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Audioseite FDP-Mitglied beschreibt Methoden von AfD-Strippenzieher Rohrböck

Eine Person hält FDP-Werbemittel während einer Wahlkampfveranstaltung in Halberstadt (Sachsen-Anhalt) in den Händen. (dpa)

Nach den Enthüllungen von Unterwanderungsversuchen der Hessen-FDP: Zum ersten Mal beschreibt ein FDP-Mitglied, wie AfD-Strippenzieher Tom Rohrböck versuchte, in der Partei Einfluss zu gewinnen.

Der Unternehmer und Netzwerker Tom Rohrböck agiert aus dem Schatten heraus. Eine Homepage oder Firmenadresse sucht man vergeblich. Dennoch - oder vielleicht deswegen - soll er sich in der AfD und der Hessen-FDP ein beachtliches Netzwerk geschaffen haben.

Konfrontiert mit den Recherchen von NDR, WDR und der Zeit zog die hessische FDP Ende Juli die Reißleine und warnte in einem Schreiben an die Funktionäre vor persönliche Verflechtungen zu Rohrböck. Unterzeichnet hatte das Schreiben die Landesvorsitzende Bettina Stark-Watzinger.

Landeschefin: Partei äußert sich nicht zu persönlichen Themen

Sie selbst war Anfang 2020 bei einem von Rohrböck veranstalteten Event zum Thema Kryptowährungen in Salzburg, an dem liberale Parteikollegen und deutsche Unternehmer, aber Politiker der rechtspopulistischen FPÖ und der AfD teilnahmen. Auch andere Liberale, wie die Bundestagskandidatin Katja Adler aus dem Hochtaunus-Kreis hatten Kontakt mit Rohrböck. Außerdem mehrere Kommunalpolitiker aus Rohrböcks Heimatregion um Seligenstadt.

Zum Stand der Aufarbeitung von Rohrböcks Wirken in ihrer Partei will Stark-Watzinger derzeit nicht viel sagen. "Die Mitgliedschaft in einer Partei bedeutet nicht, dass die Mitglieder damit einwilligen, dass die Partei sich zu ihren persönlichen Themen äußert", sagt sie auf hr-Anfrage.

Nun geht zum ersten Mal ein FDP-Mitglied an die Öffentlichkeit, um über Rohrböcks Methoden zu berichten und vor seiner Einflussnahme zu warnen. Alexander Zeier ist Unternehmensberater aus Hattersheim (Main-Taunus) und auch Mitglied bei den Jungen Liberalen (JuLis), der Jugendorganisation der Partei. Er hatte wie Stark-Watzinger auch an dem von Rohrböck veranstalteten Event in Salzburg teilgenommen.

Zeier: Rohrböck wollte nicht sagen, woher das Geld kommt

Er berichtet, dass Rohrböck im Jahr 2019 über gemeinsame Bekannte mit ihm Kontakt aufgenommen habe. "Seine Meinung ist tatsächlich, dass viele Personen in die Politik gehen, weil sie sich davon einen wirtschaftlichen Aufstieg erhoffen - in Form eines monetären Zugewinns", beschreibt er Rohrböck. Folgt man seiner Darstellung, hat Rohrböck offensichtlich keine Hemmungen, dieses Prinzip zu bedienen.

Zeier hatte sich mit jungen Gleichgesinnten aus der Hessen-FDP zu einem losen Netzwerk zum Thema Kryptowährungen zusammengetan. Rohrböck forderte mehr Engagement des Netzwerks, das im Internet unter dem Namen "Cryptogrid.at" zu finden war. "Er hatte mich gedrängt, dass ich dieses Netzwerk in Form eines Vereins oder einer Firma führe, dass er dann auch schauen kann, dass entsprechende finanzielle Unterstützung mir zugutekommt."

Auf Zeiers Fragen, woher das Geld komme, habe Rohrböck ausweichend geantwortet. Deswegen, so Zeier, habe er kein Geld angenommen und Cryptogrid später eingestellt.

"Politiker gegebenenfalls erpressbar"

Tatsächlich lässt sich nicht nachvollziehen, woher das Geld von Rohrböck kommt, mit dem er Politiker der AfD und der Hessen-FDP unterstützt, und zu welchem Zweck er die Spendierhosen anzieht. Rohrböck selbst zieht es vor, auf Fragen zu Beweggründen seines finanziellen Engagements nicht zu antworten.

Aus seiner persönlichen Erfahrung warnt Zeier vor Rohrböcks Methoden. "Ich halte es für höchst problematisch, wenn Politiker in verantwortungsvolle Positionen kommen, in Regierungen oder auch Fraktionen, wenn sie gegebenenfalls erpressbar sind von einem Menschen, von dem man nicht weiß, was seine genauen Intentionen sind."

Als Blaupause für diese Masche könnte die "Monopoly Affäre" im Saarland dienen. An einem 2011 von Rohrböck inszenierten Brettspielabend nahmen nicht nur FDP-Politiker teil, sondern auch der heutige NPD-Bundesvorsitzende Frank Franz. Danach wurden Fotos von Liberalen mit dem Neonazi verbreitet, woraufhin sich mehrere FDP-Politiker aus der Partei zurückziehen mussten.

Bundestagskandidatin Adler "sehr schockiert"

Doch nicht alle in der FDP scheinen sich über mögliche Folgen von Rohrböcks Unterwanderungsversuchen ähnlich intensive Gedanken gemacht zu haben wie Zeier. So besteht der Verdacht, dass sich die FDP-Bundestagskandidatin Adler kurze Videos von Rohrböck finanzieren ließ.

Adler will sich dazu nicht äußern sagt aber: "Wie Sie wissen, haben mich Ihre Erkenntnisse und die anderer Journalisten zu mehr als zweifelhaften Aktivitäten von Herrn Rohrböck und über seine Kontakte zu Politikerinnen und Politikern aus fast allen Parteien sehr schockiert. An meinem klaren und unmissverständlichen Trennungsstrich zu Herrn Rohrböck lasse ich keinen Zweifel zu".

JuLis wollen Zeier loswerden

Weder Adler noch Stark-Watzinger mussten bisher parteiinterne Konsequenzen fürchten. Nur für Zeier könnte die Bekanntschaft mit Rohrböck Folgen haben. Nach hr-Informationen gibt es im Vorstand der hessischen JuLis Bestrebungen, ihn rauszuwerfen. Der Vorwurf: Teilnahme an einem von Rohrböck veranstalteten Event zum Thema "Kryptowährungen" in Salzburg.

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