Der Erfolg hat viele Väter: Oberbürgermeister Feldmann (Mitte) eröffnete Ende September im Beisein seiner Amtsvorgängerin Roth die neue Frankfurter Altstadt - Screenshot "Frankfurt Magazin"
Der Erfolg hat viele Väter: Oberbürgermeister Feldmann (Mitte) eröffnete Ende September im Beisein seiner Amtsvorgängerin Roth die neue Frankfurter Altstadt - Screenshot "Frankfurt Magazin" Bild © picture-alliance/dpa - Screenshot "Frankfurt Magazin" / Collage

Die neue Altstadt in Frankfurt kommt beim Publikum gut an. Besucher pilgern in Scharen durch die Gassen. Jetzt wollte die CDU klarstellen, wem die Fachwerk-Pracht politisch zu verdanken ist. Aber der Versuch ging daneben.

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Altstadt Frankfurt

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Frankfurter CDU irritiert mit Altstadt-Prahlerei

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Die neue Frankfurter Altstadt gilt als Erfolg. Im Glanz des frischen Fachwerks sonnen sich auch Stadtpolitiker gern. Allen voran Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Oft nutzt er die schöne Kulisse für Foto-Termine, posiert auch schon mal mit dem Pinsel in der Hand - gerade so, als hätte er selbst die Deckenbemalung angefertigt.

Dass die Urheberrechte für die Altstadt aber keineswegs beim SPD-Mann liegen, das wollte die Frankfurter CDU-Fraktion nun klarstellen. In der jüngsten Sonderausgabe ihres "Frankfurt Magazin" findet sich ein Artikel mit dem Titel: "Die großartige neue Altstadt. Ein Projekt der CDU."

Damaliger CDU-Dezernent war für moderne Bebauung

Im Artikel heißt es: Die CDU habe das Altstadt-Projekt gegen den "erbitterten Widerstand der SPD" durchgesetzt. Als Wegbereiter des Wiederaufbaus wird ausgerechnet der frühere Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) genannt.

Diese Thesen sorgten in Frankfurt für Verwunderung. Gerade Schwarz‘ Rolle haben viele ganz anders in Erinnerung, auch die Archive sprechen eine andere Sprache. Zur Idee, Fachwerk zu rekonstruieren, sagte Schwarz 2005 im hr-Hörfunk: "Romantik ist das ja, da ist ja der Verstand ein bisschen außen vor geblieben." Er favorisierte eine moderne Bebauung.

Im Oberbürgermeister-Wahlkampf 2007 war es der SPD-Kandidat Franz Frey, der für Fachwerk plädierte. Die damalige Amtsinhaberin Petra Roth wollte sich zunächst nicht festlegen. Sie wurde erst zur Altstadt-Verfechterin, als in der Öffentlichkeit der Ruf nach neuem Fachwerk immer lauter wurde. Denn unter den Bürgern war das Altstadt-Projekt von Anfang an populär.

BFF spricht von "Geschichtsklitterung"

Ist die Altstadt dennoch ein CDU-Projekt? Die "Bürger für Frankfurt" (BFF) finden für die These harte Worte: "Anmaßung" und "Geschichtsklitterung". Und tatsächlich: Gäbe es im Stadtparlament ein Copyright für politische Initiativen, dann würde es wohl den BFF zustehen. Sie beantragten schon 2005, die Altstadt auf altem Grundriss wieder aufzubauen und einige markante Gebäude originalgetreu zu rekonstruieren - genau wie es dann später umgesetzt wurde.

Damals wurde der BFF-Antrag aber abgelehnt, auch von der CDU. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael zu Löwenstein lässt eine Vorreiter-Rolle der BFF trotzdem nicht gelten: "Der entscheidende Faktor war nicht diese Ein-Mann-Fraktion, sondern der entscheidende Faktor war, dass sich die tragenden Parteien im Römer dahinter gestellt haben." Wenn auch mit Verzögerung.

Offenbacher CDU-Mann beflügelte Altstadt-Pläne

Einen CDU-Mann gibt es allerdings, der wie kein anderer die Altstadt-Pläne beflügelte: Dominik Mangelmann, heute Bauingenieur, damals Student. Mit seinen Zeichnungen, die die Machbarkeit eines Wiederaufbaus belegen sollten, weckte er bei vielen Fachwerk-Träume.

Aber Pech für die Frankfurter CDU: Mangelmann ist bekennender Offenbacher und wurde anfangs von seinen Frankfurter Parteifreunden gar nicht ernst genommen. Als Kronzeuge dafür, dass die Frankfurter CDU die Altstadt erfunden hat, taugt er wohl kaum.