Commerzbank Arena
Commerzbank Arena in Frankfurt. Bild © Rhode/Storch

Für Holzfäller ist Bannwald tabu. Beim Bau der Frankfurter Commerzbank-Arena für die Fußball-WM 2006 drückten die Behörden ein Auge zu. Den von der Stadt versprochenen Ersatzwald gibt es bis heute nicht.

Audiobeitrag
Commerzbank Arena

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Stadt bleibt Wald für WM-Arena schuldig

Ende des Audiobeitrags

Rund drei Hektar Wald - das ist die Fläche von etwa vier Fußballfeldern - wurden für den Nachfolge-Bau des Frankfurter Waldstadions gerodet. 2006 zur Fußball-WM in Deutschland war die Commerzbarnk Arena einsatzbereit. Der Wald hatte vor allem neuen Straßen und Zufahrten weichen müssen.

Die Stadt Frankfurt verpflichtete sich damals, an anderer Stelle Ersatz zu schaffen - und zwar auf dem Parkplatz Isenburger Schneise. "Direkt nach der Weltmeisterschaft 2006 sollte die Schneise aufgeforstet werden", sagte der Frankfurter Grünen-Politiker Reinhard Klapproth.

"Schulden beim Wald"

Bis heute sei aber praktisch nichts passiert. "Es sind nach wie vor noch 1.650 Parkplätze. Die Stadt hat also Schulden beim Wald und die Schulden eben leider noch nicht zurückgezahlt."

Auch die Obere Naturschutzbehörde, das Regierungspräsidium Darmstadt, ist nach eigenen Angaben vor kurzem auf das Versäumnis der Stadt aufmerksam geworden. Man habe von der Stadt einen Bericht angefordert und werde dann über das weitere Vorgehen beraten, erklärte die Aufsichtsbehörde.

Stadt will nicht auf Parkplätze verzichten

"Die Stadt ist ihrer Verpflichtung bisher nicht nachgekommen", räumte das zuständige Verkehrsdezernat der Stadt auf Anfrage von hr-iNFO knapp ein. "Die Aufgabe ist eine große Herausforderung."

Das Problem sind dem Vernehmen nach die Parkplätze. Platz für mehr als 1.500 Autos würde wegfallen, wenn die Isenburger Schneise aufgeforstet würde. Und auf diese Stellfläche will die Stadt offenbar nicht verzichten. Denn wenn die Eintracht spielt, wird jeder verfügbare Parkplatz gebraucht - viele Fans reisen mit dem Auto an.

Damit hat der Wald gegenüber dem Fußball offenbar wieder das Nachsehen. Kommunalpolitiker Klapproth ist frustriert: "Was soll ich machen? Ein Sit-in veranstalten? Wenn das nächste Eintracht-Spiel ist, dann machen wir hier also ein Sit-in."

Alternativ-Fläche geplatzt

Tatsächlich hatte die Stadt vor ein paar Jahren versucht, den Konflikt geräuschlos zu lösen. Sie wollte eine andere Ersatzfläche für den Wald erwerben. Doch das kam nicht zustande. Grundsätzlich ist das aber eine beliebte Strategie: Auch der Flughafenbetreiber Fraport hatte als Ausgleich für die Nordwest-Landebahn Flächen im Main-Kinzig-Kreis aufgeforstet.

Christoph von Eisenhart, Geschäftsführer der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in Hessen, hält von so einer Ausweichstrategie allerdings wenig: "Wir wollen, dass die Waldfläche gerade im Ballungsraum erhalten bleibt, weil sie für die Menschen, für die Naherholung, für die Klimaschutzfunktion, für die Grundwasserschutzfunktion so wichtig ist, dass wir auf die Waldfläche nicht verzichten können."

Auch von Eisenhart drängt die Stadt daher zu schnellem Handeln. Aber solange sich nichts tut, bleibt das Aufforstungsversprechen eben das, was auch die Fußball-WM 2006 gewesen ist: ein Sommermärchen mit Nachgeschmack.