - eine zusätzliche Bewährung für eine mit Blick auf die Kassenlage verwöhnte Koalition.

Dieser Hessentrend ist durchaus ein Vertrauensbeweis für diese Landesregierung. Aber: Stimmungen schlagen schnell um. Und die Opposition wird darauf achten, dass sich Schwarze und Grüne auf den für sie beruhigenden Zahlen nicht ausruhen.