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Audioseite Eintracht will gegen Zuschauer-Begrenzung klagen

Einige Fans schauen das Spiel der Eintracht gegen Bielefeld im Frankfurter Stadion.

Erst 25.000, dann 10.000 und jetzt doch nur 5.000: Beim Spiel von Frankfurt gegen Saint-Étienne sind immer weniger Zuschauer erlaubt. Verursacher des Chaos ist offenbar das Sozialministerium. Die Eintracht und das Frankfurter Gesundheitsamt sind sauer.

"Wer soll da noch durchblicken?", twitterte die SPD-Landesvorsitzende Nancy Faeser am Montagmorgen. Anlass für ihre Kritik: Das Sozialministerium hatte am Sonntag eine Klarstellung zu Sport- und Kulturveranstaltungen veröffentlicht. Demnach sind ab einer Inzidenz von 35 generell nur noch 5.000 Zuschauerinnen und Zuschauer erlaubt.

Dabei hatte das Ministerium dem hr am Samstag noch auf Anfrage mitgeteilt, diese von Bund und Ländern beschlossene Vorgabe habe lediglich "orientierenden Charakter". Die örtlich zuständigen Gesundheitsämter dürften individuell entscheiden, ob größere Veranstaltungen stattfinden.

In Frankfurt hatte das Gesundheitsamt 10.000 Fans für das Testspiel gegen Saint-Étienne am kommenden Samstag erlaubt - davon mindestens 5.000 Geimpfte und Genesene. Für weitere Veranstaltungen im Frankfurter Waldstadion standen bis zu 25.000 Zuschauer im Raum.

Majer: Land verspielt Impfanreiz

Auch bei der Stadt Frankfurt ging es hin und her: Noch am Montagvormittag war Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) zurückgerudert: Nachdem das Land seine Auslegungshinweise nachträglich konkretisiert habe, sei klar: Maximal 5.000 Zuschauer sind erlaubt, Ausnahmen für Geimpfte und Genesene nicht zulässig. Majer zeigte sich verärgert darüber, denn die Stadt habe sich vor Erteilung der Genehmigung extra mit dem Rechtsamt abgestimmt und sogar noch einmal beim Land nachgefragt.

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Eintracht Frankfurt gegen AS Saint-Étienne live im hr

Der Hessische Rundfunk zeigt das Testspiel von Eintracht Frankfurt gegen Saint-Étienne am 31. Juli, 15.30 Uhr, live im hr-fernsehen sowie im Stream auf hessenschau.de.

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"Das Land entscheidet letztlich - ganz klar. Wir finden aber unsere Genehmigung in der Sache weiterhin vernünftig", hatte Majer dem hr am Vormittag gesagt. Zumal die Aussicht auf einen Stadionbesuch die Impfbereitschaft beim einen oder anderen Hessen durchaus gesteigert habe. "Gerade jetzt, wo die Impfbereitschaft zurückgeht, brauchen wir doch Anreize für die Menschen, sich impfen zu lassen. Und für viele ist eben ein Fußballspiel ein solcher Anreiz", ärgerte sich Majer. Das formale Verfahren des Landes bezeichnete er als "gewöhnungsbedürftig".

Stadt fordert Rechtssicherheit

Am Montagnachmittag dann eine neue Kehrtwende: Majer will die Zulassung von 10.000 Zuschauerinnen und Zuschauern doch nicht zurücknehmen. Die Stadt Frankfurt sehe dafür "keine rechtliche Grundlage", teilte der Gesundheitsdezernent nun mit.

Die Verordnung des Landes sehe keine speziellen Regeln bei höheren Inzidenzen vor. Außerdem gehe sie nicht auf Regelungen zu Großveranstaltungen per se ein. Die Auslegungshinweise zur Corona-Schutzverordnung gäben dazu zwar weitere Informationen, seien aber nicht rechtlich bindend. "Wir brauchen vom Land für dieses wie zukünftige Genehmigungsverfahren dringend Rechtsicherheit in diesen Fragen", forderte der Majer.

Das Sozialministerium hatte zuvor auf hr-Anfrage mitgeteilt, es habe sich erst im Nachhinein gezeigt, dass die bundesweit vereinbarten Leitlinien für Sportveranstaltungen eine "Unschärfe" enthalten hätten. Diese habe das Land nun beseitigt.

Eintracht will klagen

Unverständnis kommt nicht nur von der Stadt Frankfurt, sondern auch von der Eintracht selbst. Der Verein erwägt eine Klage gegen das Land Hessen. Er hat die Tickets für das Spiel gegen Saint-Étienne bereits verkauft.

Die Eintracht wartet noch auf einen neuen Bescheid, der die geplante Änderung des hessischen Ministeriums beschließt. Eintracht-Justiziar Philipp Reschke sagte am Montag, dass der Klub noch auf den neuen Bescheid mit der neuen Linie des Landes warte - erst dann könne er dagegen vorgehen: "Wir halten es für schwer darstellbar, dass eine Absprache mit dem Gesundheitsamt fünf Tage später kassiert wird. Es bestärkt uns in der Vorgehensweise, für eine rechtliche Klärung zu sorgen."

Dass Geimpfte und Genesene mit Nicht-Geimpften gleichgestellt würden, sei nicht verständlich. Abgesehen davon seien planbare Ticketverkäufe praktisch unmöglich, wenn die Zuschauerkapazitäten dauerhaft an Inzidenzen gekoppelt würden.

Werden bei Fußballspielen in der kommenden Saison also generell nur 5.000 Menschen im Stadion erlaubt sein? Derzeit deutet darauf einiges hin. Virologen warnen bereits jetzt vor einer vierten Infektionswelle. Landesweit ist die Inzidenz mit 17,7 zwar noch weit von der 35 entfernt. In Frankfurt liegt sie allerdings bereits seit Tagen darüber.

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