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AWO-Komplex: Ermittlungen gegen Manjura ausgeweitet

Ein Schild der AWO vor einem Haufen Geld

Im Zuge der AWO-Ermittlungen verhärtet sich der Verdacht gegen den Wiesbadener Sozialdezernenten Manjura: Der SPD-Politiker soll vertrauliche Informationen an die neue Leitung des Sozialverbands verschickt haben.

Bereits im Juli vergangenen Jahres durchsuchten Ermittler die Wohnung des Wiesbadener Sozialdezernenten Christoph Manjura. Der SPD-Politiker soll nach hr-Informationen besonders enge Beziehungen zur skandalträchtigen Arbeiterwohlfahrt (AWO) gepflegt und sich dabei wohl auch von der früheren AWO-Führung bestechen lassen haben.

Am Dienstag wurden nun erneut mehrere Wohn- und Geschäftsräume durchsucht, unter anderem die AWO-Geschäftsstelle in Wiesbaden. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt bestätigte dies dem hr am Mittwoch und teilte mit, der Verdacht gegen den 39-jährigen ehemaligen Stadtverordneten habe sich ausgeweitet.

Vertrauliche Dokumente an den neuen AWO-Vorstand

Neben Bestechlichkeit und einer Scheinbeschäftigung bei der AWO wird Manjura nun auch das Verraten von Dienstgeheimnissen an ein Mitglied des neuen AWO-Vorstands vorgeworfen. Die beiden neuen Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Hessenauer und Franz Betz waren eigentlich damit betraut, den Skandal rund um das Ehepaar Richter und den durch überhöhte Gehälter und ausufernden Dienstwagengebrauch entstandenen Millionenschaden aufzuarbeiten.

Konkret soll Manjura in seiner Funktion als Stadtrat von seiner privaten Mailadresse im vergangenen April und Mai mehrere vertrauliche Dokumente der Stadt Wiesbaden an das Vorstandsmitglied verschickt haben.

Zu diesem Zeitpunkt verhandelte der AWO-Kreisverband gerade mit der Stadt Wiesbaden über seine wirtschaftliche Existenz. Im laufenden Insolvenzverfahren wurde beschlossen, der Stadt mehrere Kitas zu verkaufen. Die Entscheidung darüber fiel am 20. Mai. Die Stadt hatte sich gegen mindestens einen Mitbewerber durchgesetzt.

Ermittlungen auch gegen neuen AWO-Vorstand

Die Generalstaatsanwaltschaft teilte mit, auch gegen das Vorstandsmitglied werde nun wegen des Verdachts der Anstiftung zur Verletzung des Dienstgeheimnisses ermittelt.

Der AWO-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Hessenauer bestätigte die Durchsuchungen in der Wiesbadener Geschäftsstelle. Es seien mehrere Datenträger beschlagnahmt worden. Er selbst habe mit den Beschuldigungen nichts zu tun, so Hessenauer. Infrage käme wohl noch sein Stellvertreter, Franz Betz, seines Zeichens ehemaliger Leiter des Sozialamts der Stadt Wiesbaden. Betz war am Mittwoch zunächst nicht zu erreichen.

Stadtrat Manjura teilte auf Anfrage mit, zu den offenbar gerade erst aufgenommen Ermittlungen könne er aktuell keine Stellungnahme abgeben, da ihm die Vorwürfe neu seien und noch keine entsprechenden Unterlagen vorlägen.

In der Vergangenheit hatte er wiederholt bestritten, nur zum Schein bei der AWO angestellt gewesen zu sein. Vor seiner Zeit als Sozialdezernent hatte er für die SPD im Stadtparlament gesessen und gleichzeitig einen Job bei der AWO.

OB Mende von Durchsuchungen überrascht

Auch der Wiesbadener Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) gab sich überrascht über die neuen Vorwürfe gegen seinen Sozialdezernenten. Er habe erst durch die hr-Anfrage dazu von der Sache erfahren, teilte er mit: "Ich hoffe und erwarte, dass die Generalstaatsanwaltschaft hier so zügig und so gründlich wie möglich ermittelt, um die Vorwürfe aufzuklären."

Manjura sei bereits im Juli, nach Bekanntwerden der Ermittlungen, von allen AWO-Angelegenheiten entbunden worden, um Interessenskonflikte auszuschließen, sagte Mende. Für dienstaufsichtliche Maßnahmen sei das Innenministerium zuständig.

Rücktrittsforderung aus der FDP

Aus der Opposition werden erste Rücktrittsforderungen laut. Sollte es zu einer Anklage gegen Manjura kommen, müsse er von seinem Amt als Stadtrat zurücktreten, sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende im Wiesbadener Stadtparlament, Christian Diers. Durch die neueren Vorwürfe sehe er sich zudem darin bestätigt, dass die AWO aufgrund ihrer Nähe zur SPD auch unter dem neuen Vorstand mit dem Prozess der Selbstreinigung nicht weiterkomme.

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