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Audioseite Uneinigkeit über Sanierung der Odenwaldhalle

Die Odenwaldhalle in Michelstadt

Otto, Reinhard Mey, den Blauen Bock: Die Odenwaldhalle in Michelstadt hatte sie alle. Wo einst TV-Shows liefen, ist Sanierung überfällig. Doch die wichtigste Frage ist noch nicht beantwortet.

Sie hat die zu ihrer Zeit ganz Großen zu Besuch gehabt: Hans-Joachim Kulenkampff, Heinz Schenk, Heidi Kabel. Otto Waalkes zählte zu ihren Gästen und Reinhard Mey. In der Odenwaldhalle in Michelstadt bauten die Fernsehsender vor allem in den 60er- und 70er-Jahren ihre Fernsehkameras auf, um den Blauen Bock oder das Ohnsorg-Theater in die Nation hinaus zu tragen.

Nur noch eingeschränkte Nutzbarkeit

Doch die goldenen Zeiten sind längst vorbei, die Diva ist in die Jahre gekommen. Seit Jahren führt die Odenwaldhalle ein Schattendasein, ist nur noch eingeschränkt nutzbar. Der Bau ist marode, Technik und Infrastruktur sind veraltet. Das Makeover ist längst fällig. Allein über das Wie scheiden sich die Geister.

Einigkeit herrscht allenthalben darüber, dass die Halle nicht abgerissen und neu gebaut, sondern saniert werden soll. Eine Untersuchung habe ergeben, dass dies die kostengünstigere Variante sei, zumal die Grundsubstanz erhalten ist, erklärt Bürgermeister Tobias Robischon (ÜWG). Die Entscheidung für die Sanierung war bereits im vergangenen Jahr gefallen.

Bürgermeister: Brauchen eine Leitidee

Die Neugestaltung sollte sich an den Bedürfnissen der potenziellen Nutzer orientieren und an der Frage, was die Odenwaldhalle künftig sein soll. "Ist es ein Vereinsheim, ein großes Kulturhaus, ein Stadtteilzentrum?", zählt Robischon die Möglichkeiten auf. "Man braucht eine Leitidee."

Als die Stadt bei Schulen, Vereinen und Veranstaltern herumfragte, zeigte sich, dass die Bedürfnisse zum Teil sehr unterschiedlich ausfielen. Heraus kamen zwei Konzeptvarianten, die kürzlich bei einer Infoveranstaltung vorgestellt wurden. Eine Ideallösung, die alle zufriedenstellt, war jedoch nicht darunter.

Schule will großen Saal erhalten

Wesentlicher Knackpunkt ist die Frage nach der Größe des Saals. Bisher bietet er 800 Menschen Platz. Kulturveranstalter der Region würden sich darin verlieren. Eines der Konzepte sieht daher vor, den Saal auf knapp zwei Drittel zu verkleinern und zusätzlich kleinere Räume zu schaffen.

Für das angrenzende Gymnasium, das zu den häufigsten Nutzern der Halle gehört, geht das aber gar nicht. "Für uns ist wichtig ist, dass ein großer Saal erhalten bleibt", betont Schulleiter Richard Knapp. Bei der Entwicklung der Schule mit ihren heute rund 1.400 Schülern sei die Odenwaldhalle immer mitgedacht worden. Einen eigenen Raum für Versammlungen, Abibälle oder Ähnliches habe man deshalb nicht.

Man lehne die Sanierungskonzepte ja nicht generell als unzureichend ab, stellt Knapp klar. Er könne sich aber eine Lösung vorstellen, bei der der große Saal durch flexible Trennwände unterteilt wird. "Dann könnte man auch einen kleineren Theaterabend oder ein Konzert mit 300 Leuten machen." Zudem gebe es ja unabhängig vom jetzigen Saal schon ein paar größere Räume.

Idee des Dorfgemeinschaftshauses

Für Robischon braucht es angesichts der divergierenden Interessen ein Betriebskonzept. In den vergangenen Jahren sei nur das Nötigste gemacht worden, um die Halle offen zu halten. In dieser Zeit sei sie nur von denen genutzt worden, die sie seit Jahrzehnten nutzen. "Wir müssen einen Weg finden, dass die Halle ein lebendiger Ort in der Mitte der Stadt wird."

Denken könne man etwa an frei buchbare Vereins- und Seminarräume, an Treffpunkte für Familien im Sinne eines Dorfgemeinschaftshauses, an Beratungs- und Kursangebote. Die Halle sollte für Kulturveranstalter attraktiv sein, auch was die technische Ausstattung betrifft. "Da kommt ein Haufen an Wünschen und Ideen zusammen."

Anwohnerinitiative plädiert für Kulturzentrum

Den altehrwürdigen Bau wieder mit Leben zu füllen, ist auch das Anliegen der "Freunde der Odenwaldhalle", eines losen Zusammenschlusses von rund 20 Anwohnern und Kulturinteressierten. Sie wollen zunehmendem Vandalismus mit einem Konzept begegnen, das ein Kulturzentrum mit Theater, Konzerten und Medienzentrum vorsieht, wie Initiator Axel Schäfer erklärt. "Wir wollten etwas schaffen, das über die Stadt hinaus Ausstrahlung hat."

Dazu könne eine Hochtribüne im hinteren Teil der Halle nach vorne verlängert werden, sodass darüber ein kleinerer Saal für 200 Personen geschaffen werden könne. Unterhalb der Tribüne könne man durch Trennwände einen weiteren Raum schaffen, der bei Bedarf zum Saal hin geöffnet wird, sodass weiterhin Platz für große Versammlungen vorhanden wäre, ein Drittel des Saales dann aber eine deutlich niedrigere Decke hätte.

Mit dem von der Initiative eingereichten Vorschlag müsste eigentlich auch das Gymnasium ganz gut leben können. Dass in einer der Konzeptvarianten des Planungsbüros plötzlich eine feste Trennwand auftauchte, hatte Schäfer selbst überrascht. "Daran hat sich schließlich der Unmut entzündet."

Entscheidung Anfang 2022

Es wird darauf hinauslaufen, dass sich alle Beteiligten noch einmal zusammensetzen. Das letzte Wort hat die Stadt. "Wir haben eine Variante 0 und eine Variante 1", sagt Robischon. "Jetzt will einer die Variante 0,5, ein anderer die Variante 0,25", erklärt er die Bandbreite der aufgekommenen Wünsche. "Das ist der Punkt, wo ich als Bürgermeister sage: Wir brauchen eine Entscheidung, wo wir eigentlich hin wollen."

Und die soll Anfang kommenden Jahres fallen. Der Zeitdruck sei da, macht der Bürgermeister klar. "Die Halle hat ein Ablaufdatum." In zwei bis drei Jahren, so schätzt der Rathauschef, müsse der Sanierungsplan für die Halle stehen. "Wenn wir nichts tun, wird sie geschlossen."

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