Sie arbeiteten für die Bundeswehr, schafften es aber bisher nicht aus Afghanistan. In Frankfurt sind Ortskräfte mit ihren Familien gelandet - insgesamt 56 Personen. Organisiert wurde der Flug von einem privaten Netzwerk. Die Organisation will damit zeigen, dass Rettungsflüge weiterhin möglich sind.

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Audioseite Afghanische Ortskräfte in Frankfurt gelandet

An Terminal 1 des Frankfurter Flughafens sind am Dienstag mehr als 50 ausgeflogene Ortskräfte aus Afghanistan angekommen.
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Am Dienstagvormittag endete für einige afghanische Ortskräfte und deren Familien ihre gefährliche Odyssee: Organisiert vom "Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte" landeten insgesamt 56 Personen aus neun Familien mit einer Maschine aus Istanbul am Frankfurter Flughafen.

"Nachdem die Taliban die Kontrolle über Afghanistan übernommen hatten, haben wir alles versucht, um den Kabuler Flughafen zu erreichen", sagte Wali, ein 27-Jähriger, der in Afghanistan der Bundeswehr zugearbeitet hatte. "Doch dort waren zehntausende Menschen ohne Papiere, für uns war es unmöglich, zum Flughafen durchzukommen." Die Situation vor Ort sei schrecklich gewesen, "und sie wurde von Tag zu Tag schlimmer", sagte Wali, der aus Sorge um seine in Afghanistan verbliebenen Familienmitglieder keine konkreteren Angaben zu seiner Herkunft und Arbeit machen wollte. Nur so viel: "Ich war wirklich stolz, für die Bundeswehr zu arbeiten."

"Diese Menschen hatten in den letzten Wochen Todesängste"

Auch die anderen Ortskräfte hätten als Lagerarbeiter, Reinigungskräfte und Übersetzer der Bundeswehr zugearbeitet, sagte Lukas Wehner, der Regionalbeauftragte Südwest vom "Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte". "Diese Menschen hatten in den letzten Wochen Todesängste", sagte Wehner. Als Verein habe das Netzwerk privat die Flüge und Visa bezahlt, Wehner schätzt die Kosten dafür "im niedrig sechsstelligen Bereich." Er kritisiert dafür die scheidende Bundesregierung: "Wir sind natürlich enttäuscht, dass die das nicht hinbekommen hat."

Auch Wali sagt, er sei sehr enttäuscht gewesen, als er nicht zu jenen Ortskräften gehörte, die Afghanistan verlassen konnten. Umso glücklicher sei er jetzt, Deutschland erreicht zu haben. Er und die anderen 55 Personen treten nun, nach einer Befragung durch die Bundespolizei, ihre pandemiebedingte zweiwöchige Quarantäne an, ehe sie auf Gemeinschaftsunterkünfte in jeweilige Kommunen verteilt werden.

Weitere Flüge nach Frankfurt geplant

Lukas Wehner sieht darin ein doppeltes Signal: Zum einen an die noch in Afghanistan verbliebenen Ortskräfte, zum anderen an die neue Bundesregierung. "Die sehen heute: Es ist weiterhin möglich, Ortskräfte zu evakuieren."

Das "Patenschaftsnetzwerk" sei mit Personen in Verbindung, die sich derzeit in einem Drittstaat um Visa für Deutschland bemühen sowie mit visumsberechtigten Personen, die demnächst Afghanistan in Richtung des Drittlandes verlassen. Somit erwarten sie auch in den kommenden Tagen und Wochen weitere Familien, die nach Deutschland ausgeflogen werden. Das Netzwerk hat für diese Woche noch weitere Flüge nach Frankfurt organisiert.

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