Hessentrend zur Europawahl
So würden die Wähler in Hessen laut Hessentrend bei der Europawahl abstimmen. Bild © hessenschau.de

Am 26. Mai wird das Europaparlament gewählt: Im Hessentrend deuten sich Abstürze, Höhenflüge und mäßiges Interesse an der Wahl an. Die SPD ist der große Verlierer. Und jeder Zweite hat noch nie vom Unions-Spitzenkandidaten gehört.

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Die wichtigsten Ergebnisse des Europa-Hessentrends im Überblick:

  • Die SPD sackt stark ab: Sie ist im Hessentrend zur Europawahl mit 19 Prozent nur noch drittstärkste Partei in Hessen - ein Minus von mehr als elf Prozentpunkten gegenüber der Europawahl 2014. Dafür hat die SPD mit Katarina Barley die bekannteste Spitzenkandidatin.
  • Das Interesse an der Europawahl ist mäßig, das Wissen über Europa auch: Jeder zweite Befragte gab an, nur "ein wenig" über die Europäische Union zu wissen.
  • Die Grünen sind auch in Europa im Aufwind, sie gewinnen an Zustimmung und liegen mit 21 Prozent auf Platz 2 hinter der CDU. Grünen-Anhänger fühlen sich auch mit Europa am stärksten verbunden.

Die SPD taumelt auch auf europäischer Ebene: Wäre am kommenden Sonntag Europawahl, würden gerade noch 19 Prozent der wahlberechtigten Hessen der Partei ihre Stimme geben. Das wäre ein Verlust von 11,3 Prozentpunkten im Vergleich zur Europawahl 2014 (30,3 %). Damals lag sie fast gleichauf mit der CDU (30,6%). Die CDU verliert 3,6 Prozentpunkte im Vergleich zu 2014. Die Grünen würden nach dem aktuellen hr-Hessentrend 8,1 Prozentpunkte zulegen und mit 21 Prozent auf Platz 2 vorrücken.

AfD auf Platz 4, FDP gewinnt an Boden

Die Umfragewerte von CDU, SPD und Grünen ähneln den Ergebnissen des Hessentrends zur aktuellen Stimmung in der Landespolitik vom vergangenen Freitag. Dieser hatte mit dem grünen Höhenflug und den parallelen SPD-Verlusten bereits weitgehend das Ergebnis der Landtagswahl 2018 vom Oktober bestätigt.

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Die AfD würde laut der repräsentativen Meinungsumfrage zur Europawahl 12 Prozent bekommen, 2014 kam sie auf 9,1 Prozent der Stimmen in Hessen, bei der Landtagswahl erhielten die Rechtspopulisten 13,1 Prozent. Die Linke liegt mit 4 Prozent unter dem Ergebnis von 2014 (5,6%). Die FDP gewinnt im Hessentrend 3,9 Prozentpunkte und läge nun bei 8 Prozent.

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Was Sie über Wahlumfragen wissen müssen

Was ist eine Fehlergrenze? Was bedeutet eigentlich repräsentativ? Und wie kann ich an einer Umfrage teilnehmen? Die wichtigsten Fragen und Anwtorten zu Meinungsumfragen finden Sie hier.

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Kleinstparteien wie die NPD oder die Tierschutzpartei haben bei der Europawahl deutlich bessere Chancen als etwa bei der Landtagswahl - es gibt keine Sperrklausel. Das heißt, auch Parteien mit nur einem Prozent oder sogar weniger haben Chancen auf ein Mandat. So schaffte es bei der letzten Europawahl die Satirepartei "Die Partei" in Person von Ex-Titanic-Chef Martin Sonneborn ins Brüsseler Parlament - und das mit gerade mal 0,6 Prozent.

Manfred Wer?

Die Wahl des Europaparlaments am 26. Mai stößt laut Hessentrend auf mäßiges Interesse: Nur 21 Prozent der Befragten gaben an, sich dafür "sehr stark" zu interessieren, 45 Prozent setzten bei "weniger" oder "gar kein Interesse" ihr Kreuz. Bei der Europawahl 2014 gaben weniger als die Hälfte der Deutschen ihre Stimme ab (47,9 %) - immerhin etwas mehr als bei den vorherigen Wahlen 2004 und 2009.

Obwohl die SPD bei den Prozentpunkten stark verliert, ist SPD-Frau Katarina Barley die bekannteste deutsche Spitzenkanditatin im Hessentrend. Vom Kandidat der Union, Manfred Weber (CSU), hat nur die Hälfte der Befragten jemals etwas gehört - er rutscht damit auf Platz 4 in der Bekanntheitsskala noch hinter die Kandidaten von FDP und AfD. SPD-Kandidatin Barley dürfte bei der Frage "Kennen Sie ...?" von ihrem aktuellen Job als Bundesjustizministerin profitieren.

Die in Wiesbaden geborene Nicola Beer von der FDP belegt den zweiten Platz. Sie war - bevor sie 2017 in den Bundestag gewählt wurde - viele Jahre eines der bekanntesten Gesichter der Hessen-FDP. Auf Platz 3 ist der AfD-Kandidat Jörg Meuthen, ihn kennen 56 Prozent der Hessen. Und die Grünen? Viele wollen sie wählen, aber nur je 15 Prozent der Befragten kannten im Hessentrend die Namen der Doppelspitze aus Ska Keller und Sven Giegold.

Ist die EU Vorteil oder Nachteil für Deutschland?

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Mehrheit fühlt sich stark mit Europa verbunden

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Die Stimmung hat sich in vielen europäischen Ländern in den vergangenen Jahren gegen die EU gewendet, Europa-Skeptiker sind laut, Großbritannien arbeitet an der Großbaustelle EU-Austritt. Beim Hessentrend sagen 44 Prozent der Befragten, die EU-Mitgliedschaft sei für Deutschland eher von Vorteil. Fast genauso viele sind allerdings unsicher: 42 Prozent sagen, "Vor- und Nachteile halten sich die Waage". Nur 9 Prozent sind skeptisch und sehen eher Nachteile bei der EU-MItgliedschaft.

Worum geht es überhaupt bei der Europawahl? Laut dem Hessentrend sehen die Bürger die Themen Einwanderung und Asylpolitik als das drängendste Problem. Mehr als ein Drittel (40%) sind der Meinung, das Thema müsse vordringlich gelöst werden. Die Uneinigkeit der EU (26%) und Umweltschutz und Klimawandel (18%) belegen Platz zwei und drei bei den drängendsten Problemen, gefolgt vom Brexit (17%).

Hälfte weiß nur wenig über die EU

Jeder Zweite gab im Hessentrend an, nur "ein wenig" über die Europäische Union zu wissen. Gilt noch das Bild vom bürgerfernen Brüssel? Bei den 40- bis 64-Jährigen gaben 69 Prozent an, nur wenig oder "fast nichts" über die Arbeit der EU zu wissen. Bei den Jüngeren zwischen 18 und 39 sieht es nur wenig anders aus. Besser schneiden da die über 65-Jährigen ab, von ihnen gab immerhin knapp die Hälfte an, sich sehr gut oder gut mit Europa-Themen auszukennen.

Dass die EU auch Gutes hat, zeigt sich bei der Frage, was die Befragten mit Europa verbinden. Zumindest beim Urlaub ergibt sich ein klarer Vorteil: Das unkomplizierte Reisen über die Grenzen steht für die Begfragten an erster Stelle. Danach kommt und Frieden und erst dann negative Dinge wie Bürokratie und soziale Probleme.

Mehr als die Häfte gab außerdem an, eine starke Verbundenheit mit der Europäischen Union zu haben, 27 Prozent bezeichneten sie sogar als sehr stark. Von den Parteianhängern haben die Grünen die stärkste Verbundenheit mit Europa, 90 Prozent gaben ein starke oder sehr starke Verbundenheit an. Danach folgen SPD-Anhänger. Die größten EU-Skeptiker gibt es bei der AfD, mehr als die Hälfte ihrer Anhänger fühlt bei der EU anders: Sie setzten ihr Kreuz bei "weniger oder gar keine Verbundenheit".

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Hessentrend

Für den Hessentrend hat das Institut infratest dimap in der Zeit vom 16. bis 24. April 1.001 wahlberechtigte Hessen telefonisch befragt. Die Fehlertoleranz liegt zwischen 1,4 und 3,1 Prozentpunkten und gilt als repräsentativ.

Fragen und Antworten zum Thema Meinungsumfragen finden Sie hier.

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Live als Zuschauer dabei sein: Europawahl-Sendung im hr-fernsehen am 15. Mai

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#hrWAHL - Hessen wählt Europa: Seien Sie live dabei!

Für die einen ist die EU ein ausbaufähiges Projekt, eine Garantin von Frieden und Wohlstand. Für die anderen ein zerrissenes Bürokratie-Monster, das ganze Staaten in den Ruin treibt. Elf Tage vor der Europawahl diskutieren live im hr-fernsehen sechs hessische Kandidaten mit Bürgern, wie sie sich die Zukunft der Europäischen Union vorstellen und was sie in Brüssel und Straßburg erreichen wollen - auch für Hessen.

Bei der Sendung am 15. Mai in der Europäischen Schule in Frankfurt (21.00 bis 22.30 Uhr, Moderation: Ute Wellstein und Jens Kölker) sind mit dabei: Sven Simon (CDU), Udo Bullmann (SPD), Martin Häusling (Grüne), Christiane Anderson (AfD), Thorsten Lieb (FDP) und Özlem Alev Demirel (Linke). Und auch Sie können live mitwirken. Bewerben Sie sich jetzt hier mit Ihrer Frage.

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