Neuer Stadtteil für Frankfurt

Die Regionalversammlung Südhessen will mit geänderten Planungskriterien ungebremstes Bauen verhindern. Ein neuer Stadtteil im Frankfurter Nordwesten dürfte deutlich kleiner ausfallen als beabsichtigt - doch Planungsdezernent Josef ist nicht unzufrieden.

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hsk
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Frankfurt hat ein Problem: Immer mehr Menschen ziehen in die Stadt - es fehlen aber Wohnungen. Und die, die es gibt, sind häufig sehr teuer. Deshalb stellte die Stadtregierung vor etwa zwei Jahren ihren Plan vor, im Nordosten auf beiden Seiten der A5 einen neuen Stadtteil zu bauen - in Anlehnung an Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD) wird der geplante Stadtteil gerne auch mal "Josefstadt" genannt.

In den angrenzenden Städten Eschborn (Main-Taunus), Steinbach und Oberursel (beide Hochtaunus) war die Freude über die Pläne nicht gerade groß. Man fürchtet dort um die Eigenständigkeit der Kommunen.

Planungsdezernent Josef kämpft seitdem um den ersehnten Stadtteil im Nordwesten mit bis zu 12.000 Wohnungen. Er hat Experten aus anderen Großstädten ins Boot geholt, mit Bürgern gesprochen, mit den Nachbarkommunen und Politikern gestritten.

"Brauchen die Region so, wie sie gewollt wird"

Doch der Widerstand der Umlandpolitiker trägt nun Früchte. An diesem Freitag hat die Regionalversammlung Südhessen den Frankfurter Plänen faktisch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sie beschloss neue Kriterien zur Entwicklung der Region. Wichtige Punkte sind:

  • Zwischen Frankfurt und den Umlandgemeinden sollen Grünflächen eine natürliche Grenze bilden;
  • Eingriffe ins Grünland ab einer bestimmten Größe (2,5 Hektar pro Jahr) sollen ausgeschlossen sein;
  • Ausnahmen sollen erlaubt sein, sofern die polyzentrische Funktion und Natur der Region erhalten bleibt und die Eingriffe in die Natur ausgeglichen werden.

Eine Bebauung auf dem noch zu Frankfurt gehörenden Gebiet westlich der A5 in Richtung Oberursel und Steinbach wird praktisch ziemlich unmöglich, auch wenn Ausnahmen beantragt werden können und natürlich immer denkbar sind. Jürgen Banzer, der CDU-Fraktionschef im Regionalparlament, sagt: "Wir brauchen Wohnungen. Wir brauchen aber auch eine Entwicklung von Natur und Landschaft. Wir brauchen die Region so, wie sie ist und wie sie auch gewollt wird. Das ist eben anders als in Paris oder in London."

Frankfurt verbucht für sich einen Teilerfolg

Dennoch zeigte sich Frankfurts Planungsdezernent im Vorhinein nicht unglücklich über die sich bereits abzeichnende Entscheidung der Regionalversammlung. Denn sie ist eben auch eine Folge der Diskussionen der Vertreter Frankfurts mit ihren Kollegen in der Region und einer gewissen Verständigung.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Regionalversammlung will neue Planungskriterien beschließen

Das neue Quartier soll im Nordwesten Frankfurts an der A5 entstehen.
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Mike Josef spricht daher von einem Teilerfolg: "Die vergangenen zwei, drei Wochen waren ein Wechselbad der Gefühle. Weil es vor kurzem noch hieß, dass unser Quartier als einziges in Gänze kategorisch abgelehnt werden sollte." Nun habe die Regionalversammlung Kriterien für die weitere Entwicklung der Kommunen festgelegt, "die es uns ermöglichen, weiter zu planen", sagt Josef.

12.000 Wohnungen werden es nicht werden

Bislang ist die sogenannte Josefstadt im Frankfurter Nordwesten eine politische Absicht, in die konkrete Planung ist die Stadt noch nicht eingestiegen, geschweige denn dass ein Antrag dazu bei der Regionalversammlung vorläge. Absehbar ist aber, dass nicht weiter für das Gebiet westlich, sondern nur für die Felder östlich der A5 in der Nähe des Frankfurter Stadtteils Praunheim geplant wird. Dort dürften keine 12.000 Wohnungen entstehen, wie ursprünglich geplant. Eher deutlich weniger.

Mike Josef will sich nicht auf eine Zahl festlegen. Das hänge von vielen Parametern ab: "Welche städtebauliche Dichte geben wir an? Wie viel Infrastruktur, welche Schulen brauchen wir da beispielsweise? Wie sieht es mit den S-Bahn-Trassen aus? Die Regionaltangente West wird ja dort zukünftig halten. Wie viele Freiflächen, wie viele Parks wollen wir? Das sind alles Sachen, die wir prüfen werden."

Eigentümerverband fordert mehr Wohnungen

Die Regionalversammlung Südhessen will, dass im Rhein-Main-Gebiet bis 2030 maximal 230.000 Wohnungen entstehen werden. Es gibt Planungsbüros, die rund 130.000 Wohnungen mehr für möglich halten. Daher ärgert sich Jürgen Conzelmann, der Vorsitzende des Eigentümervereins Haus & Grund in Frankfurt, über die Regionalversammlung. Schließlich fehle es an bezahlbarem Wohnraum: "Ich appelliere eindringlich an die Umlandgemeinden und die Stadt Frankfurt, sich noch mal zu überlegen, wie man das Rhein-Main-Gebiet sinnvoll wohnungspolitisch aufrüsten muss."

Conzelmann ist überzeugt, dass es wegen der Arbeitsplätzen weiteren Zuzug in die Region geben wird, unabhängig von den Wachstumsvorstellungen der einzelnen Kommunen. Dem hält der CDU-Politiker Banzer entgegen: "Ja, das ist eine Bedarfsfrage. Aber wir können nur den Bedarf zulassen, der auch dafür sorgt, dass alle Menschen sich in der Region wohl fühlen. Und deswegen glaube ich, dass wir etwas bremsen müssen."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 13.12.2019, 16.45 Uhr