Foto: Peter Beuth (Innenminister) und Gerhard Bereswill (Polizeipräsident) stecken nebeneinander sitzend die Köpfe zusammen und flüstern.

Nach dem neuen Polizei-Skandal in Frankfurt löst Innenminister Beuth das dortige SEK auf und demütigt den Polizeipräsidenten. Damit demonstriert der Minister einen sehr eigenwilligen Führungsstil.

Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) scheint endgültig der Geduldsfaden gerissen zu sein. Nach dem x-ten Polizei-Skandal in den vergangenen Jahren hat er das Frankfurter SEK aufgelöst. Die Elite-Einheit in die Wüste geschickt. Er will einen Neustart und sagt damit: Es reicht! Mit mir nicht mehr! Schließlich steht auch der Innenminister als oberster Dienstherr nach zahlreichen Polizei-Skandalen in der Schusslinie. Es geht um seinen Job.

Nicht zum ersten Mal wird sein Rücktritt gefordert. Häufig wurde ihm Untätigkeit vorgeworfen. Diesmal hat er gehandelt. Er hat auf den Tisch gehauen. Nicht mit der Faust - sondern gleich mit dem Vorschlaghammer.

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Portrait von Frank Angermund. Daneben steht das Wort "Meinung".

Frank Angermund,
hr-Reporter

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Und er hat einen Subtext in Richtung des Frankfurter Polizeipräsidenten mitgeschickt. Beuth straft Gerhard Bereswill ab. Spricht ihm die Kompetenz ab. Denn nicht der Frankfurter, sondern der Wiesbadener Polizeipräsident soll den Neustart beim Frankfurter SEK leiten. Eine Demütigung. Bereswill hatte zuvor angekündigt, das SEK neu organisieren zu wollen.

Doch warum entlässt Beuth den Polizeipräsidenten nicht einfach? Schließlich gab es nicht nur den aktuellen SEK-Skandal bei der Frankfurter Polizei. Es gab auch illegale Datenabfragen, eine rechte Chatgruppe auf dem 1. Revier, Waffen sind aus der Asservatenkammer verschwunden, und es gibt Vorwürfe wegen Polizeigewalt bei linken Demos. Kündigungsgründe wären ausreichend vorhanden.

Bereswill pflegt anderen Stil als Beuth

Doch Gerhard Bereswill ist nicht nur in den eigenen Reihen beliebt und in der Frankfurter Stadtgesellschaft akzeptiert. Er lebt etwas vor, das Innenminister Beuth einfordert und selbst selten an den Tag legt - eine Fehlerkultur. Bereswill versucht seit langem, den rechtsextremen Umtrieben bei der Polizei den Garaus zu machen.

Er versucht, durch Schulungen seinen Beamten einen anderen Blick auf die Gesellschaft zu vermitteln. Er arbeitet die NS-Vergangenheit der Frankfurter Polizei auf. Bereswill stellt sich kritischen Journalistenfragen, steht im Stadtparlament Rede und Antwort und diskutiert öffentlich mit "NSU 2.0"-Opfern.

Sollte Beuth Bereswill den Stuhl vor die Tür setzen, müsste er sich die Frage gefallen lassen, warum er als oberster Dienstherr nicht selbst die Konsequenzen zieht und seinen Hut nimmt. Doch Beuth entlässt ihn nicht. Er degradiert ihn und legt ihm somit indirekt den Rücktritt nahe. Das ist dann doch nicht die konsequente Vorschlaghammer-Methode.

Zurück bleibt ein beliebter, aber angezählter Polizeipräsident ohne Autorität - und ein Minister mit einem eigenwilligen Führungsstil.