Eingang Uniklinik Frankfurt
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Überbelegung, Lärm, unfachmännische Behandlung und Gewalt: Recherchen des hr-Magazins defacto zu Missständen in der Akutpsychiatrie der Frankfurter Uniklinik rufen die Politik auf den Plan. Erklären soll sich aber nicht nur die Klinikleitung.

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zum hr-fernsehen.de Video Missstände in der Akutpsychiatrie am Uniklinikum Frankfurt

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Nach einem Bericht des hr-Magazins defacto über den Zustand der Akutpsychiatrie des Uniklinikums in Frankfurt hat das hessische Sozialministerium als Aufsichtsbehörde Aufklärung gefordert. Man habe eine Stellungnahme erbeten und die Klinikleitung zu einem Gespräch nach Wiesbaden eingeladen, sagte eine Sprecherin des Ministeriums am Mittwoch.

Das hr-Magazin hatte am Montag über Missstände in der Uniklinik berichtet, die dem öffentlichen Recht unterliegt. Demnach ist die für 18 Personen ausgelegte Akutstation häufig mit bis zu 26 Patienten belegt. Deshalb würden Betten teilweise auf die Flure gestellt. Die ohnehin psychisch labilen Patienten würden auf diese Weise zusätzlich gestresst.

Leiharbeiter statt Fachkräfte

Außerdem berichtete defacto von chronisch überbelasteten Mitarbeitern, was zu erheblicher Frustration führe. Ein Informant sagte: "Es ist sehr laut, die Atmosphäre ist ständig angespannt und gewaltbesetzt. Hier werde man nur noch kränker, erzählen Patienten. Sie leiden, und die Mitarbeiter auch."

Oftmals, so die Vorwürfe, werde Personal von Zeitarbeiterfirmen eingesetzt, das kaum über Fachkenntnisse verfüge und vor allem den richtigen Umgang mit fixierten Patienten nicht beherrsche. Gewalt komme regelmäßig vor. Dazu kämen bauliche Mängel.

Die Klinik erklärte auf Anfrage, man habe seit 2018 mit einem deutlichen Anstieg von Patientenzahlen zu tun. Dennoch gebe es aktuell keine Überbelegung. Außerdem gehörten Lautstärke und Stress im gewissen Maße zum Arbeitsalltag: Es handele sich um Patienten mit sehr herausforderndem Verhalten wie Impulsivität und Aggressionen.

Was wusste die Regierung? Linksfraktion stellt Dringlichkeitsantrag

Unterdessen hat die Linksfraktion im Landtag als Reaktion auf den hr-Bericht einen dringlichen Berichtsantrag in den Sozialausschuss eingebracht. Darin verlangt sie unter anderem Auskunft darüber, welche Art von Beschwerden in den vergangenen fünf Jahren wegen der Akutpsychiatrie in Frankfurt eingegangen sind und wie darauf reagiert wurde.

Ermittlungen gegen Psychiatrie Frankfurt-Höchst

Auch soll die Landesregierung Fragen darüber beantworten, wie sie generell mit den Missständen in hessischen Psychiatrie-Einrichtungen umgeht. Angestoßen hatte das Interesse die Berichterstattung eines RTL-Undercover-Teams in der Psychiatrie in Frankfurt-Höchst im März.

Nach den dort aufgezeigten Missständen - unter anderem sollen Patienten wochenlang ans Bett gefesselt worden sein - ermittelt mittlerweile die Staatsanwaltschaft Frankfurt wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung.